Andreas Kaufmann

Wenigstens eine würdevolle «Bestattung» hätte er sich für den Partyevent «Deep Underground» in der Kulturgarage gewünscht, bedauert Betreiber Markus Moerler: «Eine Abschlussparty wäre toll gewesen, jedoch wusste ich erst im Nachhinein, dass es die letzte ‹Deep›-Party gewesen war.»

Rückblende: Gemäss Baubewilligung von 1991 gestatten die baurechtlichen Nutzungsbestimmungen keinen Freinachtbetrieb bis 4 Uhr in der Kulturgarage an der Unteren Steingrubenstrasse. Doch über viele Jahre schien das Gewohnheitsrecht ausreichend, um das Partytreiben von «Deep» oder auch «Gentediaare» zu rechtfertigen. Jetzt nicht mehr: Konfrontiert mit der Aufforderung, eine Umnutzung bei der städtischen Baubehörde einzureichen, zieht sich die Bürogemeinschaft Kulturgarage von der Funktion als Partylokal zurück. Sie verzichtet darauf, die Umnutzung zum Partytempel voranzutreiben. Konsequenz: Moerler muss raus, ebenso Andrea Andreotti mit «Gentediaare» (siehe unten), die beide Events bis in das Morgengrauen veranstalteten.

Derweil blickt Moerler vorwärts: «Natürlich sind wir aktiv auf der Suche nach einem neuen Partylokal. Aber es besteht kein Zwang, nur Lust – Lust, etwas Neues anzureissen.» Unterdessen will er versuchen, das bisherige «Deep»-Stammpublikum über den zweiten Partybetrieb «Eleven» bei Laune zu halten: «Dort wollen wir einige Stamm-DJs des ‹Deep› einbeziehen, um dessen nun heimatloses Publikum abzuholen.» Zu diesem Zweck wurde die Reihe «Disco One» geschaffen, die im Vierzehntage- oder Dreiwochenturnus stattfinden soll.

«Eleven»-Erfolgsgeschichten

Und genau am «Eleven»-Standort an der Fabrikstrasse feierte und feiert Moerler zusammen mit Mitstreiter Olcay Sahin seit zwei Jahren kleine und grössere Erfolgsgeschichten: «Keine einzige Party war ein Durchhänger», resümiert Moerler. Das Erfolgsrezept dahinter: «Wir versuchen, bei jeder Party etwas Neues mit reinzubringen, ohne aber das Grundprinzip neu zu erfinden.» Es sind dies kleine Präsente wie in der Eigenmarke beschriftete Lollys, Labellos oder zum Frühlingsanfang einen Topf Primeli. «Einfach ein Sahnehäubchen drauf», vermeldet die Homepage des «Eleven» dazu. «Das kostet Geld», gibt Moerler zu, «kommt aber gut an.» Und auch in die anstehende Partysaison startet «Eleven» mit einigen Neuerungen: «Wir haben den Kassen- und Foyerbereich sowie die WC-Anlagen ausgebaut. Auch bei der Beleuchtung und den Musikanlagen haben wir einiges optimiert.» Doch bei allem dekorativen Aufwand kommt es auch nach seiner Ansicht vor allem auf eines an: «Was nützt uns ein teurer Star-DJ, wenn wir dafür die Räumlichkeit füllen müssen? Wir setzen stattdessen auf gute Leute mit gutem Groove – vor wie hinter der Bar.»

Bis 5 Uhr nicht wegen des Profits

Wobei man mit den «guten Leuten» schon bei der nächsten Herausforderung angelangt ist. So hatten Moerler und Sahin Hoffnungen auf die IG Nachtschatten gesetzt, die eine Versuchsphase mit Öffnungszeiten bis
5 Uhr einführen möchte. Ein erster Anlauf ist jedoch aktuell bei der kantonalen Handels- und Gewerbepolizei auf Granit gestossen (vgl. Artikel rechts). In der Testphase hätte jeder Veranstalter innerhalb seines festgelegten Perimeters für Ruhe und Ordnung sorgen müssen. «Für Partys bis fünf machen wir uns nicht aus einem Profitkalkül heraus stark, sondern, um die Leute bis zum ersten Zug oder Bus im Club zu behalten», versichert Moerler. Der Gast solle dabei nichts von den Massnahmen mitbekommen, «ausser, dass er von Solothurn einen positiven Eindruck erhält und sich auf einen sicheren Heimweg machen kann.»