Sulz
Spektakulärer Fund: Archäologen legen Wohngebäude aus der Spätbronzezeit frei

Die Kantonsarchäologie Aargau hat in Sulz einen Siedlungsplatz aus der Spätbronzezeit (ca. 1000 v. Chr.) entdeckt. Es handelt sich um ein fast vollständiges Wohngebäude. Bisher waren im Aargau aus diesem Zeitraum kaum Baustrukturen bekannt.

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Fund aus der Spätbronzezeit
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Fund aus der Spätbronzezeit: Verzierte Keramik
Fund aus der Spätbronzezeit: Bronzenadel

Fund aus der Spätbronzezeit

In einer Baugrube eines Neubaus im Dorfteil Bütz-Breite in Sulz fanden die Archäologen im Herbst 2009 eine Brandschicht mit reichlich bronzezeitlichen Gegenständen, teilt das Departement für Bildung, Kultur und Sport mit. Die Gegenstände wiesen darauf hin, dass Siedlungen aus dieser Zeit vorhanden sein könnten.

Bauzeugnisse aus der Zeit um 1000 v. Chr.

Die Archäologen konnten darauf folgend ein fast vollständiges Gebäude freilegen. Es handelt sich um einen für ländliche Siedlungen typischen Pfostenbau, der mit fünf Metern Breite und über zehn Metern Länge zu den Grossbauten der Spätbronzezeit gehört. Zahlreiche Stücke von Alltagsgeschirr innerhalb dieses Gebäudes deuten darauf hin, dass es als Wohngebäude genutzt wurde.

Das Ende kam mit dem Feuer

Der Pfostenbau wurde durch einen Brand zerstört, heisst es in der Mitteilung weiter. Ob sich das Feuer auf die ganze Siedlung erstreckt hatte und die Bewohner deswegen auszogen, kann noch nicht gesagt werden. Eine weitere Brandschicht mit spätbronzezeitlichem Fundmaterial, fünfzig Meter von der Grabungsstätte entfernt, könnte auf ein grossflächiges Feuer hindeuten. Diese Schicht zeigt aber auch, dass die Siedlung recht gross war.

Alltagsgeschirr und symbolhafte Geräte

Das Fundmaterial besteht vorwiegend aus Bruchstücken von Alltagsgeschirr. Es handelt sich hauptsächlich um unverzierte Töpfe von grober Qualität sowie um feintonige Schalen, Teller und Becher, zum Teil mit recht- oder dreieckigem Dekormuster in Ritztechnik verziert. Die Keramikfunde datieren aus dem zehnten Jahrhundert vor Christus.

Bemerkenswert ist das Bruchstück eines verzierten, hornförmigen Tonobjekts, ein so genanntes Mondhorn. Die Funktion dieses Objekts wird mit Vorbehalt im kultisch-religiösen Bereich vermutet. Objekte dieser Art werden aber auch als Feuerböcke gedeutet.

Um diese ersten Erkenntnisse ergänzen zu können, will die Kantonsarchäologie die zukünftigen Bauvorhaben im Umkreis der Grabungsstätte begleiten. Selbst die Beobachtung von kleinen Bodeneingriffen könne wertvolle Hinweise über die Entwicklungsgeschichte des Dorfteils Bütz liefern. (dge)