Nach 16 Jahren in Führungspositionen hat sich Christoph Gebel (58) zum Rücktritt aus der Geschäftsleitung von Schweizer Radio und Fernsehen entschieden und gibt Ende 2017 die Leitung der Abteilung Unterhaltung ab. Seine Nachfolge ist laut SRF noch nicht geregelt – die Stelle des Leiters Abteilung Unterhaltung wird intern und extern ausgeschrieben.

Herr Gebel, dem SRF fehlen erfolgreiche Unterhaltungsshows. Es wird Ihnen vorgeworfen, Sie hätten es nicht geschafft während Ihrer Amtszeit als Unterhaltungschef solche Programminhalte zu lancieren.

Christoph Gebel: Mich interessieren nicht einzelne Genres, mich interessiert das Gesamtangebot am Samstagabend bei SRF. Ein vielfältiger Mix, für alle etwas. Eine tolle TV-Produktion wie das «Basel Tattoo» vom letzten Samstag mit einem Marktanteil von 32 Prozent ist ebenso wichtig wie ein «Hello Again!», das Finale von «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» oder «Happy Day». In dem Sinne haben wir nie nach neuen Shows gesucht, sondern wollten möglichst den Geschmack des Publikums treffen und so den verschiedenen Ansprüchen gerecht werden. Dies scheint uns gelungen zu sein, ist doch der Marktanteil des Samstagabends seit Jahren stabil hoch bei rund 30 Prozent – allen Unkenrufen zum Trotz.

Welche von Ihnen konzipierten Projekte hinterlassen Sie Ihrer Nachfolge?

Ich mache selber keine neuen Konzepte, das machen meine Kolleginnen und Kollegen aus den Teams. Das Sendungsportefeuille und die Projektliste sind umfangreich, zu gegebener Zeit wird man davon erfahren.

Gute Formate brauchen starke Präsentatoren und Präsentatorinnen, wer sind Ihrer Meinung nach beim SRF die Stars von morgen?

Wenn ich die ungebrochene Popularität von beispielsweise Nik Hartmann, Susanne Kunz, Sandra Studer, Roman Kilchsperger, Röbi Koller und Sven Epiney sehe, dann haben wir wahrlich tolle Aushängeschilder. Und mit Viola Tami, Kiki Mäder und Annina Campell ist es uns gelungen, neue weibliche Talente ins Team aufzunehmen.

In einem internen Papier hatten Sie einst weniger Swissness gefordert, das sei Teufelszeug und am Schweizer Fernsehen gebe es zu viele Kühe und Alpen im Programm. Was macht denn gute TV-Unterhaltung aus?

Gerne erkläre ich dies ein weiteres Mal: Dieses Zitat war aus dem Zusammenhang gerissen, ich habe in einer Strategiesitzung mehr Vielfalt in der Programmierung verlangt und nicht einfach «more of the same». Von mir aus wäre es ein zu leichter Weg gewesen, einfach alle Erfolgsformate möglichst ähnlich weiter zu treiben und nur mit dem Erfolg zu argumentieren. Wir haben diese Strategie auch 1:1 umgesetzt, die Vielfalt des Unterhaltungsangebotes ist heute grösser als vor ein paar Jahren.

Mit Formaten wie «Die Bachelorette» oder «Bauer, ledig, sucht…» hat Ihnen der Privatsender «3+» in den vergangenen Jahren den Rang abgelaufen. Was spricht gegen solche Sendungen beim SRF?

Es sind typische Inhalte fürs Privatfernsehen, inhaltlich und in der Umsetzung. Im Portefeuille des Service public ist kein Platz dafür.

Vor drei Jahren sorgten Sie mit Vergabe des Produktionsauftrages für die Sendung «Mini Beiz, dini Beiz» an die deutsche Firma ITV Studios Germany, bei Schweizer Produzenten für rote Köpfe. Würden Sie heute wieder so entscheiden?

Selbstverständlich, «Mini Beiz, dini Beiz» ist ein Erfolgsformat mit tollem Rückhalt beim Publikum.

Auf was sind Sie rückblickend besonders stolz?

Dass ich in den vielen Jahren hier im Hause meine Gelassenheit voll und ganz habe bewahren können.