Stollenwerkstatt Aarau: Küchen kann man auch sozial bauen

In Aarau betreibt die Stollenwerkstatt seit zehn Jahren eine Baubörse. Am Samstag war Tag der offenen Tür.

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Küchen kann man auch sozial bauen

Küchen kann man auch sozial bauen

Thomas Röthlin

Wenn ein Haus abgerissen wird, heisst das noch lang nicht, dass alles in der Mulde landet. Dies machte sich der Verein Stollenwerkstatt vor zehn Jahren zunutze und gründete in Aarau die Baubörse. Am Wochenende feierte diese das Jubiläum mit Tagen der offenen Tür.

Offen ist die Stollenwerkstatt für 300 Leute, die an Beschäftigungsprogrammen teilnehmen oder von geschützten Arbeitsplätzen profitieren. Sie bildet mit anderen Sozialwerken zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt den Aargauischen Institutionenverbund für Integration (AII).

Blitzblanke Badewannen

AII-Geschäftsführer Reto Schaffer macht sich Gedanken über die Positionierung der Baubörse. Ursprünglich als Occasionscenter für Küchen, Bäder und dergleichen gedacht, hat die Aarauer Institution immer mehr neue Produkte in ihr Sortiment aufgenommen. Zwangsläufig: «Heute wird sehr schnell rückgebaut», so Schaffer, oft sei keine Zeit mehr, um noch funktionsfähige Möbel und Geräte zu retten. Im Parterre der Baubörse sind deshalb blitzblanke Badewannen und Armaturen ausgestellt; mittendrin Necessaires aus der hauseigenen Lederwerkstatt und Gauensteiner Gislifluewii vom Rebberg der Stollenwerkstatt.

Auf dem Dachboden stehen die Occasionen. Demontage und Aufbereitung erledigen vier Stollenwerkstatt-Klienten. Das zehnköpfige Team von BaubörseLeiter Guido Schmidli besteht jedoch mehrheitlich aus «normalen» Angestellten mit entsprechender Ausbildung.

Mit der Verschiebung weg von Secondhand habe die Konkurrenz gewaltig zugenommen, sagt Reto Schaffer. Die Baubörse müsse deshalb Gas geben: «Hier muss man wirklich arbeiten können. Wir bekommen keine Aufträge, weil wir lieb sind.» So erhält die Baubörse zwar staatliche Pauschalen für ihre Teilnehmer. 30 Prozent muss sie aber selber erwirtschaften.