Alois Winiger

Fast ein wenig versteckt oberhalb des Dorfes Mümliswil liegt in einer Waldlichtung das Anwesen von Johannes Walser-Fluri. Er und seine Gattin Jeannette züchten dort seit Jahren erfolgreich Schweizer Halb- und Vollblutpferde. Derzeit leben neun Tiere dort, es können aber auch bis zu deren fünfzehn sein. Wo so viele Pferde leben, gibts viel Mist, und dieser muss eine gewisse Zeit lang gelagert werden. Johannes Walser hat darum vor etwa zweieinhalb Jahren in Stallnähe einen neuen Mistplatz erstellt aus einer rund zehn Quadratmeter grosse Betonplatte, umrandet mit grossen Steinbrocken. In einem Schacht wird Flüssigkeit gesammelt, die aus dem Misthaufen austritt, der mittlerweile eine beachtliche Grösse hat. Soweit wäre alles korrekt.

Ab und zu gibts «Lämpe»

Doch der Mistplatz ist nicht nur nahe beim Stall, sondern auch nahe beim Wald - zu nahe, nämlich nur knapp drei Meter entfernt. Zwanzig sollten es nach Gesetz sein. Hinzu kommt, dass vor dem Bau sogar Bäume entfernt worden sind; man könne nachvollziehen, wo die Waldgrenze vorher verlaufen ist, erklärte Kreisförster Urs Allemann beim Augenschein. Dazu erschienen waren vom Verwaltungsgericht dessen Präsident Beat Stöckli, Gerichtsschreiber Thomas Schaad sowie Regula Reber vom Rechtsdienst des Baudepartements, des Weiteren Thomas Bader und Christoph Kohler von der örtlichen Baukommission sowie Thomas Biedermann, Anwalt von Johannes Walser.

Dass das Bauvorhaben nicht den korrekten Weg nahm, gab Johannes Walser frank und frei zu. Auch dass er ein paar Bäume entfernte und das Baugesuch erst einreichte, nachdem er den Mistplatz schon gebaut hatte, der ihn rund 10 000 Franken gekostet habe. «Ich dachte, das sei die beste Idee, dann gehts vorwärts», kommentierte er. Auch habe er vermutet, dass es deswegen wohl «Lämpe» gebe. «Aber das habe ich noch hie und da.» Diese «Lämpe» bekam Walser, nachdem die örtliche Baukommission das Gesuch den kantonalen Behörden weitergereicht•hatten (Juraschutzzone) und diese das Gesuch ablehnten. Walser reichte Beschwerde ein.

Rückbau verhältnismässig?

Tatsächlich hatte Walser schon mehrfach «Lämpe», wie sich im Verlauf des Augenscheins herausstellte. Einen Unterstand hatte er abbauen müssen, weil kein Baugesuch vorhanden war. Und noch zwei weitere kleine Bauten wurden genannt, deren Standorte offenbar nicht zweifelsfrei sind. «Doch das ist heute nicht das Thema, sondern der Mistplatz», mahnte Richter Beat Stöckli und bat Anwalt Biedermann um seine Stellungnahme. Er und sein Mandant seien der Überzeugung, der Standort für den Mistplatz sei sinnvoll und richtig, weil nahe beim Stall. «Näher beim Wohnhaus wäre er jedoch störend und für die Bewohner nicht zumutbar», argumentierte Biedermann. Wollte man einen Platz suchen, der nach Gesetz weit genug vom Waldrand entfernt ist, käme man irgendwo mitten auf die Wiese, denn Haus und Hof seien ja praktisch vom Wald eingerahmt. Falls das fragliche Areal tatsächlich bewaldet war, so könnte ja andernorts für Ersatz gesorgt werden. «Das wurde aber nie in Erwägung gezogen.» Letztlich werde das Landschaftsbild durch den Misthaufen überhaupt nicht gestört.

Regula Reber vom Baudepartement zeigte sich unbeeindruckt von den Argumenten: «Der Mistplatz muss rückgebaut werden», sagte sie. Man könne sich zwar fragen, ob das verhältnismässig sei. Doch Walser habe gewusst, was er tat und dabei die Abweichung vom Erlaubten deutlich überschritten. Richter Beat Stöckli kündigte an, das Urteil sei in etwa vierzehn Tagen zu erwarten.