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Sturm «Niklas» fordert ein Todesopfer und mindestens acht Verletzte

Das Sturmtief «Niklas» bringt der Schweiz am Dienstag heftige Windböen. Eine Person kam ums Leben, mindestens acht Personen wurden verletzt. Mehrere Bahnen und Bergbahnen stellten den Betrieb sicherheitshalber ein.

Eine Person verlor in Andelfingen ZH im Sturm ihr Leben, wie ein Sprecher der Kantonspolizei Zürich am Abend auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Er bestätigte eine entsprechende Meldung der SRF-Sendung "Schweiz aktuell". Das fahrende Auto wurde von einem umstürzenden Baum getroffen. Der Lenker verstarb noch auf der Unfallstelle. 

Vom Baum erschlagen: Der Lenker verstarb noch auf der Unfallstelle.

Vom Baum erschlagen: Der Lenker verstarb noch auf der Unfallstelle.

In Bubikon im Zürcher Oberland stürzte ein Baum auf das fahrende Auto einer 57-jährigen Frau. Die Lenkerin wurde verletzt und musste ins Spital gebracht werden, wie die Zürcher Kantonspolizei mitteilte.

In Kriens LU stürzte ein Velofahrer und verletzte sich. Er war von einem durch die Luft fliegenden Trampolin überrascht worden, das von einem Balkon geweht worden war. In Goldau SZ traf ein herumfliegendes Blech einen Arbeiter. Auch dieser Mann wurde verletzt.

In Wittenbach SG wurde ein 71-jähriger Spaziergänger von einer umstürzenden Tanne getroffen und eingeklemmt, wie die St. Galler Kantonspolizei mitteilte. Die Feuerwehr befreite ihn, und er wurde mit unbestimmten Rückenverletzungen ins Spital gebracht. Auf der Strasse von Goldach nach Untereggen fiel ein Baum auf ein Auto. Der 50-jährige Lenker erlitt unbestimmte Verletzungen und wurde ins Spital eingeliefert.

Die Aargauer Kantonspolizei meldete drei Leichtverletzte. Eine Frau wurde in einem Waldstück zwischen Kölliken AG und Gretzenbach SO von einem Baum verletzt. Sie konnte nach einer grösseren Suchaktion geborgen werden. In Brugg AG fiel ein Kantholz von einem Gerüst und verletzte zwei Bauarbeiter leicht.

Sturm Niklas fegt Kupferdach weg

Zürich: Sturm Niklas fegt Kupferdach weg.

Halbes Kirchendach in der Luft

Bei den Polizeien gingen wegen "Niklas" um die 200 Schadenmeldungen ein. In der Stadt Zürich riss der Sturm ein halbes Kirchendach fort. Das mehrere Hundert Kilo schwere Kupferteil stürzte auf die Strasse. Der Zwischenfall verlief glimpflich: Verletzt wurde niemand, drei Autos wurden stark beschädigt.

Umgestürzte Bäume und Bauabschrankungen behinderten in und um Zürich den Verkehr. Auch losgerissene Gerüste, Verkehrsschilder und losgerissene Schiffe hielten die Polizei auf Trab.

Auch im Thurgau machte "Niklas" der Polizei und den Feuerwehren viel Arbeit. In neun Fällen mussten die Einsatzkräfte teilweise abgedeckte Dächer sichern.

Anhänger kippen um

Auf der A1 bei Sirnach und in Dippishausen bei Kreuzlingen kippten Windböen je einen Fahrzeuganhänger um. In Frauenfeld musste die Feuerwehr ein Festzelt sichern. Verletzt wurde niemand. Der starke Wind deckte auch in Wattwil SG ein Dach ab.

Mehrere Bahnen stellten den Betrieb wegen des Sturms aus Sicherheitsgründen ein. Betroffen war die Matterhorn Gotthard Bahn zwischen Andermatt UR und Disentis GR. Der Autoverlad auf die Bahn zwischen Andermatt und Sedrun war deshalb nicht möglich.

Reisende des Glacier Express wurden zwischen Visp und Chur über Bern und Zürich und umgekehrt umgeleitet. Im Unterengadin war die Strecke der RhB zwischen Cinuos-chel-Brail und Zernez unterbrochen, weil ein Baum aufs Trassee gestürzt war.

Im Kanton Bern verursachte "Niklas" bis zum Nachmittag keine grösseren Schäden. Dafür bescherte "Niklas" den Bernerinnen und Bernern eine eindrückliche Morgenstimmung und warme Temperaturen.

Auch für einige Bergbahnen bedeutete der Sturm Stillstand, darunter für die Anlagen im Titlisgebiet und am Gemsstock bei Andermatt UR . Der Luzerner Hausberg Pilatus war per Bahn nicht erreichbar. Die für Dienstag geplante Eröffnungsfeier zur Inbetriebnahme der neuen Luftseilbahn von Fräkmüntegg auf den Pilatus wurde abgeblasen.

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Orkanböen im Flachland

Das Sturmtief "Niklas" zog von Schottland zum europäischen Festland und sorgte in weiten Teilen Mitteleuropas für stürmische Winde und Orkanböen.

Auf dem Crap Masegn im Kanton Graubünden blies der Wind mit 164 Stundenkilometern, wie Meteonews am Abend mitteilte. Auf dem Säntis fegte der Sturm mit 160 km/h und auf dem Pilatus mit 150 km/h.

Auch im Flachland blies es heftig. Nach Angaben von Meteonews wurden im Mittelland Böen zwischen 70 und 100 Stundenkilometern registriert, in exponierten Lagen waren es örtlich bis zu 140 km/h. Selbst Orkanböen (über 118 km/h) meldete Meteonews aus Strengelbach AG mit 119 km/h und aus Schaffhausen. Dort wurden 118 km/h gemessen.

Der kräftige Wind heizte tüchtig ein. Im Südtessin sorgte der Nordföhn für den ersten "Sommertag": In Locarno-Magadino wurden 25,1 Grad gemessen. Über 21 Grad gab es in Schattdorf UR, über 20 Grad in Vaduz und in Altdorf. In Schwyz war es rund 19 Grad warm und in Luzern mit rund 18 Grad nur wenig kühler.

Bahnverkehr in Deutschland gestört

In Deutschland hat der Sturm grosse Auswirkungen auf den Zugverkehr. Die Deutsche Bahn hat den Nahverkehr im Bundesland Nordrhein-Westfalen wegen des Sturmtiefs "Niklas" komplett eingestellt. Seit etwa 11 Uhr fahre kein Zug mehr, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Im Fernverkehr gebe es landesweit massive Störungen.

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Der Sturm mit orkanartigen Böen erreichte am Morgen die Nordseeküste und Westdeutschland und wird laut Deutschem Wetterdienst (DWD) über weite Teile Deutschlands weiter nach Polen ziehen. In den Niederlande führte der Sturm zu erheblichen Behinderungen im Flug- und Schiffsverkehr. Mit Spitzenböen von rund 150 Kilometern pro Stunde wurde "Niklas" zum Orkan. Es sei einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre, sagte DWD-Meteorologe Lars Kirchhübel.

«Wie ihr seht, ist keiner hier ausser mir»: Der Fotoredakteur der Recklinghäuser Zeitung setzt sich in Nordrhein-Westfalen dem Orkan aus.

«Wie ihr seht, ist keiner hier ausser mir»: Der Fotoredakteur der Recklinghäuser Zeitung setzt sich in Nordrhein-Westfalen dem Orkan aus.

Bergbahnen stellen Betrieb ein

Wegen der Sturmwinde stellten in der Zentralschweiz mehrere Bergbahnen den Betrieb aus Sicherheitsgründen ein. Betroffen war die Matterhorn-Gotthard-Bahn zwischen Andermatt UR und Disentis GR. Der Autoverlad auf die Bahn zwischen Andermatt und Sedrun war deshalb am Dienstag nicht möglich. Reisende des Glacier Express werden zwischen Visp und Chur über Bern und Zürich und umgekehrt umgeleitet. Offen war der Autoverlad an der Furka zwischen Realp UR und Oberwald VS.

Per Bahn nicht erreichbar war am Dienstag der Luzerner Hausberg Pilatus. Der Gondelbahn- und Luftseilbahnbetrieb von Kriens LU nach Pilatus Kulm wurde wegen stürmischer Winde eingestellt. Die Zahnradbahn von Alpnachstad OW nach Pilatus Kulm ist noch bis im Mai in der Winterpause.

Abgeblasen wurde die für Dienstag geplante Eröffnungsfeier zur Inbetriebnahme der neuen Luftseilbahn Fräkmüntegg - Pilatus Kulm. Die Bahn sollte nun am Mittwoch erstmals in Betrieb gehen. Auch im Titlis-Gebiet in Obwalden und am Urner Gemsstock standen am Dienstag die Seilbahnen still und die Skipisten blieben geschlossen. Im Skigebiet Hoch-Ybrig SZ waren am Morgen nur zwei der zwölf Anlagen in Betrieb.

In der Ostschweiz stellten die Appenzeller Bahnen wegen des stürmischen Wetters schon am Sonntag zwischen Weissbad und Wasserauen den Betrieb ein. Die Passagiere mussten in Busse umsteigen. (sda/nch)

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