Starkes Nachbeben in Italien - Fieberhafte Suche nach Überlebenden

Helfer im Dauereinsatz

Helfer im Dauereinsatz

Mit Spürhunden und unterstützt von Freiwilligen haben tausende Rettungskräfte einen Tag nach dem schweren Erdbeben in den italienischen Abruzzen fieberhaft nach weiteren Überlebenden gesucht. Derweil kam es zu einem starken Nachbeben.

Bis jetzt haben die Helfer 150 Menschen lebend aus den Trümmern gerettet. Für mindestens 228 Menschen kam aber jede Hilfe zu spät. Bei dem Beben um die Regionalhauptstadt L'Aquila wurden etwa 1500 Menschen verletzt, 100 davon seien immer noch in einem kritischen Zustand, sagte Regierungschef Silvio Berlusconi an einer Medienkonferenz.

Unterdessen wurde bekannt, dass weit weniger Menschen obdachlos geworden sind als bisher kommuniziert. Die Rettungkräfte vor Ort sprachen neu von 17 000 Menschen. Die Stadtverwaltung hatte die Zahl zuvor mit 50 000 angegeben.

Für neue Panik sorgten drei grössere und mehrere kleinere Erdbeben. Ein Nachbeben der Stärke 5,3 erschütterte am Abend Mittelitalien - das Beben war fast so stark wie das erste.

Angesichts dessen warnte Berlusconi die Bewohner evakuierter Stadtteile vor einer Rückkehr. Er forderte die Obdachlosen auf, in die Hotels an der Adria-Küste zu ziehen, die der Zivilschutz zur Verfügung stellt. "Fahren Sie ans Meer über Ostern, gönnen Sie sich eine Ruhepause, die wir bezahlen werden", sagte Berlusconi.

In L'Aquila mussten Dutzende Überlebende bei eisigen Temperaturen in ihren Autos übernachten. Andere Erdbebenopfer wurden in Kasernen, Stadien und Sporthallen untergebracht, viele suchten Unterkunft bei Freunden oder Verwandten. Hilfsangebote aus dem Ausland lehnte Berlusconi dankend ab. Unterstützung sei nicht nötig, die Italiener seien "ein stolzes Volk" und kämen allein zurecht.

In Italien begann derweil eine scharfe Polemik über die schlechte Bauqualität in den Regionen mit erhöhtem Erdbeben-Risiko. Geologen schätzen, dass Millionen Häuser auf der Apennin-Halbinsel "potenziell einsturzgefährdet" sind.

In der Schweiz ist die Spendenhilfe für die Opfer angelaufen: Nach dem Roten Kreuz stellt Caritas Schweiz 100 000 Franken zur Verfügung und die Glückskette eröffnete ein Konto.

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