Alessandra Paone

Mit einem Gesamtkonzept, einem so genannten Masterplan, will die Stadt Liestal das rund 45 Hektaren grosse Gebiet vom Konrad-Peter-Areal bis zum Gestadeckplatz in Bahnen lenken. Im Sommer des vergangenen Jahres hätte gemäss Programm des Stadtrats und der Stadtverwaltung der Masterplan «Liestal Zentrum Nord» dem Einwohnerrat vorgelegt werden sollen. Die im Frühjahr 2007 angekündigten grossen Pläne für den nördlichen Rand der Altstadt lassen aber auf sich warten - zum Ärger eines Grundeigentümers.

«Ich fühle mich von der Stadt im Stich gelassen», sagt Frank Harms, Geschäftsführer der De Dietrich Process Systems AG in Liestal. Die ehemalige Rosenmund VTA AG gehört neben der Basellandschaftlichen Kantonalbank und der Ziegelhof Immobilien AG zu den grössten Grundeigentümern des zu entwickelnden Areals.

Vorvertrag mit Investor

Der Firma gehört eine ziemlich grosse, schön gelegene Parzelle auf dem Ziegelhof-Areal, die teils als Parkfläche genutzt wird, teils brach liegt. Für diese hat nun De Dietrich einen Investor gefunden. Doch so lange die Stadt nicht den Masterplan präsentiert, so lange muss das Unternehmen den Käufer hinhalten. Das von der Stadt aufgestellte Programm sei «unrealistisch», findet Harms. Dies habe er jedoch schon damals gewusst, als Martin Hofer, Leiter des Liestaler Stadtbauamts, den Zeitplan bekannt gegeben hat. Im Frühling dieses Jahres hätten die einzelnen Quartierpläne, basierend auf der Gesamtplanung, erstellt werden sollen. Nun werde es wohl 2011, bis man damit anfangen könne, vermutet Harms.

Die Firma De Dietrich hat deshalb nun einen Vorvertrag mit ihrem Investor abgeschlossen. Allzu lange könne er den Käufer, dessen Name der De Dietrich-Chef nicht nennen will, nicht hinhalten, warnt Harms. Denn sonst springe dieser ab. «Könnte wenigstens für unsere Parzelle ein Quartierplan erarbeitet werden, wäre uns schon sehr gedient.»

Martin Hofer ist überrascht und zugleich irritiert über Harms Kritik an die Stadt: «Die Grundeigentümer sind bestens im Bild über den Planungsstand - auch Herr Harms.» Es hätten in regelmässigen Abständen Treffen mit den Landbesitzern stattgefunden, an denen diese ihre Wünsche und Einwände anbringen konnten, stellt der Leiter des Stadtbauamts klar. Es seien nicht zuletzt die Forderungen von Harms' Investor gewesen, welche den Masterplan verzögert haben. Zu den Quartierplänen meint Hofer: «Wir haben Harms einen Quartierplan für seine Parzelle in Aussicht gestellt.» Harms könne also unabhängig vom Gesamtkonzept und auf eigenes Risiko die angrenzenden Nachbarn jetzt schon kontaktieren und mit ihnen verhandeln. Von den anderen Eigentümern spürt Hofer wenig Druck. «Es ist vor allem Harms, der stark pusht.»

Masterplan liegt im Entwurf vor

Der Masterplan liegt nun im Entwurf vor und soll in rund zwei Wochen den Grundeigentümern vorgestellt werden. Sind letztere mit dem Konzept einverstanden, geht es in den politischen Prozess. Wenn alles nach Plan laufe, sollte das offizielle Mitwirkungsverfahren im Herbst abgeschlossen sein, glaubt Hofer. Im November könnte der Masterplan bereits dem Einwohnerrat vorgelegt werden.

Ein Bauvorhaben dieser Grösse werde aber vermutlich an die Bau- und Planungskommission überwiesen, was den Verlauf noch ein wenig verzögern könnte. «Mit dem Entscheid des Einwohnerrats dürften wir also erst im nächsten Jahr rechnen», bemerkt Hofer.

Bewusst aus dem Masterplan ausgegliedert wurde für den Moment die Ziegelhof-Arealplanung. Da es sich hierbei um ein komplexes Projekt handle und noch viele Fragen offen seien, habe man entschieden, es vorerst nicht einzubeziehen, erklärt Martin Hofer. «Der Masterplan hätte sich sonst nur noch weiter hinausgezögert.» Die Pläne der Stadt für das Ziegelhof-Areal hatten letzten Herbst beim Liestaler Gewerbe heftige Kritik ausgelöst (die bz berichtete). Grund: Das Siegerprojekt bei der Testplanung (siehe Update) erfülle nicht die Voraussetzungen für ein Einkaufszentrum innerhalb des Ziegelhof-Areals.