Startschuss für eine moderne Stadt

FDP-Politiker: «Mit Schulden ist nichts zu gewinnen», sagt Thomas Schwarz. (Hanspeter Bärtschi)

Schwarz.jpg

FDP-Politiker: «Mit Schulden ist nichts zu gewinnen», sagt Thomas Schwarz. (Hanspeter Bärtschi)

Thomas Schwarz präsidierte mitten in einer Zeit des Umbruchs den Grossen Gemeinderat Langenthals. Der laufende Steuerwettbewerb mit anderen florierenden Gemeinden brachte die Initialzündung zur Modernisierung und Investitionen mit ungeahnten Folgen.

Christoph Trösch

«1987 war das Jahr des Umbruchs», erinnert sich Thomas Schwarz, der damals als FDP-Mitglied im Grossen Gemeinderat Präsident war. «Langenthal hatte wenig Schulden und stand finanziell gut da.» Für die damaligen Mitglieder des Grossen Gemeinderates - den heutigen Stadtrat - eine vielversprechende Situation, um ihre Anliegen erfolgreich voranzutreiben. Zahlreiche Vorstösse wurden eingereicht, viele wurden angenommen. Vorstösse, die aufgrund des vollen Langenthaler Portemonnaies auch etwas teurer sein durften. So zum Beispiel die Vorlage für die Sanierungen der Badi oder das heutige Gemeindezentrum, den «Glaspalast». Anno 1987 war die Gemeindeverwaltung noch im Choufhüsi untergebracht. Die Stadt war im Bauboom und diverse Grossbauten wurden erstellt: Das neue Feuerwehrmagazin, das grössere Spital, das Ersparniskassen-Gebäude. Doch neben den öffentlichen Gebäuden wurden auch andere Überbauungen getätigt. Das Allmengebiet wurde vergrössert, und während die einen Baufirmen an neuen Wohnblöcken an der Belchenstrasse arbeiteten, waren andere mit der Erstellung der Industrie- und Wohnanlagen in der Steinackermatte beschäftigt.

Doch genau letztere vermochte, wie sich im Nachhinein herausstellte, ihren Zweck nicht so ganz zu erfüllen. Die Stadt erhoffte sich nämlich, mit dieser Überbauung auswärtige Steuerzahler nach Langenthal zu locken. «Die Stadt bot eine hohe Wohnqualität und ein Stadtzentrum mit allem, was man brauchte», sagt Thomas Schwarz. Anstatt der erhofften Firmen zogen die Firmen aus der Innenstadt in die Steinackermatte.

Wer sich verschuldet, verliert

Die vielen Investitionen brachten der Stadt nicht nur Gutes. «Als Politiker vergisst man manchmal, dass jedes Projekt auf irgendeine Weise Folgekosten generiert», sagt der damalige Präsident. «Über diese ist man sich oft nicht im Klaren.» Langenthal bekam diese Folgekosten jedoch erst etliche Jahre später zu spüren. Der Investitionsstopp, der später einkehrte, hatte unter anderem auch in den im Jahre 1987 angenommenen Vorlagen und erstellten Grossbauten seinen Ursprung. Schwarz, Fürsprecher und Notar, vertritt solchen Situationen gegenüber eine klare Position: «Ich bin ein Gegner der Schuldenmacherei. Man sollte erst etwas bauen, wenn die Kosten vollumfänglich gedeckt werden». Langenthal steht mit Gemeinden wie Zofingen, Sursee und Solothurn, somit mit steuergünstigeren Kantonen, im Steuerwettbewerb. Ein Wettbewerb, den man mit Schulden schnell verliert. «Das Kapital fliesst dorthin, wo es die besten Bedingungen hat», sagt Schwarz, der im Jahre 1971 das Staatsexamen als Anwalt und zwei Jahre später dasjenige als Notar absolvierte.

«Es war vieles möglich»

Was Ausgaben angeht, hat sich Schwarz immer zurückgehalten. Als Präsident des Grossen Gemeinderates liess er andere Politiker zu Wort kommen. Für ein schuldenfreies, attraktives Langenthal hat er sich jedoch bereits vor seiner Zeit im Grossen Gemeinderat eingesetzt. Als er Ende der Siebzigerjahre anfing, bei den Jungfreisinnigen zu politisieren, konzentrierte man sich auf andere Themen, wie sich Schwarz erinnert: «Es war damals die grosse Zeit des Ernstpeter Hubers, der eloquent und sympathisch neue Sachen anriss. Er war ein Verfechter des Sportes und setzte sich dafür ein, Leute für den Sport zu begeistern.»

Fortan wollte Schwarz seine liberal-konservative Sachpolitik im Grossen Gemeinderat verwirklichen. Jahre später stiess Schwarz zur FDP, unter anderem auch als Parteisekretär. «In dieser Zeit war vieles möglich. Es war sozusagen die Initialzündung für die Modernisierung», sagt der in Aarburg aufgewachsene Schwarz, welcher heute eine Anwalts- und Notariatspraxis in Langenthal führt.

«Durch die zunehmende Reglementierung nimmt die Lebensqualität des Volkes ab, und die Eigeninitiative des Bürgers wird gelähmt», sagt er und fügt abschliessend hinzu: «Gegen diese höchst negativen Entwicklungen gilt es, energisch anzukämpfen.»

Meistgesehen

Artboard 1