Wind
Staffelbacher wollen den Wind wirtschaftlich nutzen

Auf dem Chalt in Staffelbach soll ein Windrad entstehen, das jährlich vier Millionen Kilowattstunden liefert. Jedenfalls hoffen das Ruedi Müller und Nik Walther. Mit einer Windmessanlage messen sie vorerst ein Jahr lang den Wind.

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«Sicher genug Wind für Windrad»

«Sicher genug Wind für Windrad»

Barbara Vogt

Leicht bläst der Westwind an diesem Frühlingsmorgen auf dem Chalt in Staffelbach. Wind ist Ruedi Müller gewohnt. «Hier oben bläst der Westwind. Manchmal so heftig, dass es Ziegel von den Dächern wegfegt. Wieso diese Windkraft nicht nutzen?, fragte sich der Landwirt eines Tages. «Wir können nicht immer wegen der Energiekrise jammern, sondern müssen auch etwas tun dagegen.» Er fing an, sich mit Windenergieanlagen auseinanderzusetzen.

Das tat auch Nik Walther, zum gleichen Zeitpunkt und unabhängig von Ruedi Müller. An einer «Energiereise» nach Deutschland sah er, wie eine ganze Gemeinde unter anderem mit Windenergie versorgt wird. «Auf dem Chalt hat es doch genügend Wind für ein Windrad», sagte sich Walther und ging mit seiner Idee zu Ruedi Müller. Von da an waren sich die Beiden einig: «In fünf Jahren steht auf dem Chalt ein Windrad.»

Prüfen, ob wirtschaftlich sinnvoll

Bereits liegt ein Baugesuch für eine einjährige Windmessanlage auf. Das verlangt der Kanton, denn dieser will wissen, ob ein Windrad auf dem Chalt überhaupt wirtschaftlich ist. Während eines Jahres misst die Windmessanlage in zwei verschiedenen Höhen, auf 25 und 50 Metern, die Windstärke und wie viel Wind aus welchen Richtungen bläst. Viereinhalb Meter pro Sekunde im Durchschnitt muss die Windstärke betragen, sonst können Ruedi Müller und Nik Walther ihr Projekt gleich wieder vergessen. Sie sind zuversichtlich: «Auf dem Chalt weht der Wind nicht immer gleich, manchmal mehr, manchmal weniger. Für eine Windenergieanlage sind das die besseren Voraussetzungen, als wenn der Wind immer gleich stark bläst.» Die Windenergieanlage würde in der Nähe des Triangulationspunktes auf dem Chalt gebaut. Dass dort ein Vermessungspunkt stehe, sei, so Walther, ein gutes Zeichen: «Der Blick ist ringsum frei, dem Wind steht nichts im Wege.»

Die beiden nehmen das Risiko auf sich und bauen – sofern es keine Einsprachen gibt – die Windmessanlage aus dem eigenen Sack. Unterstützung finden sie bei den Chalt-Bewohnern. «Sie finden die Idee gut und können sich finanziell beteiligen», sagen Ruedi Müller und Nik Walther. Auch beim Bau des Windrades sind sie auf finanzielle Unterstützung angewiesen: Die Anlage kostet zwischen drei und fünf Millionen Franken.

Rund 100 Meter hohes Windrand

Steht auf dem Chalt tatsächlich einmal ein Windrad, so würde die Anlage bei einer Leistung von 2,5 Megawatt rund vier Millionen Kilowattstunden pro Jahr produzieren. «Das ist dreimal so viel Energie, wie die Gemeinde Staffelbach braucht», sagen Ruedi Müller und Nik Walther. Das Windrand, rund 100 Meter hoch, kann auf einem Gitter- oder auf einem Betonmasten montiert werden. Die Anlage würde sich optimal ins Landschaftsbild einfügen, meinen die Initianten mit einem Blick auf die nahe gelegene Hochspannungsmasten. Weil das Windrand höher als 30 Meter wäre, hätte auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt ein Wörtchen mitzureden.

Gewisse Naturschutz-Kriterien für den Bau des Windrades sind ebenfalls
gegeben. Der Chalt liege weder an einer Vogelzuglinie, noch gebe es Auerhähne, Zudem komme der Chalt nicht im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung vor. Gleichwohl sind sich Ruedi Müller und Nik Walther bewusst: Der Wind wird sich noch einige Male drehen, bis auf dem Chalt ein Windrad steht.

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