Heiner Leuthardt

Kein rauschendes Fest leistete sich Reinach am Montag bei seinem Jubiläumsanlass 10 Jahre Energiestadt Reinach, sondern setzte sich kritisch mit dem Klimawandel auseinander. Die Grundlagen lieferte Professor Eberhard Parlow, Leiter Institut für Meteorologie, Klimatologie und Fernerkundung an der Universität Basel.

«Wir sprechen von 0,03 Prozent der Luftmasse, die sich verändert», stellte er zunächst klar. Bei diesen Gasen handle es sich um Wasserdampf, Kohlendioxid, Distickstoffoxid (Lachgas), Ozon und weitere Spurengase.

Verteufeln mochte er diese Gase nicht. «Ohne sie gäbe es kein Leben auf der Erde. Wir hätten dann eine Temperatur von minus 18 Grad.» Erst durch sie gibt es die durchschnittliche Temperatur von plus 15 Grad. Der Blick in die Geschichte der Erde zeige, dass es auch schon ähnliche Verschiebungen beim Anteil dieser Gase gegeben habe.

Die Geschwindigkeit des Wandels

«Dramatisch ist aber die Schnelligkeit, mit der dieser Wandel heute stattfindet. Unsere Ökosysteme können sich gar nicht anpassen», betonte Eberhard Parlow. Diese rasante Klimaveränderung, die um 1900 beginnt und sich seit 1980 dramatisch steigert wies er nicht nur etwa anhand von Werten in der Arktis nach, sondern auch an der durchschnittlichen Temperaturkurve von Basel. Der Klimatologe warnte vor den Folgen, welche die ökologischen Systemen gefährdeten und den Lebensraum von Millionen von Menschen zerstörten. Die Beobachtungen des Klimatologen bestätigte der Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser von der Universität Basel. Er zeigte anhand historischer Daten auf, wie in der Menschheitsgeschichte mit dem Einsatz fossiler Energie der Klimawandel einsetzt. Ganser legte ebenso schonungslos unsere Abhängigkeit von den fossilen Brennstoffen offen. Diese Abhängigkeit präge nicht nur das Klima und die Ökosysteme, sondern auch die Politik, die Gesellschaft und die Wirtschaft.

Abkehr von fossiler Energie

«Wir sind süchtig nach den fossilen Energien.» Dabei sei es dringend nötig, sich von diesen zu lösen, denn man stehe vor kurz vor einer Versorgungsspitze, danach sinke das Angebot. Der Rückgang bei der Erdölversorgung bringe aber keine Entlastung für die Umwelt. Wichtig sei, sich umfassend von der fossilen Energie zu lösen. Daher unterstützt er alle Massnahmen und Technologien, die dazu beitragen.

In diese Richtung zielen auch die Bemühungen des Kantons, wie Regierungsrat Jörg Krähenbühl verdeutlichte. Ebenso engagiert sich Reinach, wie Gemeinderat Franz Hartmann erklärte. So spreche man die Bevölkerung direkt an durch Aktionen, Förderbeiträge und Energieprojekten an den Schulen.

Aber auch Gemeindeintern sei man sensibilisiert, etwa bei der Ausarbeitung der Raumordnung. Ebenso würden gemeindeeigene Gebäude saniert, wie etwa das Schulhaus Bachmatten. «Wir setzen unsere Bestrebungen fort», betonte Franz Hartmann.