Muri
Steigen Landpreise ins Unbezahlbare?

Der wahrscheinlich zunehmende Verkehr ist das eine, der Siedlungsdruck das andere: Das obere Freiamt steht vor grossen Herausforderungen.

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Sins

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Aargauer Zeitung

Eddy Schambron

Schneller in Zürich, schneller in Zug - der Autobahnanschluss in Affoltern am Albis macht das obere Freiamt zusätzlich attraktiv als Wohnregion. «Ist die besondere Nähe zur Wirtschaftsregion Fluch oder Segen, oder beides?», fragt sich denn auch Josef Nogara, Präsident des Regionalplanungsverbandes Oberes Freiamt. Zwar geht am Freitag die Autobahn auf, «aber auf Anschlussbauwerke werden wir noch einige Zeit warten.» Damit liegen Verkehrsprobleme in Stosszeiten auf der Hand, zumal sich die Region, die sich nach Zürich und Zug ausrichtet, vergrössert. Das luzernische Seetal mit prosperierenden Gemeinden wie Hochdorf und Hitzkirch sucht den Weg in die grossen Zentren und wird ihn über das Freiamt finden.

Im Herbst kommt es endlich zum Flirt

Ein Lichtblick gibt es, was den öffentlichen Verkehr anbelangt: Ab Herbst werden im Freiamt die neuen «Flirt»-Züge eingesetzt, was den Bahnfahrern wesentlich mehr Komfort und auch an allen Ortschaften den Halb-stundentakt bringen wird. «Wir bemühen uns beim Kanton Zug, dass die Stadtbahn Zug bis ins Freiamt geführt wird», stellt Josef Nogara, Präsident des Regionalplanungsverbandes Oberes Freiamt fest. «Das ist eine Chance.»
Aber das täuscht nicht darüber hinweg, dass es mit dem öffentlichen Verkehr im Freiamt nicht immer zum Besten bestellt ist. «Die Züge sind zu den hauptsächlichen Pendlerzeiten randvoll», sagt der Aristauer Ueli Küng. «Das ist nicht gerade attraktiv und lässt den einen oder andern wieder ins Auto steigen.» Der Busbetrieb funktioniert zwar meistens sehr gut, doch bei Staus bleibt auch das Postauto stehen. Dieses Problem würde sich bei einer auch schon angedachten Buslinie aus dem Raum Hochdorf-Hitzkirch Richtung Zürich stellen: Würde der Bus schon in Muri zum ersten Mal im Stau stecken, weil Busspuren fehlen? (es)

Erste Auswirkungen

Der Wirtschaftsraum Zug wirkt sich schon heute aus: Im Kanton Zug sind Wohnraum und Bauzonen ausgeschöpft, die Preise in entsprechender Höhe. Deshalb wächst der Siedlungsdruck auf das obere Freiamt. Ueli Küng, Gemeindeammann von Aristau und im Immobilienbereich tätig, weiss, wovon er spricht: «In einer neuen Überbauung in Abtwil mit 33 Wohnungen gingen drei Viertel an Zuger, oft Singles, Businessleute eben, die sich hier viel Wohnraum leisten können.» Die noch bessere Verkehrsanbindung wird diesen Trend fördern. Von einer «ungesunden Entwicklung» spricht der Sinser Gemeindeammann Josef Huwiler: «Wir müssen aufpassen, dass Bauland- und Objektpreise nicht explodieren.» In Rotkreuz würden gegenwärtig 400 bis 500 neue Arbeitsplätze entstehen. Die dort beschäftigten Arbeitnehmer werden Wohnraum zwangsläufig im Freiamt suchen, weil es im Kanton Zug keinen mehr gibt oder aber er kaum bezahlbar ist. «Wir können und sollen nicht Wohnraum anbieten in dem Ausmass, wie es der Kanton Zug ständig fordert», unterstreicht Huwiler.

Eröffnung nach acht Jahren Bauzeit

Die A4 Knonauer Amt wird am Freitag, 13. November, nach fast achtjähriger Bauzeit für den Verkehr freigegeben. Damit erhält die Zentralschweiz eine Direktverbindung nach Zürich und einen Anschluss ans Autobahnnetz im Mittelland. Die A4 war als Teil des Autobahnnetzes in den 1960er-Jahren geplant worden. (az)

Regional denken und handeln

Verkehr und Siedlung hängen zusammen. Die Repla hat mit den Gemeinden ein Regionales Siedlungs- und Verkehrskonzept erarbeitet, welches eben bei den Gemeinden in der Vernehmlassung war. «Wir müssen die Situation in den Griff bekommen», bekräftigt Nogara. Ziel des Konzeptes, das zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt werden soll, ist es, die bestehende Lebensqualität im Freiamt zu erhalten und zu stärken, die künftige Entwicklung zu lenken und die Handlungsschwerpunkte aufzuzeigen. Dabei ist regionales Denken und Handeln angesagt. «Die Gemeinden müssen zusammenarbeiten und auch gegenüber dem Kanton eine einheitliche Sprache reden», bringt es Ueli Küng auf den Punkt.

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