iPhone rüttelt an Handy-Tarifen

Surfen mit dem iPhone wird teurer

iphone apple store

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Diesen Monat erscheint das iPhone 4. Zehntausende wurden bereits vorbestellt. Doch Internet-Handys sorgen für Netzstau. Nun stehen die Flatrate-Angebote auf der Kippe.

Sven Millischer

Die Mobilfunk-Anbieter stehen in den Startlöchern. Noch in diesem Monat kommt das neue iPhone 4 von Apple auf den Schweizer Markt. Allein Orange, die Nummer drei unter den hiesigen Anbietern, zählt bereits über 35 000 Vorbestellungen. Bei Sunrise sind es 30 000. Und die Swisscom rechnet ebenfalls mit einer «hohen Nachfrage».

Der Branchenprimus hat seit der Lancierung vor zwei Jahren rund eine halbe Million iPhones verkauft. Aber auch Smartphones anderer Hersteller boomen. Bei Orange sind bereits über die Hälfte der aktuell verkauften Mobiltelefone internettauglich.

Umsatzplus teuer erkauft

Für die Telekom-Anbieter sind die begehrten Smartphones Fluch und Segen zugleich. Segen, weil das mobile Internet die Umsätze ankurbelt. Handelt es sich doch meist um eine kaufkräftige Klientel, die wenig preissensitiv ist und kaum Wechselgelüste zeigt. So bringt der Swisscom ein iPhone-Nutzer zehn Franken mehr Umsatz als ein durchschnittlicher Mobilfunk-Kunde. Orange verzeichnet bei Smartphone-Nutzern gar einen um ein Drittel höheren Umsatz. Die Nutzung von Datendiensten steuerte im letzten Jahr bereits über 25 Prozent zu den Gesamterlösen bei.

Ein Fluch ist der Smartphone-Boom, weil das satte Umsatzplus längerfristig teuer erkauft wird. Denn die Handy-User finden vermehrt Gefallen am mobilen Internet: «Während ein durchschnittlicher Smartphone-Nutzer vor zwei Jahren ein Datenvolumen von 50 MB bis 100 MB pro Monat nutzte, erreicht ein durchschnittlicher Nutzer heute rasch einmal 400 bis 500 MB», schreibt Orange. Schätzungen besagen, dass sich die mobile Daten-Nachfrage alle sieben Monate verdoppelt.

Mit der Konsequenz, dass die Funknetze an ihre Kapazitätsgrenzen stossen, vor allem in städtischen Ballungszentren und Touristenorten. Die Zahl der Funkzellen unter hoher Last steige ständig, heisst es in einem Swisscom-Papier. Mit einem Marktanteil von über 60 Prozent spürt der Blaue Riese den mobilen Datenhunger seiner Kundschaft besonders. «Vor allem auf dem Netz der Swisscom kommt es deshalb zu Kapazitätsengpässen», sagt Telekom-Spezialist Serge Rotzer von der Bank Vontobel.

Hohe Investitionen in den Netzausbau

Die Swisscom wird bis 2013 zwischen 150 und 200 Millionen Franken pro Jahr in den Netzausbau investieren. Aber auch Orange rüstet in den nächsten fünf Jahren mit jährlich 130 Millionen Franken das eigene Funknetz auf. Investitionen, welche die Telekom-Unternehmen wieder einspielen müssen.

«Die Anbieter werden versuchen, die tieferen Gesprächstarife durch höhere Einnahmen bei Datendiensten zu kompensieren», ist Rotzer überzeugt. «Die klassische Flatrate dürfte damit im Mobilfunk ausgedient haben.» Statt auf sorglose «All You Can Eat»-Modelle müssen sich Handy-Surfer künftig auf streng limitierte Datenmengen und Tarife nach Zeitpunkt der Nutzung einstellen.

Orange hat hier das Terrain bereits vorgespurt. Die Nummer drei will dieses Jahr noch die bisherigen Fixpreis-Pläne abschaffen. Zugunsten eines Tarifmodells, bei dem der Kunde «nur noch für genau die Leistungen bezahlen soll, die er auch wirklich nutzt.» Für die Flatrate scheint das Ende auf Raten besiegelt.

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