Fernsehen
SVP-Hardliner wird Kollege von Mike Shiva

Ulrich Schlüer moderiert eine neue Polit-Talkshow auf Schweiz 5. Der Privatsender ist bislang durch dubiose Programmangebote wie Esoterik-Shows aufgefallen – aber auch durch SVP-Freundlichkeit.

Drucken
Teilen
SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer (Archiv)

SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer (Archiv)

Keystone

Oliver Baumann

Die SVP baut ihre PR-Aktivitäten weiter aus. Nach Partei-Übervater Christoph Blocher («Tele Blocher») steht nun auch Rechtsaussen Ulrich Schlüer im Mittelpunkt einer eigenen TV-Sendung. Ab dem kommenden Montag moderiert Schlüer eine nach der von ihm herausgegeben Zeitung «Schweizerzeit» benannte Talksendung auf Schweiz 5.

Die Sendung soll künftig einmal im Monat ausgestrahlt werden und «Themen unter die Leute bringen, die in den Massenmedien zu kurz kommen», sagte Schlüer zu «20 Minuten». Offenbar hat der SVP-Politiker den Sendplatz «zu einem guten Preis» gekauft.

Der Privatkanal Schweiz 5, der seinen Sitz in der Zürcher Vorortgemeinde und TV-Hochburg (Star TV, 3+) hat, bietet indes ein reichlich dubioses Umfeld für Schlüers neue Propaganda-Show.

Sex und Religion

Schweiz 5 bestreitet sein Programm mehrheitlich mit einem kruden Mix aus Esoterik- und Erotikformaten (Mike Shiva, «Erotic Night»), religiösen («Christian Coaching») und volkstümlichen Sendungen («Alpen-Welle») und etwas Motorsport («Truck Racing»). Zusehen ist Schweiz 5 im Internet und im digitalen Angebot von Kabelnetzbetreibern wie der Cablecom.

Hinter Schweiz 5 steht Peter Heeb. Heeb war lange Jahre Marketing- und Verkaufsleiter beim Spartensender Star TV und rechte Hand von Eigentümer Paul Grau. Später wechselte er zu U1 TV, das vor rund sieben Jahren noch als ziemlich ambitiöses Privatfernsehen gestartet ist und Ende 2008 in Schweiz 5 umbenannt wurde.

Dass Ulrich Schlüer mit seinem «Schweizerzeit-Magazin» nun ausgerechnet auf Heebs Schweiz 5 eine Heimat gefunden hat, ist kein Zufall. Gegenüber «20 Minuten» sagte Heeb, er sehe sich zwar nicht als Sprachrohr der SVP, fahre mit seinem Sender aber einen «klar bürgerlichen Kurs».

Gern gesehene SVP-Exponenten

Bereits als Schweiz 5 noch U1TV hiess, übertrug der Sender eine Rede von Christoph Blocher an der Albisgüetli-Tagung live. Und noch heute sind SVP-Exponenten gern gesehene Gäste in diversen Schweiz-5-Formaten.

Für das linke Politspektrum hingegen hegt Heeb kaum Sympathien. So macht er das nach seinen Angaben «linke Bundesamt für Kommunikation» dafür verantwortlich, dass sein Sender von der so genannten «Must-Carry-Liste» gestrichen wurde und damit nicht mehr im analogen Angebot von grossen Kabelnetzbetreibern wie der Cablecom gezeigt werden muss - was letztlich zu einem markanten Zuschauerschwund und Einnahmenrückgang geführt hat.

Und so verspricht auch das neue Schlüer-TV keine ausgewogene politische Debatte. Für die erste Folge seiner Sendung hat Schlüer SVP-Präsident Toni Brunner, Anita Borer, die Präsidentin JSVP Kanton Zürichs und – immerhin – FDP-Nationalrätin Doris Fiala zur Diskussion geladen.

Aktuelle Nachrichten