Urs Byland

«Gehört Staad noch zu Grenchen?» fragt Leserbriefschreiberin Elsbeth Sperisen aus Staad. Sie sei schwer enttäuscht, als sie davon hörte, dass der Rufbus Staad-Witmatt-Grenchen eingestellt werden soll (siehe letzte Seite). Elsbeth Sperisen ist nicht die Einzige, die von der drohenden Einstellung erfahren hat. Die Stadtkanzlei hat ebenfalls von einer anderen Staaderin einen Brief erhalten, in dem die Einstellung der Linie beklagt wird.

Schon vor zwei Jahren sah sich die Gemeinderatskommission (GRK) mit dem Antrag der Arbeitsgruppe öffentlicher Verkehr (AöV) konfrontiert. Diese forderte den Verzicht auf den Weiterbetrieb der Linie 13. Hintergrund für diese Forderung war, dass Bund und Kanton den Rufbus nicht mehr finanzieren wollten. «Bei 830 Fahrten im Jahr 2006 wurde der Rufbus von 1358 Personen benutzt. Jede Person wurde mit 10.41 pro Fahrt subventioniert, dies bei einem Fahrpreis von Fr. 2.50», erklärte damals BGU-Geschäftsleiter Hans-Rudolf Zumstein. Die Stadt sprang ein und übernahm das Defizit der Linie 13. Die GRK forderte aber im damaligen Beschluss einen Kostendeckungsgrad von mindestens 10 Prozent.

In der Zwischenzeit hat sich nicht viel verändert. Immerhin konnte der Rufbus seine Frequenz verbessern. Im Jahr 2007 waren es 1464 Fahrgäste, und im Jahr 2008 gab es eine unwesentliche Steigerung um 2,8 Prozent auf 1505 Fahrgäste. Die Hälfte der Einsteiger wurde im Eichholz, die andere Hälfte in Staad gezählt. Den von der GRK geforderte Kostendeckungsgrad von 10 Prozent zu erreichen, war demnach nie ein Problem. Im Jahr 2008 betrug dieser 19,24 Prozent. Die Linie 13 kostete 2008 laut Busbetrieb Grenchen und Umgebung (BGU) 16 400 Franken. Davon übernahm die Stadt 13 250 Franken.

Verlängerung ist abgelaufen

In diesem Jahr verlangte die GRK erneut einen Antrag von der AöV. Erneut empfahl die AöV den Verzicht auf die Linie 13. Grund: der laut AöV äusserst bescheidene Deckungsgrad von knapp 20 Prozent, der aus wirtschaftlicher Sicht nicht genüge. «Das hat sich in den letzten beiden Jahren nicht verändert», erklärt Theo Heiri, AöV-Präsident. Zudem verfüge Staad über kein touristisches Angebot. Eine Vermarktung der Linie 13 sei deshalb sehr schwierig und damit höhere Frequenzen kaum zu erzielen. «Es liegt an der GRK, ob sie auf diesen Antrag eintreten will oder nicht. Das ist ein politischer Entscheid», so Heiri. Die AöV habe sich schon überlegt, wie Staad in den Busbetrieb einbezogen werden könnte. «Wir haben Testfahrten unternommen, aber es geht auf keine Art und Weise. Entweder fehlt die Zeit oder es müssten unverhältnismässig teure bauliche Massnahmen ergriffen werden.»

In Staad regt sich derweil Widerstand. Gemeinderat Thomas Marti (CVP) aus Staad bedauert den Entscheid der GRK, in der seine Partei nicht vertreten ist. Er will sich für den Erhalt einsetzen. Und Leserbriefschreiberin Elsbeth Sperisen schreibt: «Es gibt noch Menschen ohne Auto.»