Städtchen ist eine perfekte Mal-Kulisse

20 begeisterte Malerinnen und Maler, vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen, verbrachten das Wochenende in der Altstadt Bremgarten. An verschiedenen Örtlichkeiten setzten sie sich vor die Leinwand, um die Schönheiten des Städtchens einzufangen.

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Städtchen ist eine perfekte Mal-Kulisse

Städtchen ist eine perfekte Mal-Kulisse

Hanna Widmer

Rund um den Klappstuhl von Kursleiter und Aquarellist Wilhelm Fikisz hat sich am Samstagmorgen mitten in der Bremgarter Altstadt ein kleines Grüppchen Leute versammelt. Gespannt blicken sie dem Künstler über die Schulter. In Windeseile zaubert Fikisz ein wunderschönes Aquarell des Spittelturms aufs Papier und erklärt den Malwochenend-Teilnehmern gleichzeitig seine Vorgehensweise.

Acht bis zwölf Stunden brauche er im Schnitt für ein Bild, das sich fortlaufend verändere, erläutert der Kursleiter. Natürlich könne man auch in fünf Minuten ein Aquarell aufs Blatt knallen. Aber dann werde dieses Werk «nie die Tiefe und die Seele haben, die es braucht. Niemand kauft ein Aquarell, das keine Seele besitzt», meint der österreichische Künstler. Nach letzten Tipps und Tricks – man könne einzelne Objekte weglassen oder könne neue dazuerfinden – lässt Fikisz die Malerinnen und Maler «springen». Alle suchen sich ein Plätzchen, um von hier aus eine ganz persönliche Sicht des Städtchens abzubilden.

Jedem das Seine

So frei wie möglich sollten die Hobbykünstler in der Wahl ihrer Malutensilien sein, sagt Romy Latscha, die Organisatorin der Bremgarter Malwochenenden. Je nach Vorliebe könnten sich die Teilnehmenden für Aquarell-, Acryl- oder andere Farben und Techniken entscheiden. Um 16 Uhr kommt die Malgruppe zusammen. Jeder befestigt sein «Tagesschaffen» mit einem Klämmerli an einem Seil. Dann erfolgt zu jedem einzelnen Bild eine konstruktive Rückmeldung des Kursleiters Wilhelm Fikisz. Dies in der Absicht, dass das Angesprochene am nächsten Tag in die Bilder einfliesst.

Die in Bremgarten gestalteten Werke werden im November im Klösterli der Bremgarter St.-Josef-Stiftung bei einer zweiwöchigen Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Das Malwochenende im Juni ist bereits das fünfte in diesem Jahr. Das Juni-Weekend steht sehr hoch in der Gunst der Teilnehmenden. Die Weekend-Kursreihe «Malerisches Bremgarten» wurde vor fünf Jahren erstmals angeboten. «Mehrere Teilnehmende kommen immer wieder ins Städtchen», erzählt Romy Latscha, «andere schalten jeweils eine kürzere oder längere Pause ein. Jemand hat einmal gesagt: Es ist, als ob man für ein Wochenende in eine Familie zurückkehren würde. Ein schönes Kompliment, das auch dem wunderbaren kleinen Städtchen gilt.»

An den Schatten der Reuss

Als «sehr treue Malerseele» könnte man Annemarie Fuhlroth bezeichnen. Die Zufikerin hat noch kein einziges Malwochenende verpasst und kann das 5-Jahre-Jubiläum getrost mitfeiern. Heuer beschliesst sie, für einmal kein Gebäude zu malen, sondern ein Stück Natur. Ein lauschiges Plätzchen findet sie am Reussufer, wo sie ihren Stuhl und die neu erworbene Staffelei unter dem Schatten der Bäume auspackt. Normalerweise brauche sie für ein Werk bis zu 55 Stunden, sagt Annemarie Fuhlroth. Dieses Wochenende übt sie sich allerdings in der «schnellen Art» – schliesslich möchte sie bei der Besprechung am Abend etwas Fertiges vorweisen können.

Malerischer Marathon

Beinahe schon einen Mal-Marathon hat Jules Flück hinter sich. Die gesamte letzte Woche hat er, ebenfalls unter der Leitung von Wilhelm Fikisz, im Kanton Aargau verbracht. Dabei besuchte er diverse Orte und hat dort auch gemalt. «Dann hat Maestro Willi Fikisz das Bremgarter Wochenende erwähnt», erzählt der Aarauer, «und ich habe kurzerhand beschlossen, zwei weitere Tage an die Malwoche anzuhängen. Bei diesem wunderschönen Wetter ist das natürlich hundertmal angenehmer, als im Büro vor dem Computer zu hocken und die Arbeit zu erledigen, die ich letzte Woche hätte tun sollen», sagt Flück schmunzelnd, ehe er seinen Pinsel in die Farbtöpfe taucht, um an seiner sehenswerten Spittelturm-Skizze weiterzuarbeiten.

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