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Stiftung bezahlt 1,5 Millionen

Fünf Schlösser von nationaler Bedeutung will der Kanton verkaufen, jetzt ist das erste weg: Für 1,5 Millionen Franken erhielt die zu diesem Zweck gegründete Stiftung das Schloss Schwarzenburg. Das Schloss bleibt der Bevölkerung zugänglich.

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Schloss

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Solothurner Zeitung

Bruno Utz

Suche nach innovativen Ideen

Nach dem Verkauf von «Schwarzenburg» sitzt der Kanton noch auf vier Schlössern von nationaler Bedeutung, die er wegen der Neuorganisation der dezentralen kantonalen Verwaltung nicht mehr braucht. Das sind Büren, Burgdorf, Laupen und Trachselwald. Auf der Suche nach innovativen Ideen für eine Nachnutzung steht das Schloss Trachselwald am Dienstag, 29. Dezember, der Bevölkerung zur Besichtigung offen. Die Burgdorfer Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch (SP), bestätigte gestern, «wir sind intensiv im Gespräch mit dem Kanton, um neue Nutzungsmöglichkeiten für unser Schloss zu klären». Wichtig sei, dass das Schloss weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Zum Zeitpunkt, wann Lösungsvorschläge auf dem Tisch liegen, könne sie derzeit nichts sagen. Zu den elf weiteren historischen Liegenschaften, die der Kanton zum Verkauf ausgeschrieben hat, gehören in Aarwangen auch das Schloss und das Amtshaus. «Der Gemeinderat bleibt bei seiner Politik, keine denkmalgeschützten Objekte mehr zu kaufen», sagte der Aarwanger Vizegemeindepräsident, Peter Steffen (SP). Man nehme in Kauf, dass die beiden Liegenschaften in private Hände kommen. (uz)

«Bei diesem Schlossverkauf haben finanzielle Aspekte für den Kanton eine untergeordnete Rolle gespielt. Es ging darum, einen für die Stiftung tragbaren Preis festzulegen», stellte gestern Baudirektorin Barbara Egger (SP) vor den Medien klar. Wichtig sei dem Kanton, dass eine nachhaltige neue Nutzung für das Schloss gefunden worden sei und mit den Vermietungserträgen sowie den übrigen Einnahmen die langfristige Finanzierung der Unterhalts- und Betriebskosten gesichert sei. Gemäss dem vom Regierungsrat Anfang Dezember unterzeichneten Vertrag bezahlt die Stiftung Schloss Schwarzenburg dem Kanton 1,5 Millionen Franken.

So wenig Fremdkapital wie möglich

Gemäss Ruedi Flückiger (SP), der Gemeindepräsident von Wahlern ist auch Präsident der Stiftung Schloss Schwarzenburg, haben bisher sieben grosse Spender Beträge zwischen 20 000 und 100 000 Franken eingezahlt. Insgesamt verfüge die Stiftung über ein Startkapital von 375 000 Franken. «Jetzt lancieren wir eine grosse Sammelaktion. Dabei sprechen wir die Leute direkt an», sagt Flückiger im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Stiftung hoffe so, nochmals etwa eine halbe Million Franken sammeln zu können.

«Wir werden sicher noch Fremdkapital benötigen, hoffen wir möglichst wenig.» Laut Flückiger gehen Rechte und Pflichten am Schloss am 1. Juli 2010 an die Stiftung über. Wichtigster Mieter sei das benachbarte, an akutem Platzmangel leidende Pflegezentrum Schwarzenburg. Mieterin werde auch die Gemeinde Wahlern. «Sie wird sicher das Schulsekretariat im Schloss einrichten und Archivräume mieten, vielleicht sogar auch den grossen Gerichtssaal», sagt Flückiger.

Kulturanlässe und Feste

Das Schloss und der Park würden der Öffentlichkeit aber auch für kulturelle Anlässe und Feste zur Verfügung stehen. Die dem Stiftungsrat angehörenden Elisabeth Kollbrunner leite eine Gruppe, die bis Ende März für die zweite Jahreshälfte ein Kulturprogramm ausschaffe. Danach stehe die Ausarbeitung eines langfristigen Kulturkonzeptes an. Im Parterre, Schlosskeller und Schlosshof sowie im Nebengebäude seien etwa Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Filmvorführungen möglich. Das Schloss werde aber auch offen sein für private Anlässe, Feste und Feiern.

Schloss und 8105 m2 Land

Das Schloss Schwarzenburg wurde von 1573 bis 1576 für den Vogt von Schwarzenburg als Ersatz der abgelegenen Grasburg erbaut. Seit über 430 Jahren dient das Schloss als Sitz der Bezirksverwaltung Schwarzenburg. Es ist ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung. Die Liegenschaft wurde von 1981 bis 1984 total renoviert. Das Schloss in seiner jetzigen Ausgestaltung umfasst 730 Quadratmeter Büro- und Aufenthaltsräume, 150 Quadratmeter Lager, eine Wohnung und einen Park mit insgesamt 8105 Quadratmeter Land. (uz)

Denkmalpfleger mit im Boot

Im Stiftungsrat sind laut Flückiger auch die Burgergemeinde Schwarzenburg und die Dorfburgerkooperation Schwarzenburg vertreten. Ja sogar der kantonale Denkmalpfleger Jürg Schweizer habe Einsitz im Stiftungsrat. «Wir haben Herrn Schweizer angefragt und er hat spontan zugesagt», so Flückiger. Dass die Stiftung das Schloss zu «einem fairen Preis» erwerben kann, freue ihn sehr.

«Als der Kanton im Frühjahr 2008 mit seiner Verkaufsabsicht an die Öffentlichkeit gelangte, reagierte eine breit abgestützte Gruppe mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft sofort und gründete die IG Schloss Schwarzenburg», blickt Flückiger auf die Anfänge der Kaufabsicht zurück. Die Vision sei deshalb zum Erfolgsmodell geworden, weil sich rasch eine breite Gruppe engagiert habe, sagt Flückiger und nennt die Einwohnergemeinde, beide Burgergemeinden, zwei Banken und Kulturschaffende die von Anfang an mitgemacht hätten.