Groupe de Réflexion
Starke Visionen braucht das Limmattal

Die Dietikerin Esther Arnet ist Mitglied der «Groupe de Réflexion» und fühlt dem Limmattal den Puls.

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Gespräch

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Stadtanzeiger
Eine Region zeigt ihren Charakter

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Thomas Pfann

Esther Arnet ist Delegierte des Verwaltungsrates der Metron in Brugg, ein Planungs- und Architekturunternehmen mit den Fachbereichen Architektur, Raumentwicklung, Verkehr, Landschaft und Umwelt. Aufgewachsen in Schlieren, wohnt die Betriebsökonomin heute in Dietikon. Die Entwicklung des Limmattals hat Esther Arnet während der vergangenen Jahrzehnte beobachtet und sie bestätigt, was viele Bewohner der Region zu Zürich-West sagen: «Das Limmattal bietet zum Wohnen und Arbeiten viele Qualitäten. Und: Es ist viel besser als sein Ruf.» Ihrer Meinung nach fehlt es der Region aber an Selbstbewusstsein, welches die Qualitäten nach aussen trägt.

In ihrer Tätigkeit bei Metron gehören Verkehrsplanung und Fragen der Raumentwicklung zum Tagesgeschäft, was den Blick für eine stark wachsende Region schärft. Kein Zufall also, dass die Dietikerin der Einladung der Standortförderung Limmattal folgte, als Mitglied der «Groupe de Réflexion» Anregungen zur Zukunft des Limmattals zu erarbeiten. Der 40-seitige Bericht wurde Ende Oktober verfasst und im Internet veröffentlicht - die Reaktionen blieben nicht aus. Das Papier erhielt wohl viel Lob, wurde aber auch kritisiert.

Die zusammengefassten Erkenntnisse seien längst bekannt, Überraschungen blieben aus und viele der Ideen entsprächen mehr dem Ist-Zustand als einer Vision. Esther Arnet erläutert: «Der Bericht enthält kein Patentrezept, trotzdem sind einige Ziele definiert. Davon lassen sich einige jetzt schon realisieren. Ein lautes Bekenntnis zur zügigen Realisierung der Stadtbahn Limmattal ist zum Beispiel nicht überraschend, aber für die Region extrem wichtig. Oder die Schaffung eines Regionalrats, welcher die Vernetzung und Verbindung zwischen den Gemeinden gewährleistet.» Der Betriebsökonomin ist klar - und das formuliert auch der Réflexion-Bericht: Die Limmattaler Gemeinden müssen sich längerfristig als einen einzigen Raum verstehen. «Und zwar über die Kantonsgrenzen zwischen Zürich und dem Aargau hinweg», fügt Arnet an.

Das bedeute nicht, dass man die Identität einer Gemeinde aufheben müsse, fordere aber ein gemeinsames Leitbild, was die Raum- und Verkehrsentwicklung angehe.

So sollte es zum Beispiel möglich sein, dass Unternehmen, die einen Standort im Limmattal suchen, von einer Gemeinde an eine Nachbargemeinde vermittelt werden. Weil dort die optimaleren Bedingungen für dieses Unternehmen bestehen. Umgekehrt könnten Interessenten an exklusivem Wohnraum an Gemeinden mit Standortvorteilen in diesem Bereich umgeleitet werden. «Eine Region wie das Limmattal braucht starke Zentren ebenso wie eine Vielfalt an Wohn- und Erholungsraum.

Eine Grossstadt dient da als gutes Beispiel: Im optimalen Fall werden Raum und Verkehr als Ganzes geplant, strukturiert und realisiert. Das heisst nicht, dass ein Quartier oder Stadtkreis seine Eigenheit aufgeben muss.» Allerdings verlange diese Vision eine eingespielte, faire Zusammenarbeit unter den Gemeinden und auch den Glauben, dass eine gemeinsame Entwicklung der Region letztlich für alle von Vorteil sei.

Für Esther Arnet enthält der Bericht der «Groupe de Réflexion» durchaus wertvolle Denkanstösse und wirft vor allem Fragen auf, die jetzt diskutiert werden sollten. «Der Ball liegt jetzt bei den Gemeindeexekutiven und den Behörden. Der Koordination untereinander und dem Abstimmen bei gemeindeüberschreitenden Projekten steht nichts im Weg», sagt Arnet. Für dieses Vorhaben seien genug der Ideen und Ziele definiert. Dazu hätten durchaus weitere Denkanstösse und konstruktive Kritik Platz, die Groupe de Réflexion erhebe sicher keinen Anspruch auf eine abschliessende Liste der Ideen und Ziele.

Eines scheint Esther Arnet klar zu sein: Nicht ein Abschlusspapier wird die Zukunft des Limmattals verändern, es sind die Visionen, die darin festgehalten sind - und die müssen nicht neu sein, aber möglichst umgesetzt werden. Das Limmattal hat Potenzial, nutzen müssen es die Bewohnerinnen und Bewohner in der Gesellschaft und in der Politik.

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