Abfall
Stadt Baden sagt dem Littering den Kampf an

Mittagessen an der Sonne: Hunderte Sandwichs, Kebabs und Pommes frites werden jeden Mittag in der Stadt Baden vertilgt. Zurück bleiben Papiertüten, Servietten und Essensreste. Jetzt greift die Stadt mit einer neuen Kampagne ein.

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Littering in Baden

Littering in Baden

Aargauer Zeitung

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Roman Schenkel

Den Hamburger in den Mund, die Verpackung auf den Boden. Achtlos, obwohl der Abfallkübel keine drei Meter von der Sitzbank entfernt ist. Ist ja egal, wer nachher aufräumt.

Aufräumen tut René Ryser, einer der 10 Mitarbeiter des Badener Werkhofs, die für den Strassenunterhalt zuständig sind. Nach dem Mittag macht er sich auf die Tour durch die Innenstadt und beseitigt die Überbleibsel des mittäglichen Gelages. Er leert die Abfallkübel und räumt den herumliegenden Dreck auf.

Auch weggeworfenes Essen

«Heute ist es noch heilig», sagt der Vierzigjährige, während er mit einer Greifzange Papiertüten und eine Bierbüchse aus dem Brunnen auf dem unteren Bahnhofplatz fischt. «Man kann es manchmal kaum glauben, was da alles liegen bleibt.»

Am schlimmsten sei es am Wochenende. «Besonders nach dem Zahltag.» Zigarettenstummel versucht er erst gar nicht einzusammeln – es sind zu viele. «Das wäre Sisyphusarbeit.» Ob es ihn frustriere, wenn ein Platz, den er am Morgen gereinigt habe, nach dem Mittag wieder voller Abfall sei? «Nein, Putzen ist mein Job, da bin ich ziemlich abgestumpft. Was mich aber ärgert, sind weggeworfene Esswaren.» Kaum gesagt, fischt er unter einer Sitzbank eine angebrochene Sandwichverpackung hervor. Der zweite Teil des Sandwichs ist nicht einmal angebissen. «Das meine ich», sagt Ryser und steckt das Sandwich in den schwarzen Abfallsack. «Mir geht die Arbeit nicht so schnell aus, in einer Stunde ist der Abfall wahrscheinlich wieder da», sagt er lakonisch.

500 Tonnen Abfall

500 Tonnen Abfall entsorgte der Werkhof im letzten Jahr aus dem öffentlichen Raum der Stadt Baden. «Das kostet die Allgemeinheit über 1 Million Franken», sagt Thomas Stirnemann, Leiter des Werkhofs. In Studien gehe man davon aus, dass rund 30 Prozent davon gelittert wird. «Das ergibt einen Betrag von 300000 Franken.»

Die Kosten seien das eine, so Stadtrat Roger Huber. «Es geht aber auch um das Stadtbild von Baden.» Mit einer Kampagne wolle der Stadtrat nun ein Zeichen gegen das Littering setzen. Klar könne man das Problem nicht von heute auf morgen lösen. Doch: «Wir wollen dem Treiben nicht ohnmächtig zusehen.»

Seit dieser Woche hängen in Baden drei verschiedene Plakatmotive, die die Leute auf das Litteringproblem hinweisen und auch warnen: «Littering wird von der Polizei mit einer Ordnungsbusse bestraft», so Huber. In der kommenden Woche werde die Polizei Abfallsünder besonders ins Visier nehmen.

Seit gestern sind zudem in Baden so genannte Littering-Botschafter unterwegs. «Diese sprechen die Leute an, verteilen Flyer und Taschenaschenbecher», erklärt Stadtrat Huber. Denn auch Zigaretten gehören nicht auf den Boden.

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