Schlieren
Stadtrat fordert soziales Engagement

Nach der Stadtentwicklung steht nicht zuletzt die Gesellschaft im Fokus der Legislatur. Die neuen Regierungsrichtlinien sollen Qualität bringen.

Jürg Krebs
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Limmattaler Zeitung

«Schlieren blüht auf», titelte die Architekturzeitschrift «Hochparterre» dieses Jahr mit Blick auf die rege Bautätigkeit. Auch weniger euphorisch, muss festgestellt werden: Zumindest ist Schlieren gewachsen, wie Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin gestern anlässlich der Präsentation des neuen Leitbildes darlegte: 1001 neue Wohnungen sind entstanden, die Bevölkerung um 2750Einwohner auf deren 16000 angewachsen, 260Kinder werden in 13 zusätzlichen Klassen untergebracht, 1500 neue Arbeitsplätze sind entstanden – und das alles seit 2003, dem Jahr in dem das letzte Leitbild datiert.

Dieser Entwicklung tragen nun Leitbild und Regierungsrichtlinien 2010–2014 Rechnung. «Der Rohbau von Schlieren steht», so die Analogie von Toni Brühlmann, «jetzt geht es an den Innenausbau.»

Vorstellung einer modernen Stadt

Das Bild, das Brühlmann und seine Ratskolleginnen und -kollegen von Schlieren gezeichnet haben, ist das einer zeitgemässen Stadt: moderne und bedürfnisgerechte Wohnungen und Quartiere, ein guter Mix an Gewerbe und Firmen, zahlreiche auch hochstehende Arbeitsplätze, gute Schulen, Betreuungs- und Freizeiteinrichtungen sowie eine optimale Gesundheitsversorgung. Dazu ein reges Sozial-, Kultur-, und Vereinsleben. Die vielfältig durchmischte Bevölkerung ist ebenso erwähnt wie der gut ausgebaute öffentliche Verkehr, der die Stadt in Bewegung hält.

Am Ziel hat sich somit im Vergleich zum Leitbild 2003 nichts verändert. Und doch gibt es einen wesentlichen Unterschied: Schlieren ist einen grossen Schritt weiter gekommen.

Tatsächlich konnten Regierungsversprechen seit 2003 eingelöst werden: zusätzliche Wohnungen und Arbeitsplätze etwa oder die Spurreduktion der Verkehrsachse Zürcher-/Badenerstrasse. Das neue Stadtzentrum wird gebaut, die neue Verkehrsführung wird auf dem Fusse folgen.

Jetzt braucht es Qualität

Der Quantität muss nun Qualität folgen, das ist dem Stadtrat bewusst, und entsprechend hat er seine Regierungsrichtlinien ausgerichtet. Der eingeschlagene Weg wird somit nicht einfach fortgeschritten.

Das zentrale Thema des Stadtrats heisst Integration – in allen Facetten: Sie betrifft deshalb bei weitem nicht nur Fremdsprachige und Ausländer. Ganz allgemein müssen die zahlreichen neuen Einwohnerinnen und Einwohner in Schlierens Gesellschaft eingeführt, in der Stadt heimisch werden. Zusammenwachsen soll die Bevölkerung über kulturelle Anlässe und gemeinsame Aktivitäten; eine der Gelegenheiten ist das Schlierefäscht im September 2011.

Beim Thema Zusammenleben zeigt sich der Stadtrat heute kompromissloser. War 2003 noch deutlich mehr von Fördern die Rede, wird 2010 nachdrücklich gefordert. In erster Linie heisst es: «Die Bevölkerung ist sozial engagiert.» Deshalb wird Freiwilligenarbeit unterstützt. Respekt und Toleranz aber, aktives Mitwirken der Eltern in der Schule oder eine geregelte Nutzung bei Sport- und Freizeitanlagen wird nachdrücklich gefordert. Abfallsündern wird konsequent begegnet. Von Gastgewerbe und Veranstaltern wird Rücksicht verlangt. Menschen in Notlagen werden unterstützt, aber der Wille zur Selbstständigkeit wird eingefordert.

Trotz der Strenge – der Stadtrat ist zu geben bereit: Lebensqualität dank Quartierentwicklung. Die Stadt will sich jugendfreundlich zeigen, Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, die Skateranlage ist in Realisation. Muslimische Grabfelder sind wieder ein Thema. Brühlmann beschreibt den Status mit «wird geprüft».

Weiter wird Kostenbewusstsein gross geschrieben. Dies auch vor dem Hintergrund der anstehenden Investitionen. Die städtische Infrastruktur, etwa im Bereich Bildung, muss nämlich ausgebaut werden und das wird teuer, sehr teuer. Das und anderes mehr sind die Kehrseite der Medaille, die da heisst: «Schlieren blüht auf.»

Die neuen Regierungsrichtlinien 2010–2014 des Schlieremer Stadtrats unter: www.schlieren.ch