Baden
Stadtturm in neuem altem Gewand

Seit einem Jahr ist der Stadtturm von Baden verhüllt, mit seinem eigenen Abbild zwar, die Neugierde, wie der neu renovierte Stadtturm wirken wird, ist aber dennoch gross.

Drucken
Teilen
Renovation Stadtturm

Renovation Stadtturm

Stadtanzeiger

Melanie Borter

Am 20. Juni wird anlässlich des Festes zum neu gestalteten Schlossbergplatz auch der Stadtturm zum ersten Mal zu sehen sein - zumindest jene Seite, die zum Schlossbergplatz zeigt. «Die anderen drei Seiten bleiben noch verhüllt, weil die Arbeiten da noch nicht ganz abgeschlossen sind», erklärt Stadtrat Roger Huber. Er ist verantwortlich für die Liegenschaften der Stadt Baden.

«Jene Uhr, die zur Weiten Gasse hin zeigt, ist mit barocken Fresken umgeben, die im Zuge der Renovationsarbeiten verloren gegangen sind. Diese müssen nach der originalen Vorlage von 1793 wieder direkt auf den neuen Verputz aufgemalt werden», erklärt Wittwer, Pojektleiter der Renovation, weiter.

Seit einem Jahr wird der Stadtturm nun saniert, warum dauern die Arbeiten so lange? «Die Renovation ist kompliziert und aufwendig: Zuerst mussten 60 Kubikmeter alter Verputz heruntergespitzt werden», gibt Jürg Wittwer Auskunft.

1977 wurde der Turm mit einer Silikonimprägnierung überzogen. Das entsprach den damaligen Gepflogenheiten, man glaubte, das würde den Turm gänzlich vor Nässe schützen, tatsächlich aber geschah das Gegenteil: DurchRisse gelangte doch Wasser in das Mauerwerk und die Imprägnierung verhinderte jetzt ein Entweichen dieser Feuchtigkeit. Die Folge waren massive Putz- und Steinschäden. Da die Silikonimprägnierung irreversibel ist, musste folglich der gesamte Verputz zuerst abgespitzt werden, bevor dann der neue aufgetragen werden konnte.

«Heute arbeitet man wieder mit alten Techniken, solche, die schon vor Jahrhunderten praktiziert wurden. Das heisst auch, dass auf chemische Zusätze verzichtet wird, weshalb wir sehr abhängig vom Wetter waren. Denn jede Schicht muss zuerst austrocknen, bevor die nächste aufgetragen werden kann», berichtet Wittwer.

Der Stadtturm wurde komplett neu eingekleidet mit einem rein mineralischen Aufbau, 190 Tonnen Material wurden für diesen Aufbau verwendet. Schliesslich kommt ein weisser Anstrich aus Purkristallat auf den neuen Verputz.

Im Zuge der letzten grossen Renovation des Turmes 1925 wurde ein stark zementhaltiger gelblicher Naturputz aufgespritzt - ganz im Zeichen des damaligen Heimatstils. In den Jahrhunderten zuvor hatte der Turm aber stets einen weissen Anstrich. Nach der Renovation wird der Stadtturm also in neuer, historisch betrachtet aber in alter, Farbe erstrahlen.

Auch wenn die Arbeiten am Stadtturm etwas länger dauern als geplant, finanzielle Überschreitungen gibt es deswegen nicht. «Im Moment sind wir im Fahrplan», betont Roger Huber und auch Wittwer bestätigt: «Ich bin guten Mutes, dass wir den Kredit von 1,2 Mio. nicht überschreiten werden».

Bis 1984 diente der Stadtturm als Bezirksgefängnis. Seither wird er, mal abgesehen von ein paar wenigen Anlässen und Besichtigungen bei Stadtführungen, nicht mehr genutzt. Wäre im Zuge einer Renovation nicht auch eine Neugestaltung des Innenraumes sinnvoll gewesen? «Das wäre zwar wünschenswert», bestätigt Roger Huber, «aber leider ist das nicht möglich: Um den Turm zum Beispiel für kulturelle Anlässe nutzen zu können, müsste er aus Sicherheitsgründen über Notausgänge verfügen. Da er aber ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung ist, darf man natürlich nicht einfach eine Feuerleiter montieren. Uns sind also die Hände gebunden.»

Das Fest zur Einweihung des neu gestalteten Schlossbergplatzes und der Unterführung «Blinddarm» und des neu renovierten Stadtturms findet am 20. Juni statt. Programm unter: www.baden.ch/fest