Seilbahn

Sympathisch, aber bekämpft

Mit der Seilbahn in den Zoo? Der Zoo weibelt für die Idee, die Gemeinde Dübendorf ist dagegen.

Seilbahn

Mit der Seilbahn in den Zoo? Der Zoo weibelt für die Idee, die Gemeinde Dübendorf ist dagegen.

Für den Stadtrat von Dübendorf ist klar: Er will die Seilbahn von Stettbach zum Zoo verhindern Am 22. Mai sollen die Stützen der Zoo-Gondelbahn als Baugespanne ausgesteckt und das Baubewilligungverfahren eröffnet werden. Dübendorfs Stadtrat wetzt derweil die Messer, um das Projekt zu verhindern.

Manuel Reimann

Sie hat einen gewissen Charme, die Vorstellung einer Gondelbahn, welche von Stettbach zum Zoo hinaufführt und den Passagieren den Blick über Dübendorf und das Glatttal erlaubt. «Und genau das ist unser Problem», sagt Dübendorfs Stadtpräsident Lothar Ziörjen (BDP). «Wir kämpfen gegen ein Projekt an, das den Leuten, je weiter weg sie wohnen, desto sympathischer ist. Wir müssen uns deshalb immer wieder erklären.»

Der Dübendorfer Stadtrat hat Gründe, weshalb er das Projekt verhindern möchte. Etwa wegen der Verkehrssituation in Stettbach. «Der ZVV hat errechnet, dass in Stettbach rund 300 zusätzliche Parkplätze erforderlich wären», erklärt Ziörjen. Derzeit gäbe es rund 100 bis 120 Parkiermöglichkeiten beim Bahnhof, allerdings nur im Rahmen eines Provisoriums, «und nicht einmal deren Ersatz ist gesichert.» Dass die Leute mit der Bahn anreisen und in Stettbach auf die Gondelbahn umsteigen, sei Wunschdenken. «Gepäck, Kinderwagen, Umsteigen - da kommt man doch lieber mit dem Auto.»

Kein Verkehrskonzept für Stettbach

Mit der Seilbahn befürchtet der Stadtpräsident zudem eine weitere Sogwirkung auf den Knoten Stettbach und damit Auswirkungen auf das gesamte Hochbordquartier. «Die Stadt wurde bereits aufgefordert, die Parkplatzzahl im Quartier angesichts der permanenten Rückstaus zu reduzieren.» Dübendorfs Finanzvorstand Martin Bäumle (GLP), der auch für die Liegenschaften zuständig ist, stört, dass vonseiten der Seilbahnbauer und auch vom Zoo kein ernsthaftes Konzept vorliegt, wie in Stettbach die Verkehrsproblematik gelöst werden könne. «Es gibt nur vage Zusagen.»

Gefährdeter Naherholungsraum

Zweites Problemfeld: Schutz von Naherholungsraum. «»Wir leben hier in einem hochdynamischen Gebiet», so Ziörjen. «Da braucht es zum Siedlungsgebiet auch Erholungsraum.» Mit der Seilbahn würde das Erholungsgebiet «hoch beansprucht bis zerstört.» Der Umweltverträglichkeitsbericht erachte die vorgesehenen Schneisen und Masthöhen als erträglich.

Der Stadtrat nicht. «Für uns bedeutet das eine Qualitätsminderung.» Zudem sei er überzeugt, dass nicht nur Zoobesucher die Bahn benützen würden. «Die Bergstation ist ja nicht im Zoo, sondern dahinter vorgesehen. Die Gefahr ist gross, dass Biker mit der Bahn hochkommen und danach den Wald hinunterfahren.» Diese Abfahrt dürfte eine gefrage Strecke für Downhill-Biker werden, befürchtet er.

Bewilligungsverfahren eingeleitet

Voraussichtlch am 22. Mai werden nun die Baugespanne für die Stützen der Gondelbahn und die Betriebsgebäude errichtet. Damit wird das eigentliche Baubewilligungsverfahren eingeleitet. Eigentlich hätte die Stadt als Landeigentümerin eines der Stützenstandorte - 24 Meter hoch wäre dieser Mast - bereits das Ausstecken der Baugespanne verzögern können. Finanzvorstand Bäumle erachtet das aber nicht als sinnvoll. «Das Verfahren wäre so einfach um vielleicht zwei Monate verlängert worden.»

Doch nachher will die Stadt aktiv werden: Sobald die Möglichkeit besteht, werde man Rekurs einlegen. «Wir möchten auch die betroffene Bevölkerung beraten, wie sie sich wehren könne.»
Ob die Gondelbahn von Stettbach zum Zoo gebaut werden darf, entscheidet das Bundesamt für Verkehr. Sicher wäre eine Genehmigung nicht ohne Sonderbewilligungen möglich. So führt die geplante Bahn über ein Gebäude - etwas, was laut Stadtpräsident Ziörjen heute eigentlich nicht erlaubt wäre.

«Neuerstellte Seilbahnen dürfen nicht mehr über Dächer geführt werden.» Ziörjen glaubt auch, dass die Verhältnismässigkeit nicht gegeben ist: «Ein Bauer hat grösste Schwierigkeiten, ein altes Gebäude zu sanieren, das seit geraumer Zeit in der Landwirtschaftszone steht. Da werden Verweigerungen ausgesprochen, zeigt also eine harte Haltung ohne Spielraum. Bei der Seilbahn hingegen bewilligt man allenfalls etwas Neues ohne grössere Umstände.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1