Uli Hoeness
Steuerexperte zu Hoeness' 15 Mio.-Beichte: «Womöglich schiesst man zwei Eigentore»

Das Geständnis von Uli Hoeness, weitere 15 Millionen Steuern hinterzogen zu haben, erstaunt Fachanwalt Robert Gutsche. Möglicherweise habe man erkannt, dass es eng werde mit einer Bewährungsstrafe und trete nun die Flucht nach vorne an.

Christoph Reichmuth, Berlin
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Die Strategie von Hoeness Staranwälten erstaunt Fachanwalt für Steuerrecht Robert Gautsche.

Die Strategie von Hoeness Staranwälten erstaunt Fachanwalt für Steuerrecht Robert Gautsche.

Keystone

Zur Person

Robert Gutsche (44) ist Fachanwalt für Steuerrecht bei der Berliner Kanzlei Gutsche & Wildner Rechtsanwälte.

Robert Gutsche: Ich möchte vorausschicken: Ich verfolge den Fall Hoeness auch nur via Medien. Hoeness' Verteidiger sind Lichtgestalten im deutschen Steuerrecht, die werden sich etwas dabei gedacht haben. Ein überschiessendes Geständnis kann sich möglicherweise strafmildernd auswirken. Dennoch sind auch wir in unserer Kanzlei etwas überrascht: Denn mit dem überschiessenden Geständnis räumt Hoeness ja ein, dass er unvollständige Angaben in seiner Selbstanzeige gemacht hat. Damit wäre die Selbstanzeige als unwirksam anzusehen und nicht strafbefreiend. Dass die Verteidigung die 15 Millionen Euro zusätzlich in den Prozess mit einbringt, ist riskant.

Inwiefern?

Unter Umständen schiesst man zwei Eigentore. Erstens wird das stärkste Argument der Verteidigung entwertet, nämlich dass Hoeness aus eigenen Antrieben und nach bestem Wissen und Gewissen eine Selbstanzeige eingereicht hat. Zweitens: Wäre es «nur» um 3,5 Millionen Euro gegangen, wäre wohl alles auf eine gesplittete Strafe hinausgelaufen - Gefängnis auf Bewährung plus eine Geldstrafe in Höhe von einem bis zwei Jahresgehältern von Hoeness. Doch der Betrag von 18,5 Millionen ist für eine Strafe auf Bewährung nicht mehr geeignet. Die Medien berichten über diese enorme Summe, viele werden eine harte Strafe fordern. Das setzt die Richter unter Druck.

Weshalb bringt die Verteidigung denn die 15 Millionen plötzlich ein?

Die einzige Motivation kann nur sein, dass sie auf eine strafmildernde Wirkung des vollständigen und überschiessenden Geständnisses setzen. Vermutlich hat die Verteidigung im Vorfeld der Verhandlung mit dem Richter und der Staatsanwaltschaft gesprochen. Sie hat dabei erkannt, dass es für eine Strafe auf Bewährung eng werden könnte - also hat man quasi die Flucht nach vorne angetreten und noch etwas draufgepackt, was Hoeness zusätzliche 10 Millionen Euro kosten dürfte.

Hoeness wurde von seinem Anwalt in der Verhandlung barsch zurechtgewiesen, er solle die Wahrheit sagen. Wie ist das zu interpretieren?

Das ist ungewöhnlich. Durch Vorgespräche ist den Anwälten die Position des Richters bekannt. Sie wissen also, mit welchem Argument Hoeness nicht mehr punkten kann. Deshalb hat die Verteidigung die Aussage des Mandanten wohl relativiert.

Wandert Hoeness hinter Gitter?

Der Prozessausgang ist weiterhin offen. Eine Bewährungsstrafe etwa im Falle einer Einigung zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung ist aber nicht ausgeschlossen.

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