Studieren und schwitzen an der ETH

Die ETH breitet sich auf dem Hönggerberg aus: 10 000 Leute studieren und arbeiten bereits in der Science City. Und nun steht auch das neue Sportzentrum.

Drucken
Teilen
ETH Sortzentrum

ETH Sortzentrum

Limmattaler Zeitung

Andrea Kucera

Bis vor kurzem hatten die 10 000 Studenten, Professoren und Angestellten auf dem Hönggerberg noch eine gute Ausrede, wenn sie keine Lust auf Sport hatten: Der Weg in die Turnhallen und Fitnessräume des akademischen Sportverbands (ASVZ) im Stadtzentrum war schlicht zu weit, um in der Mittagspause hinzufahren. Und abends lockte die Aussicht auf ein Feierabendbier womöglich stärker als die auf schwitzende Leiber.

Jahresbilanz der ETH 2008

Wie die Uni Zürich hat auch die ETH 2008 ihre Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft verstärkt, wie Peter Chen, Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen, an der gestrigen Jahresmedienkonferenz bekannt gab. Mit Industrial Relations und Production Technologies hat die ETH zwei neue Instrumente ins Leben gerufen, mit denen der Wissenstransfer zwischen der Hochschule und der Industrie gezielt gefördert wird. Als Beispiel nannte Chen die so genannten «Idea Labs», Forschungstagungen zu Problemen aus der Privatwirtschaft: Sie bieten Firmen die Möglichkeit, nicht nur mit einem, sondern mit bis zu 20 ETH-Professoren ein bestimmtes Thema zu diskutieren und gemeinsam Lösungen zu generieren.

Ein weiteres Bindeglied zwischen der Hochschule und der Wirtschaft sind die ETH-Spin-offs; Unternehmen, die von ETH-Abgängern gegründet wurden. Seit Jahren, sagte Chen weiter, fördere die ETH die unternehmerische Einstellung der Studierenden. Sie hilft unter anderem bei Vertragsverhandlungen und stellt Labors zur Verfügung. 2008 wurden an der ETH 23 Spin-offs gegründet - so viele wie noch nie. (aku)

Zentrum für Sport und Wissenschaft

Ab sofort zieht zumindest die erste Ausrede nicht mehr: Die ETH Science City am Hönggerberg verfügt nach zweijähriger Bauzeit über ein eigenes Sportcenter mit Dreifach-Turnhalle, Kraft- und Tanzräumen und einem Aussenbereich mit Beachvolleyball-feldern, Tennisplätzen und Rasenspielfeld. Die gesamte Anlage hat 30 Millionen Franken gekostet, wobei ein Drittel über Drittmittel finanziert wurde. Wie die restliche Science City ist auch das Sportcenter nach strengen Energierichtlinien gebaut worden.

Das Besondere an der neuen Sportanlage ist einerseits der separate Wellnessbereich, der zusätzlich zur ASVZ-Mitgliedschaft Eintritt kostet. Andererseits bietet das Sportcenter Raum für das Institut für Bewegungswissenschaften und Sport. Neu verfügt dieses am Hönggerberg über ein eigenes kleines Labor mit Geräten zur Messung von Gleichgewicht und Muskelaktivität sowie über einen Theorieraum mit Blick auf die Turnhalle. Die Idee hinter dieser räumlichen Vernetzung, so Roland Müller, Oberassistent für Bewegungs- und Trainingslehre, sei die Verzahnung von Theorie und Praxis: Bewegungen könnten vom Schreibtisch aus studiert, Daten direkt auf eine Leinwand im Theorieraum projiziert werden. So können zum Beispiel die Muskeln visualisiert werden, die bei einer bestimmten Bewegung - etwa im Gehen - aktiv sind.

Science City wird zur Stadt

Mit dem neuen Sportcenter nimmt die Science City als Zentrum für Wissenschaft, Sport und Freizeit immer mehr Gestalt an. Bereits heute studiert und arbeitet die Hälfte der ETH-Angehörigen auf dem Hönggerberg. Künftig muss die «Stadt des Wissens» nicht einmal zum Schlafen verlassen werden. In einem nächsten Schritt werden nämlich die ersten 430 Wohneinheiten auf dem Hönggerberg erstellt, die 2011 bezugsbereit sein sollten. Etwas später kommen 570 weitere Einheiten hinzu, sodass in ein paar Jahren bis zu 1000 Studierende in der Science City leben können. Einige der Zimmer werden zudem möbliert vermietet und sind damit besonders attraktiv für Austauschstudenten, die nur kurz in Zürich weilen.

Aktuelle Nachrichten