Street Parade
Speed, Extasy und Co.: Wenn die Party plötzlich zum Höllentrip wird

Speed ist am Kommen. Eine 31-jährige Festivalbesucherin erinnert sich an ein böses Erwachen. Das wird an der Street Parade am Sonntag aber kaum jemanden davon abhalten, die eine oder andere Pille zu spicken oder Linie zu ziehen.

Daniel Fuchs
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Bewusstseinserweiternd, euphorisierend oder leistungssteigernd – viele greifen an der Street Parade zum ersten Mal zur Partydroge.

Bewusstseinserweiternd, euphorisierend oder leistungssteigernd – viele greifen an der Street Parade zum ersten Mal zur Partydroge.

Keystone

«Ich war schon immer sehr neugierig», erklärt Marion N.* aus Bern. Die 31-Jährige erinnert sich, wie Partydrogen in ihrem Freundeskreis die Runde machten, wie darüber diskutiert wurde. Und, wie der Reiz, es selber auszuprobieren, stärker und stärker wurde. Dann stand vor drei Wochen das Gurtenfestival vor der Tür. Ausnahmezustand: vier Tage laute Musik, viel Alkohol.

Ein hoher Rhythmus, wenig Schlaf. Vier Tage Ekstase. «Auf dem Gurten werde ich sicher nichts spicken», sagte N. noch zu einem Freund. Nur wenige Stunden später steckte sie den Finger ins gereichte Plastiktütchen mit dem gelblich-weissen Pulver und schleckte ihn ab. Danach feierte sie mit ihren Freunden bis weit in den nächsten Tag. Über die Wirkung des Speed-Pulvers - meist ist das stimulierende und euphorisierende Amphetamin mit Koffein gestreckt - weiss N. nicht mehr viel. Vom Festivalwochenende blieben nur Gedächtnisbrocken.

Drei Nächte ohne Schlaf

Den zünftigen Kater am Freitag spülte N. mit viel Bier weg. Intensiv ging es bis Sonntag weiter, als auf dem Gurten die letzten Bässe verstummten. N. war völlig übernächtigt, trotzdem konnte sie nicht schlafen. Dafür kreisten ihre Gedanken. Auch tags darauf war N. nicht müde. Sie war aufgedreht und ging trotz Schmerzen in der Brust in der Aare schwimmen. In der darauffolgenden Nacht noch immer kein Schlaf.

N. begann, sich Sorgen zu machen. Sie googelte nach den Nebenwirkungen von Speed: Schlaflosigkeit, erhöhter Puls. Es war eben doch das Pülverchen, N. auf einem schlechten Trip. Dass sie Speed nicht nur unter dem Einfluss von Alkohol, sondern auch von Antidepressiva ausprobiert hatte, die sie seit einigen Monaten zu sich nahm, machte die Sache nicht besser. N. war am Ende. Sie rief bei der Berner Drogenfachstelle an und liess sich gleichentags medizinisch untersuchen. N. hatte Glück. Es geht ihr wieder gut.

Lässt sie es nun sein? N.'s Neugier ist nicht gestillt. «Speed war einfach nichts für mich», sagt sie, «gut möglich, dass ich in einem geeigneten Rahmen Ecstasy ausprobieren werde.»

Drogenlabors an der Street Parade

Auch an der Street Parade, die morgen in Zürich steigt, werden unzählige Partygänger zum ersten Mal eine Pille spicken oder eine Linie ziehen. Das, obwohl Streetwork Zürich ausdrücklich warnt: Grossveranstaltungen seien für derartige Experimente ungeeignet. Auch dieses Jahr haben die Fachleute Warnungen über aufgetauchte Pillen ausgesprochen, die entweder zu hoch konzentriert oder mit gefährlichen Substanzen gestreckt sind.

Im Gegensatz zum Gurten sind die Streetwork-Berater morgen mit zwei Informationsständen vor Ort. Wer illegale Drogen konsumieren will, kann die Substanzen zuvor analysieren lassen. Das Angebot trifft seit 2002 auf steigende Nachfrage und ist Teil der Drogenpolitik, in der es neben Prävention, Repression und Therapie auch um schadensmindernde Massnahmen geht. Denn, wie das Beispiel N. zeigt: Neugierde, die Freunde, der Reiz, länger durchzuhalten - Partydrogen wie Speed prägen nicht nur das Bild der Raver ums Zürcher Seebecken. Sie gehören ebenso an Festivals wie dem Gurten zur Realität.

* Name von der Redaktion geändert

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