Gene
Sündig: Wenn homosexuelle Menschen wie Fruchtfliegen ticken

Nicht nur Gene sind für die sexuelle Neigung ausschlaggebend, auch die Umwelt spielt eine gewichtige Rolle, ob Mann eher auf Mann oder Frau eher auf Frau steht. Vorläufer unseres Verhaltens sind bei den Fruchtfliegen auszumachen. Der feine Unterschied: Im Tierreich spricht man von einer Laune der Natur - bei den Menschen von Sünde.

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Keystone

Was bewegt uns zur gleichgeschlechtlichen Liebe? Mitunter spielen Umwelt und Gene eine «gewichtige Rolle». Dies zeigten laut NZZ Untersuchungen an Zwillingsbrüdern: Ist einer von ihnen homosexuell, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es auch der andere ist etwa doppelt so hoch wie bei zweieiigen. Grund dafür sind bei eineiigen die Gene - diese sind identisch.

Doch: Nicht nur die Gene sind für die sexuelle Neigung ausschlaggebend, auch die Umwelt spielt eine Rolle, ob Mann eher auf Mann oder Frau eher auf Frau steht. Vorläufer unseres Verhaltens seien im Tierreich auszumachen. Am Beispiel der Fruchtfliege, die mit dem aufkeimenden Frühling wieder zahlreich unsere Küchen in Beschlag nimmt, ziehen Wissenschaftler Parallelen zum Menschen. Auch dort gibt es Männchen die auf Männchen stehen, obwohl dies nicht dem natürlich Zweck der Fortpflanzung dient.

Sind es nur die Gene?

Bei der Fruchtfliege sind komplexe chemische Vorgänge für dieses Verhalten verantwortlich. Bekannt ist, dass viele Gene der Fruchtfliege zum Teil erstaunliche Ähnlichkeit mit den Genen des Menschen haben. Lässt sich so die Homosexualität des Menschen erklären? Nicht ganz.

Bei uns Menschen ist das Rätsel weit grösser, besitzen wir doch zweimal mehr Gene und hunderttausendmal mehr Nervenzellen als die Fruchtfliege. Deshalb, so schreibt die NZZ weiter, wäre es töricht und verantwortungslos, Bi- oder Homosexualität beim Menschen einfach als «genetischen Imperativ abzutun». Töricht wäre stattdessen aber auch, den Einfluss von Genen zu leugnen und die Ursache allein der Umwelt zuzuschreiben.

Die Hightech-Version der Fruchtfliege

Ein wichtiger Faktor beim Menschen ist nebst der genetischen Veranlagung auch der hormonelle Einfluss während der embryonalen Entwicklung. Demnach ist der Pfad von den Genen zum sexuellen Verhalten des Menschen weit verschlungener als bei Tieren. Noch betreiben die Wissenschaftler Grundlagenforschung.

Was die Wissenschaft in diesem Fall jedoch zu leisten vermag, liegt vielmehr in der gesellschaftlichen Diskussion über Homosexualität. So fragt die NZZ weiter: «Wer wagte da zu behaupten, eines dieser Ergebnisse sei bei Tieren natürlich, bei uns Menschen jedoch Sünde wider der Natur?» Die Antwort gestaltet sich einfach: Niemand. Denn letztlich ist der Mensch nur High-Tech-Version der Fruchtfliege und kein Sünder. (sza)

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