SVP mit hoher Medienpräsenz

SVP-Nationalrat Christian Miesch beklagt sich über linkslastige Medien. Und dass die SVP generell zu kurz komme in der Berichterstattung. SP-Landrat Ruedi Brassel kann «diese alte Leier» der SVP nicht mehr hören. Es sei die SP, die zu kurz komme.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Rolf Zenklusen

Viele Baselbieter Parteiexponenten sind der Meinung, die SVP komme am häufigsten in den regionalen Medien vor. «Das ist so», sagt Elisabeth Schneider, Fraktionspräsidentin der CVP im Landrat. «Gemässigte Meinungen, wie sie zum Beispiel die CVP abgibt, sind oft weniger spannend für die Medien.» Generell hat die frühere Landratspräsidentin aber den Eindruck, die CVP komme gut weg. «Durchschnittlich sind wir dreimal pro Woche in der Zeitung.» Wichtig sei in der Politik, dass eine Partei über bekannte Köpfe verfüge. «Bei uns sind das Regierungsrat Peter Zwick, Nationalrätin Kathrin Amacker und meine Wenigkeit.» Wichtig sei auch die Erreichbarkeit der Parteileitung, sagt Schneider, die der bz - selbstredend - aus den Ferien Auskunft gibt.

«Quantitativ ist die SVP am meisten präsent», sagt Ruedi Brassel, SP-Landrat und Gemeinderat in Pratteln. Vorstösse oder Medienmitteilungen der SP würden in den regionalen Medien zu selten aufgegriffen. Als zum Beispiel die SP Baselland die Baselbieter Staatsrechnung analysiert und vor den Folgen der Unternehmenssteuerreform auf die Staatsfinanzen gewarnt habe, sei dies in den Medien nicht thematisiert worden. Brassel: «Wer nicht nur Schlagzeilen liefert, sondern analytische Arbeit, hat es schwerer, in die Medien zu kommen.»

Daniele Ceccarelli, Fraktionspräsident der FDP im Landrat, hat den «subjektiven Eindruck, die SVP habe eine hohe Präsenz in den lokalen Medien». Die FDP habe das Gefühl, zu wenig vorzukommen - das sei doch normal. «Aber dank der neuen Power der Freisinnigen befinden wir uns in einer Phase, in der man wieder mehr von uns hört», meint Ceccarelli.

Journalisten sind eher links

«Bei der Medienpräsenz liegt die SVP in der Spitzengruppe», sagt Jürg Stöckli, Leiter Regionaljournal Basel-Stadt/Baselland bei Radio DRS. Ob die Rechtspartei aber wirklich am meisten vorkommt, weiss er nicht mit Sicherheit, da er keine entsprechende Statistik führt. Die hohe Präsenz der SVP habe mit ihrer Oppositionsrolle und ihrer «aktiven und lauten Politik» zu tun. Eine Mehrheit der Journalisten stehe politisch tendenziell links, findet Jürg Stöckli. Dies habe mit der Kontrollfunktion zu tun, die Journalisten in einem Land mit einer bürgerlichen Mehrheit traditionell ausüben. «Das allerdings heisst nicht, dass Journalisten linkslastig berichten.» (zen)

Der grüne Landrat Jürg Wiedemann ist der Ansicht, seine Partei komme nicht so schlecht weg in den Medien. Vor allem das Thema Trinkwasserverschmutzung aus den Chemiemülldeponien habe die Leute und damit auch die Medien stark beschäftigt. Und die Grünen würden im Landrat ja am meisten Vorstösse pro Kopf einreichen. «Unsere Pressemitteilungen und Vorstösse werden nur selten nicht berücksichtigt.» Wiedemann sagt, Parteien, die Opposition betreiben, seien proportional gesehen stärker in den Medien vertreten. Es genüge aber nicht, nur Schlagzeilen zu liefern; Journalisten würden schnell merken, wenn man nur Luftballone produziere. «Wichtig ist, dass man fundiert politisiert», ist Wiedemann überzeugt.

Nach der Abwahl von Christoph Blocher aus dem Bundesrat habe die SVP zwar schweizweit eine hohe Medienpräsenz genossen, sagt SVP-Nationalrat Christian Miesch. «Generell kommen wir aber zu kurz.» Sorgen macht sich Miesch über die bz, die keinen eigenen Bund mehr für das Baselbiet druckt und auf dem Regionalbund mit Basler Themen aufmacht. Dass das Baselbiet erst auf den hinteren Seiten des Regionalbunds stattfindet, sei «eine Katastrophe», entfährt es ihm. Und die Medien würden generell linkslastig berichten. Vor allem Radio DRS: Wie Miesch aus Besuchen im Studio weiss, verkehren dort die Journalis- ten mit linken Politikern per Du.

Ruedi Brassel kann «diese alte Leier der SVP», die Medien seien linkslastig, nicht mehr hören: «Sich in die Opferrolle hineinzusteigern und andere zu Sündenböcken zu stempeln, gehört zum Konzept der SVP.» Auch Elisabeth Schneider und Daniele Ceccarelli glauben nicht, dass die Medien linkslastig berichten. «Massgebend ist doch, dass überhaupt berichtet wird», betont Schneider. Und Jürg Wiedemann fügt hinzu: «Es gibt auch konservative Journalisten.»

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