Niederlande
Tagsüber Top-Bankerin, abends ist sie eine Domina

Conchita van der Waals führte zwei Leben. Tagsüber ging sie ihrem Job als Top-Bankerin nach, am Abend verdiente sie Tausende Euros als Domina. Als die niederländische Zentralbank von der zweiten Profession erfuhr, wurde sie entlassen.

Helmut Hetzel, Den Haag
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Conchita van der Waal – Top-Bankerin und Domina. Hier auf einem Foto von ihrer Website.

Conchita van der Waal – Top-Bankerin und Domina. Hier auf einem Foto von ihrer Website.

HO

Tagsüber sass sie in einem schicken Büro bei der niederländischen Zentralbank, wo sie als einflussreiche Bankerin tätig war.

Abends ging Conchita van der Waal, so ihr Künstlername, den sie sich für ihre Freizeit zulegte, einem zweiten Beruf nach. Der war ganz anders als der einer Finanzexpertin. Die Zentralbankerin verwandelte sich nach Feierabend in eine Domina.

Eine der Besten und Attraktivsten

Conchita van der Waal hat ihr eigenes SM-Studio in Amsterdam. Sie trat in Swingerclubs auf und war für private SM-Sessions zu buchen. Tarif: 1950 Euro der Abend, 4000 Euro das Wochenende. Selbst bezeichnete sich die Zentralbankerin als «High Class Escort Dame».

Ihre Leidenschaft, andere Menschen in sexuellen Spielen zu dominieren, bezeichnete sie als «mein Hobby». In der einschlägigen niederländischen SM-Szene galt die 46-jährige Conchita van der Waal seit Jahren als eine der besten und attraktivsten Dominas des Landes.

Ihr Arbeitgeber, die niederländische Zentralbank (DNB), will vom Doppelleben der führenden Bankerin angeblich nichts gewusst haben. Ebenso wenig wie ihre früheren Arbeitgeber, die ING-Finanzgruppe und die ABN Amrobank. Conchita van der Waal arbeitete bei der DNB bereits seit 2006.

Ihr Job dort: Sie war «Examining Officer» für Trustgeschäfte. Sie musste also die Trustgeschäfte, die die niederländische Zentralbank tätigte, prüfen und genehmigen. Eine wichtige, eine einflussreiche Position. Die Domina-Bankerin verdiente so ein Vermögen. Neben dem üppigen Gehalt von der Zentralbank flossen die Einnahmen aus den Auftritten als sexy Domina auf ihr Bankkonto.

Immobilienimperium aufgebaut

Jahrelang ging das gut. Zusammen mit ihrem Mann baute sich Conchita van der Waal mit den reichlich fliessenden Einnahmen ein kleines Immobilienimperium in den Niederlanden auf und kaufte zahlreiche Häuser in Amsterdam und anderswo. Bis eines Tages auch in der Chefetage der niederländischen Zentralbank die erotischen Fotos der Mitarbeiterin im Leder-Outfit auftauchten. Wie sie dorthin gekommen sind, das ist unklar. Wollte ein Zentralbanker die Domina Conchita vielleicht für eine Privat-Session buchen und erkannte in der Dame die Mitarbeiterin? Oder wurden die pikanten Fotos von der berühmten Domina und Zentralbankerin dem DNB-Vorstand von jemandem zugespielt?

Fest steht, dass Conchita van der Waal von der Zentralbank gefeuert wurde. Mit der Begründung, ihr Doppelleben als Domina in der Freizeit sei mit ihrem einflussreichen Job bei der Zentralbank nicht vereinbar. Sie werde dadurch angeblich erpressbar.

Rechtens oder nicht?

Nun ist in den Niederlanden eine heftige Debatte darüber entbrannt, ob die Entlassung rechtens ist oder nicht. Denn im Prinzip gilt, dass ein Arbeitnehmer in seiner Freizeit machen kann, was er oder sie will. Doch die niederländische Zentralbank schreibt in ihren Arbeitsverträgen allen Mitarbeitern vor, dass ihr Verhalten «integer, sorgfältig und diskret›› sein müsse. Dagegen habe van der Waal verstossen, so die DNB.

Ob zu Recht oder zu Unrecht – möglicherweise wird das ein Gericht entscheiden müssen, vorausgesetzt Frau van der Waal klagt überhaupt. Wahrscheinlich tut sie das nicht. Denn man kann wohl davon ausgehen, dass sie von der Zentralbank mit einem goldenen Handschlag verabschiedet worden ist. Jedenfalls kann sie sich jetzt ganz und gar ihrem Hobby widmen – und auch tagsüber Domina spielen.

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