"Bislang haben wir praktisch keinen Effekt aufgrund der rosafarbenen Zellen gesehen", sagt Thomas Noll, Direktor des Schweizerischen Ausbildungszentrums für das Strafvollzugspersonal und bis im letzten Jahr Vollzugschef in der Strafanstalt Pöschwies, in einem am Samstag ausgestrahlten Beitrag von Radio SRF.

Wenn ein Einfluss spürbar sei, dann nur ein ganz schwacher, der den Aufwand des Streichens der Zelle kaum rechtfertige, sagt Noll. In der grössten geschlossenen Strafanstalt der Schweiz gibt es eine pinkfarbene Zelle. Eineinhalb Jahre lang haben Aufseher dort die Wirkung der rosaroten Farbe auf aggressive Gefangene untersucht.

Beobachtet wurden in dieser Zeit 60 Häftlinge. Das Aufsichtspersonal verglich dabei das Verhalten von 30 Gefangenen, die in der pinkfarbenen Zelle inhaftiert waren mit 30 solchen, die in normalen Zellen untergebracht waren.

Graubünden hat Versuch abgebrochen

"Der Grad der Erregtheit wurde bei beiden Gruppen am ersten Tag nach der Einweisung sowie am dritten Tag gemessen", erklärt Noll. Die Beobachtungsprotokolle hätten gezeigt, dass es kaum Unterschiede gebe. Die Studie des ehemaligen Chefvollzugsbeamten in der Pöschwies ist noch nicht veröffentlicht.

Nicht nur in der Pöschwies, auch in anderen Schweizer Gefängnissen wurde die Probe aufs Exempel gemacht. Im zürcherischen Pfäffikon wurde erstmals in der Schweiz vor sieben Jahren eine Zelle pink gestrichen. Cham ZG richtete diesen Herbst eine farbige Zelle ein. Unterdessen gibt es allein in der Deutschschweiz rund 20 rosa Zellen.

Den Versuch bereits wieder abgebrochen hat die Strafanstalt im bündnerischen Realta. Nach rund zwei Jahren wurde dort die pinkfarbene Zelle im vergangenen Jahr wieder in ein neutrales Weissgrau umgestrichen.