Spaziergang unter dem Rhein

An den Basler Umwelttagen präsentieren sich viele Stellen und Organisationen mit Ständen und Veranstaltungen. Eine einmalige Erfahrung bietet die Stadtentwässerung mit der Dükerwanderung an: Ein Spaziergang unter dem Rhein.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Toprak Verguz

«Herzlich willkommen», strahlt Burkard Hagspiel mit den Sonnenstrahlen eines schönen Junitages um die Wette, als er die Tür zu einem fensterlosen Betonbau aufstösst. Der Leiter der Stadtentwässerung bittet in den Wettsteindüker. Ein Düker: Die geschlossene Unterführung einer Leitung um ein Hindernis. Zwei solche Düker unter dem Rhein betreibt die kantonale Stadtentwässerung. Dort fallen die Abwässer auf Grossbasler Seite zwanzig Meter in die Tiefe, unterqueren den Rhein, und steigen dann auf Kleinbasler Seite zwanzig Meter wieder hoch, wo sie letztlich zur Reinigungsanlage Kleinhüningen geführt werden.

Einer dieser Düker, jener bei der Wettsteinbrücke, wurde rechtzeitig auf die Basler Umwelttage für kurze Zeit ausser Betrieb genommen. Dort, wo sonst das Abwasser der Stadt Basel und einiger Vororte fliesst, können heute (16 bis 20 Uhr) und morgen Samstag (10 bis 18 Uhr) die Besucher trockenen Fusses den Rhein unterqueren.

Basler Umwelttage von heute und morgen

Die Dükerwanderung ist einer der Höhepunkte unter den über 50 Veranstaltungen und Ständen, die an den Umwelttagen teilnehmen. Im Bereich der Kaserne dreht sich vieles um die Mobilität: dort werden Alternativen wie Elektro- und Solarantriebe sowie das Prinzip des CarSharings präsentiert. Lufthygiene wird ebenfalls behandelt.

Am Rheinbord auf Kleinbasler Seite geht es vorwiegend um Artenschutz und Wasserschutz. Auf dem Marktplatz organisiert das Amt für Umwelt und Energie eine Grundwasserbohrung.

Auf dem Barfüsserplatz steht die Abfallproblematik im Zentrum des Geschehens. Aus dem dort aufgebauten Labyrinth findet nur derjenige den Weg, der die Fragen zu Abfall und Kompost richtig beantwortet. Diverse weitere Veranstaltungen sind über die Stadt verteilt.

www.umwelttage-basel.ch

Nur: Wer möchte an einem sonnigen Tag in die dunkle Tiefe steigen? Dorthin, wo ein Tunnel lediglich zwei Meter Durchmesser bietet. Wo sich acht Meter Gestein des Rheinbetts und dazu das Wasser des Flusses über dem Kopf befinden.

«Wie in einem U-Boot»

Dass der Düker überhaupt betreten werden kann, ist genau diesem schönen Wetter zu verdanken. «Sollte es regnen, kommen hier die Abwässer durch», erklärt Hagspiel, «ansonsten müssten wir sie in den Rhein leiten.» Der 200 Meter-Spaziergang unter Tage hat also Seltenheitswert. Dass der Düker trocken ist, kommt nämlich nicht oft vor. Erst recht, dass er tadellos sauber ist.

«Um den Düker für die Besucher herzurichten, waren zehn Leute vier Tage lang damit beschäftigt, ihn zu putzen», sagt Beat Rieder, Leiter des Kanalisationsbetriebs. Mit dem Entfernen der Abwasserreste ist es nicht getan: Heute, wenn die Besucher kommen, soll auch die empfindlichste Nase den Gang durch den Tunnel wagen können. Deshalb wird der Düker durchlüftet, dazu kommt eine Beleuchtung im Tunnel. Acht Personen werden vor Ort dafür sorgen, dass niemand Probleme mit der Enge bekommt.

Wer die Unterquerung des Rheins wagt, den erwartet ein Erlebnis: Der Besucher steigt auf einer Seite des Flusses in die Tiefe ab, läuft durch den Düker und steigt auf der anderen Seite ans Tageslicht auf. «Wenn es ganz still ist, kann man die Schiffe über uns hören», sagt Hagspiel, als er durch den Düker stapft, «es ist wie in einem U-Boot.»

Man mache gerne bei den Umwelttagen mit, obwohl die Stadtentwässerung nicht im herkömmlichen Sinne mit Umweltschutz etwas zu tun habe. Hagspiel ist vorsichtig mit seinen Erwartungen an die zwei Tage dauernde Veranstaltung: «Das Interesse für die Stadtentwässerung ist eher bescheiden.» Solange sie gut funktioniere, werde sie kaum wahrgenommen, zumal die Leitungen unterhalb des Bodens und deshalb nicht sichtbar seien. Die Umwelttage und der Düker geben Gelegenheit, das Interesse der Bevölkerung zu wecken.