Sternsingen für Kinder in Not
Sternsingen für Kinder in Not

Der Brauch wird in Aesch seit 18 Jahren wieder gepflegt. Die katholische und die reformierte Kirche führen ihn gemeinsam durch.

Merken
Drucken
Teilen
sternsingen.jpg

sternsingen.jpg

bz Basellandschaftliche Zeitung

Heiner Leuthardt

Ein munteres Gewusel von Königen und Sternenträgern herrscht am Dreikönigstag im Saal des katholischen Pfarreiheims von Aesch. Es ist kurz vor 17 Uhr. Mit ruhiger Stimme stoppt der katholische Pfarrer Bernhard Schibli das fröhliche Treiben. Die über 80 Kinder hören ihm zu, wie er den Einzug in den Aussendungsgottesdienst schildert. Die Kinder aber kribbelt und zwickt es weiter vor Spannung über das, was sie am Abend erwartet. Der reformierte Pfarrer Adrian Diethelm ist bereits mit den Begleitern der 16 Sternsingergruppen, die am Mittwochabend in die Aescher Quartiere ausschwärmten, in die Kirche gegangen. «Gestern waren wir auch unterwegs. Dann fand der Aussendungsgottesdienst in der reformierten Kirche statt», erzählt Bernhard Schibli auf dem Weg zur Kirche.

Besuch in der Villa Theresa

Vor Jahren verschwand das Sternsingen aus Aesch. Aber Vreni Heckendorn von der reformierten Kirche und Bernhard Schibli brachten dieses wieder als ökumenischen Anlass zum Blühen. Der Zug hat die Kirche erreicht. Von drinnen klingt Klaviermusik, dann wird das Lied aus der Zällerwiehnacht «Dr Stärn vo Bethlehem» angestimmt. Das ist der Moment für den feierlichen Einzug. Endlich geht es los. Eine letzte Kontrolle. Leuchtet der Stern? Dann verschwinden die Sternsinger in der Nacht. Bernhard Schibli und die reformierte Religionslehrerin Monica Bodmer begleiten ihre Gruppe zunächst zur Villa Theresa. «Es ist ein besonderer Halt, den wir hier machen», erklärt der Pfarrer den Kindern.

Hier lebten Menschen, die nicht mehr alles so verstehen wie wir. Die Kinder wollen mehr über die Demenz erfahren, machen ihre Gedanken. Dann stellen sie sich vor dem Haus auf und singen zum ersten Mal an diesem Abend. Fenster gehen auf. Betreuer wie Bewohner lauschen. Dann werden die Klebbuchstaben «CMB 2010», die für «Christus mansionem benedicat» - «Gott segne dieses Haus», die Liedtexte und eine Kerze mit einem Wunsch an die Beschenkten, übergeben. «Über 1000 Kerzen haben die Kinder vorbereitet», verrät der Pfarrer.

Auch die erste Spende gleitet in die Kasse. Weiter geht es. Beim nächsten Haus stimmt die Gruppe ein anderes Lied an, spricht ihre Verse und erklärt, dass das gesammelte Geld armen Kindern in Brasilien, Rumänien und Aesch zu Gute komme. Auf dem Weg verrät Christoph Reneau, dass er bereits zum zweiten Mal mitmache. «Ich habe Lust dazu, weil ich Kindern helfen und den Menschen hier Freude bereiten kann.»

Ein, zwei Türen bleiben verschlossen. Dafür werden die Sternsinger beim dritten Anlauf gleich in die warme Stube gebeten. Weiter geht die Reise. «Ich finde es einfach toll», strahlt Jasmine Alter. «Wir machen den Leuten sehr viel Freude und sie haben mit unseren Geschenken sehr viel zu tun beim Lesen der Texte.» Sie werde nächstes Jahr wieder mitmachen. Das wird auch Daniele Angioletti. «Da bin ich mit meinen Kollegen zusammen und kann Kindern helfen.» Die Religionslehrerin Monica Bodmer strahlt. «Es sind auch Kinder von anderen Konfessionen, wie Muslime, und Konfessionslose unterwegs.» Aber nicht nur in Aesch, sondern auch in Gemeinden, wie Arlesheim oder Therwil, klopften Sternsinger an die Haustüren.