Stadt Zürich bezahlt Lärm-Ferien

Die Grossbaustelle am Escher-Wyss-Platz quält Anwohner. Als Ausweg offeriert sie ihnen deshalb gratis Hotelnächte.

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escherwyss

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Die Stadt Zürich baut während der Schulferien das Herzstück der neuen Tramlinie nach Zürich-West: Der ganze Escher-Wyss-Platz wird umgebaut, und zwar Tag und Nacht. Erstmals bietet die Stadt lärmgeplagten Anwohnern an, ihnen einige Nächte im Hotel zu finanzieren.

Alfred Borter

Das hat es noch nie gegeben, wie Christian Meier vom Tiefbauamt erklärte. Die Anwohner am Escher-Wyss-Platz und auf der andern Seite der Limmat am Wipkingerplatz erhalten auf Antrag von der Stadt Zürich die Möglichkeit, während der lärmintensivsten Arbeiten an der Hardbrücke und beim Abbruch und der Neuverlegung der Schienen für eine Woche in ein Hotel zu ziehen. «Wir können nicht gerade das ‹Dolder Grand› anbieten», lachte er, aber ein Hotel wie das nahe gelegene «Ibis» liege schon drin.

Arrangements mit zehn Hotels

Die Stadt habe mit etwa zehn Hotels bereits entsprechende Arrangements getroffen. Die Anwohner hätten bereits bisher grosses Verständnis für die Arbeiten für das Tram Zürich-West und für die Sanierung der Hardbrücke gezeigt, ausserdem mute man ihnen auch am Wochenende seitens der festfreudigen Besucher der Ausgangsmeile einigen nächtlichen Lärm zu, sodass sich die Stadt entschieden habe, ein solches Angebot zu machen - «ausnahmsweise», wie Meier betonte. Die Stadt sei im Besitz sämtlicher Bewilligungen für die nächtlichen Arbeiten, und rein vom Gesetz her hätten die Anwohner kein Anrecht auf Hotelübernachtungen.

Anspruchsvollste Etappe

Was auf die Anwohnerinnen und Anwohner, aber auch auf die Verkehrsteilnehmer während der Sommerferien vom 17.Juli bis 22.August zukommt, ist wirklich happig, wie Meier zusammen mit Fachleuten aus verschiedenen städtischen Dienstabteilungen ausführte. Es handelt sich um die anspruchsvollste Etappe im Zusammenhang mit der Verlängerung des Tramtrassees nach Zürich-West.

Die Sommerferien hat man gewählt, weil dann in den Trams, aber auch auf der Strasse weniger Leute unterwegs sind als gewöhnlich. Dank einer Konzentration der Arbeiten und zwei- bis dreischichtigem Betrieb lassen sich auch Kosteneinsparungen erzielen. Der Trambetrieb wird im Bereich der Baustelle eingestellt, damit die Gleise rasch und effizient ausgewechselt werden können. Es sind nicht weniger als 17Weichen neu zu verlegen.

Die Fahrdrähte werden abgehängt, damit auch die Unterseite der Hardbrücke im Teilstück über die Limmat saniert werden kann. Der schadhafte Beton wird mit Wasserhöchstdruck entfernt, was nicht ohne erheblichen Lärm vonstatten geht. Wie Jürg Pfyl vom Tiefbauamt erklärte, haben die bisherigen Arbeiten an der Hardbrücke ergeben, dass sich die Schäden ungefähr im erwarteten Rahmen bewegen, auch wenn es einzelne Stellen gibt, wo man eine noch etwas schlechtere Situation als gedacht angetroffen hat.

Die Sanierungsarbeiten an der Hardbrücke gehen planmässig voran, das schlechte Wetter der letzten Wochen hat sich nicht allzu nachteilig ausgewirkt. Im August können dann drei jetzt gesperrte Rampen wieder für den Verkehr geöffnet werden.

Während des fünfwöchigen Unterbruchs des Tramverkehrs am Escher-Wyss-Platz setzen die Verkehrsbetriebe zwischen Hauptbahnhof und dem Escher-Wyss-Platz respektive Höngg Ersatzbusse ein. Autos können die Baustelle zwar passieren, doch sind nicht alle Verkehrsbeziehungen möglich, auch stehen nicht alle Spuren zur Verfügung. Die Verantwortlichen raten deshalb, die Baustelle am besten grossräumig zu umfahren. Trotzdem sei vermehrt mit Stau zu rechnen.

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