Bild Martin Fischer

Stromaufladen mit Prepaid-Karte?

Kaum weniger Arbeit beim EW-Verkauf

Kaum weniger Arbeit beim EW-Verkauf

Wenn die Unterkulmer den Lichtschalter drehen, kommt einiges in Bewegung: Das Elektrizitätswerk (EW) liefert die Energie, und die Finanzverwaltung lässt die Zähler ablesen und rechnet ab.

Peter Siegrist

Der Unterkulmer Finanzverwalter Martin Fischer hat die «Strom-Ordner 2009» auf dem Tisch: 20 prall
gefüllte blaue Bundesordner. «Wir erledigen die gesamte Administration für die Stromkonsumenten», sagt Fischer, «die Datenerfassung, das Versenden der Rechnungen und wenn nötig das Mahnen der säumigen Zahler. Somit ist jeder Unterkulmer Haushalt in Fischers blauem Ordner verzeichnet: Strom- und Wasserverbrauch, bezahlte und offene Rechnungen.

Neuzuzüger haben die Pflicht, sich auf der Einwohnerkontrolle anzumelden und gleichzeitig auch auf der Finanzverwaltung. «Wir erfassen alle Strom- und Wasserkonsumenten», erklärt Fischer, der Rechnungslauf erfolge für Strom, Wasser und Abwasser gleichzeitig.

Ablesen: Zweimal jährlich

Im März und im September sind jeweils die Zählerableser im Dorf unterwegs. Sie besuchen jeden Haushalt und Wohnblock, um die Stromzähler abzulesen. Vorbei sind die Zeiten, wo das Personal mit dem Notizblock und Formularen unterwegs war. Heute sind die Leute mit einem elektronischen Block in der Grösse eines Mobiltelefons ausgerüstet. Auf diese Geräte werden sämtliche Zählerdaten der Unterkulmer Strom- und Wasserkonsumenten aufgespielt. Die Daten der neuen Zähler können direkt auf das Ablesegerät eingelesen werden, bei den älteren Zählern erfolgt eine manuelle Eingabe durch die Ableserin. Das ist schon alles.

Zurück auf der Gemeindeverwaltung, werden «die Daten ins System eingelesen» wie Fischer sagt. In Wohnblocks sei das Ablesen einfach, weil die Zähler ausserhalb der Wohnungen, häufig im Keller, angebracht seien. Bei den Einfamilienhäusern stehen die Ableser gelegentlich vor geschlossenen Türen und müssen manchmal mehrere Anläufe nehmen. «Ist jemand ganz schlecht erreichbar, so stecken die Ableser einen Zettel in den Briefkasten, mit der Bitte die nötigen Zahlen selbst einzutragen.

Bei Wohnungswechseln sind die Leute meldepflichtig. Dann werden die Zähler natürlich sofort abgelesen. Mit den ermittelten Daten werden auf der Finanzverwaltung die Strom- und Wasserrechnungen erstellt. Beim Strom müssen neuerdings Energie-, Netz- und Dienstleistungskosten sowie die Mehrkostenfinanzierung und die Konzessionsgebühren separat ausgewiesen werden.

In Unterkulm – wie in anderen Gemeinden zum Teil auch – finden pro Jahr vier Rechnungsläufe statt. «Im Januar und im Juli verschicken wir für den Strom Akonto-Rechnungen an unsere Kunden», sagt Fischer. Dabei berechnet unser Computersystem auf der Basis der letzten Rechnung den Verbrauch. Rund 1450 Rechnungen werden pro Rechnungslauf ausgedruckt und versandt.

Jetzt gibts Kundenkontakt

Es sei üblich, dass nach dem Versand einzelne Einwohner mit Fragen zu ihm kämen. «So viel Strom habe ich kaum verbraucht, euer Zähler stimmt nicht, oder der Ableser hat falsch notiert.» Die Zuständigen auf der Verwaltung nehmen diese Einwände ernst. Sie überprüfen die eingelesenen Daten und falls nötig, rücke ein Techniker aus und kontrolliere das Funktionieren des Zählers.

Der Schalter ist das letzte Mittel

Martin Fischer sagt, dass die Zahlungsmoral eigentlich gut sei. Wer seine Rechnung innert 30 Tagen nicht begleiche, werde gemahnt. «Mit der zweiten Mahnung drohen wir bereits das Abstellen des Stromes an.» In einem solchen Fall würde ein Techniker die Stromzufuhr unterbrechen. «Dieser Fall kommt praktisch nie vor», erklärt Fischer, «in der Regel zahlen die Leute dann doch. Eine weitere Massnahme gibt es für Stromkunden, welche mit ihren Rechnungen dauernd in Verzug sind. Die Gemeinde kann ein Gerät installieren, das wie ein Münzautomat mit einer Checkkarte funktioniert. Die Kunden können ihre Karte wie eine Handy-Karte aufladen und haben dann gewissermassen Prepaid-Strom in Wohnzimmer und Küche.

Nicht viel weniger Aufwand

Stimmt die Bevölkerung am
7. März dem Verkauf des EVU an die AEW Energie AG zu, so ergeben sich für die Finanzverwaltung Änderungen. Dann wird die AEW Energie AG das Ablesen und Fakturieren übernehmen. Dabei sei vorgesehen, dass die bisherigen Ableser weiter im Amt blieben, sagt Fischer.

Die Finanzverwaltung wäre von den Stromrechnungen zwar entlastet, die Wasser- und Abwasserrechnungen würden aber weiterhin von der Gemeinde gestellt. Dabei sei heute noch offen, wie das Ablesen der Zähler (Wasser und Strom) organisiert würde. Die Arbeit der Finanzverwaltung würde sich gering reduzieren, das Volumen an Rechnungen und Mahnungen würde aber deutlich abnehmen, meint Fischer.

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