Wolfgang Wagmann

«Da hinten gehen wir nicht hin.» Die bunten Stromschienen sehen ganz harmlos aus. «Die sind nur bemalt. Und nicht berührungssicher.» Daniel Odermatt, Leiter Netze Strom der Regio Energie Solothurn, ergänzt erst aufs Nachhaken hin: «Ja, diese zu berühren, ist lebensgefährlich.»

Wir sind in der Trafo-Station für das Aarmatt-Quartier im Unterwerk 1. Von hier aus wird der Strom vom Mittelspannungsnetz mit 11 000 Volt auf 400 Volt Spannung transformiert und ins Quartier eingespeist. 70 Trafo-Stationen weist die Stadt auf, 33 werden vom Unterwerk 1 aus bedient, die anderen 37 vom Unterwerk 2 an der Hermesbühlstrasse aus.

«Jährlich erneuern wir zwei Stationen und bauen diese zugleich auf Be-rührungssicherheit um. Noch fünf bis sechs müssen wir modernisieren.» Denn ein Ziel des gross angelegten Umbaus sei auch die Sicherheit für die Mitarbeiter, betont Odermatt.

Alles auf einem Stockwerk

Rund 3 bis 3,5 Mio. Franken entfallen auf die neuen technischen Installationen, denn die Einrichtung des Unterwerks ist technisch gesehen aus der «Steinzeit»: 45 Jahre ists her, seit die jetzigen, elektromechanischen Komponenten eingebaut worden sind. Dies betrifft die Schaltanlage, in welcher der Strom mit einer Spannung von 50 000 Volt über eine Leitung von Zuchwil her im Unterwerk «ankommt» und dann zur Versorgung des städtschen Trafo-Netzes auf 11 000 Volt transformiert wird.

«Das wird alles herausgerissen», deutet Umbau-Projektleiter Paul Winter auf die sechs riesigen vergitterten Kasten, in denen es laut surrt. Die neue Schaltanlage brauche nur noch 15 Prozent der alten, sodass die in einem anderen Stockwerk untergebrachte 11kV- neben der neuen, gekapselten 50kV-Anlage bequem Platz habe. Insgesamt beanspruchen die Neuinstallationen nur die Hälfte des bisher belegten Platzes im riesigen, bunkerähnlichen Unterwerk 1.

«Und für den freiwerdenden Raum haben wir in den nächsten 20 Jahren genügend Projekte», lacht Paul Winter. Beim Umbau werden übrigens riesige Mengen von Eisen und Kupferteilen anfallen, «mit dem Erlös fürs Metall dürfte die Entsorgung in etwa kostenneutral ausfallen.»

Warum Solothurn nichts merkt

Paul Winters Terminplan ist ehrgeizig: Am 1. April 2010 soll das Unterwerk 1 abgeschaltet werden und bis Mitte August ausser Betrieb sein, «doch möchte ich diese Phase möglichst kurz halten, und versuche sie noch zu reduzieren.» Die Stromversorgung der Stadt sei jedoch stets gewährleistet, betont der Projektleiter. Und zwar über das Unterwerk 2, dessen Strom-Einspeisung über die 50 000-Volt-Leitung von Langendorf her.

Natürlich sind beide Unterwerke miteinander verbunden, sodass bei einem Störfall untereinander umgeschaltet werden kann. Da nun das Unterwerk 1 für Monate stillsteht, wird in dieser Zeit über eine Muffe die Zuchwiler Zuleitung direkt mit dem Unterwerk 2 als redundante Versorgung verbunden. Oder anders gesagt: Gäbe es von Langendorf her ein Versorgungsproblem, könnte jederzeit die Zuchwiler Zuleitung aufgeschaltet werden.

Auch gegen Erdbeben gefeit

Seit mehr als 100 Jahren dient das Unterwerk 1 der städtischen Stromversorgung. Und zwar ist es im ehemaligen «Siechenhaus» in der Aarmatt untergebracht, das zu früheren Zeiten die Lepra-Kranken aufgenommen hatte. Zweimal wurden am Werk grössere Umbauten vorgenommen, doch die in die Jahre gekommene Bausubstanz weist Mängel auf.

«So haben wir das undichte Dach bereits im Vorfeld des jetzigen Umbaus saniert», erklärt Paul Winter vor Ort. Im Übrigen investiere man zusätzlich noch rund 1 Mio. Franken im Unterwerk 2 für den Ersatz der alten Schutzgeräte.

Nebst Heizung, Lüftung und den sonstigen Elektroinstallationen ist dagegen im Unterwerk 1 noch eine andere, sehr spezielle bauliche Massnahme geplant: Mit dem Einbau eines Kohlefaser-Geflechts in den Fassaden soll der mächtige Betonklotz vor Verdrehungen bei einem Erdbeben geschützt werden.