Schloss Hallwyl
Sumpftour ums Wasserschloss

«Kultur und Natur pur» – Mit diesem Slogan schickt das Schloss Hallwyl seine Besucher auf eine Sumpftour in die nähere Umgebung des Schlosses, auf eine Spurensuche zum Wirken der Familie von Hallwyl.

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Hallwyler Sumpftour

Hallwyler Sumpftour

Lenzburger Bezirks-Anzeiger

Philipp Muntwiler

Am Freitag, 23. April, kommt es auf Schloss Hallwyl zu einer Premiere - denn eine Vernissage im eigentlichen Sinn sei es nicht, sagt Thomas Frei, Kurator von Schloss Hallwyl. Die «Hallwyler Sumpftour» entführt die Besucher in die nähere Umgebung des Schlosses. Auf einem rund zwei Kilometer langen Spaziergang an den Hallwilersee können Kultur und Natur pur entdeckt und erforscht werden.

Die Besucher werden im Schloss mit einem Exkursionskoffer ausgerüstet, einem grauen Plastikkoffer mit auffälligem rotem Deckel. Die Farbe Rot ist bestimmend für den Rundgang. Denn rote Pfosten mit dem Teichrohrsänger als schwarze Silhouette obenauf dienen als Orientierungspunkte. An insgesamt fünf Stationen kommt der Inhalt des Exkursionskoffers zum Einsatz; oder auch zwischendurch. Im Koffer befinden sich ein Feldstecher, ein Bestimmungsbuch, eine Karte mit den verschiedenen Stationen sowie Proviant als Zwischenverpflegung.

Saisonthemen ersetzen klassische Wechselausstellungen

Thomas Frei möchte mit der Sumpftour die bisher üblichen Wechselausstellungen ersetzen. Weg von der klassischen Objektschau, vermehrt hin zu Saisonthemen. «Schloss Hallwyl liegt in einem Naherholungsgebiet», sagt Frei. «Daher bietet es sich geradezu an, den Museumsbesuch mit einem Ausflug in die Natur zu verbinden.»
Das Thema in diesem Jahr liegt nahe bei den Schlossbewohnern. Die Sumpftour solle aufzeigen, wo und wie die Familie von Hallwyl in ihre Umgebung eingegriffen hat - im Guten wie im Schlechten.

Gestartet wird beim Schloss, das erste Ziel ist das Seenger Ried, das heute zusammen mit dem Boniswiler Ried unter Naturschutz steht und die grösste zusammenhängende Riedlandschaft der Schweiz bildet. Hier kann ein positiver Eingriff beobachtet werden: Weil das Ried seit Jahrhunderten einmal im Jahr gemäht wird, bleibt es offen. Ansonsten würde innert weniger Jahre ein Erlenbruchwald entstehen und Flora und Fauna würden sich völlig verändern. Weil das Seetal ein wichtiger Wildtierkorridor ist, können über 150 Vogelarten mit dem Feldstecher im Ried und am Wasser entdeckt werden. Das Ried zu betreten ist hingegen verboten. Das empfindliche Ökosystem könnte Schaden nehmen.

Laut Thomas Frei existieren erste Ideen, in der Nähe ein «Ersatz-Ried» zu schaffen, das auch betreten werden dürfte. Aber noch sei nichts spruchreif.

Jeder Posten behandelt ein Thema

Auf dem Rundgang erfährt der Expeditionsteilnehmer beispielsweise, dass Rudolf III. von Hallwyl bereits im Winter 1427 den See vermessen liess oder dass im 19. Jahrhundert Pläne existierten, die Seetalbahn dem rechten Seeufer entlang zu führen und beim Schloss eine Haltestelle zu errichten, und dass sich die Familie von Hallwyl erfolglos gegen die Führung der Kantonsstrasse zwischen Schloss und Mühle hindurch gewehrt hatte.

Im Schlosshof selber zeigen alte Aufnahmen, wie das Schloss immer wieder verändert wurde. Seit dem Umbau von 1910 bis 1916 präsentiert es sich im heutigen Zustand. Diese Arbeiten sind fotografisch hervorragend dokumentiert. Wilhelmina von Hallwyl schuf sich ihr mittelalterliches Traumschloss. Im Hinteren Schloss werden die Besucher selber zu Schlossbaumeistern. Kinder und Erwachsene bauen ihre Traum- oder Sandburg.

Am Freitag, 23. April, 17.30 Uhr, wird die «Sumpftour» offiziell vorgestellt. Zur Premiere finden geführte Touren zu einzelnen Stationen statt. Auf die Besucher warten kulinarische Entdeckungen aus der Wildkräuterküche.