Katharina Arni-Howald

Wer hätte gedacht, dass es auf dem Weg vom Bürgerspital durchs Lerchenfeld bis in den Solothurner Stadtwald einen derartigen Reichtum an Wildpflanzen und Kräutern gibt? Denn wie oft gehen wir achtlos durch die Gegend und sind uns des Reichtums am Wegrand nicht bewusst, müssen sich wohl einige der über 60 Teilnehmer gefragt haben, während Georges Zeller und Anton Löffel sich nur zu bücken brauchten, um zu beweisen, dass gegen alles und jedes ein Kraut gewachsen ist, wenn man sich nur darum kümmern würde.

Da stand bereits nach den ersten Schritten der stark verästelte dornige Sanddornstrauch mit den orangeroten, vitaminreichen Beeren, mit denen sich, wie Georges Zeller nebenbei nachschob, wunderbare Desserts herstellen lassen. «In der Nähe muss ein Männchen stehen, damit das Weibchen Früchte tragen kann», liess Anton Löffel seinen Blick durch die stark bewachsene Hecke streifen und wurde rasch fündig.

Es geht auch ohne «Tamiflu»

Gleich nach dieser Entdeckung fiel der Blick in die Höhe auf eine gut 30 Meter hohe, stolze Linde. «Lindenblüten riechen und schmecken angenehm aromatisch und gehören in jeden Haushalt», liess Löffel die wissbegierigen Sonntagsspaziergänger wissen und fügte lächelnd hinzu: «Es muss nicht unbedingt Tamiflu sein.» Eine Vitaminspenderin par excellence sei auch die Hagebutte, waren sich die beiden Drogisten einig. Nicht zu verachten auch der in bester Nachbarschaft stehende Weissdorn - mit seiner blutdruckregulierenden Wirkung als Herzstärker bekannt.

Gerühmt wurde von den beiden Experten aber auch der Schwarzdorn: «Alle dunklen Beeren haben eine gefässschützende Wirkung, das bezieht sich auch auf das tägliche Gläschen Wein», überzeugte Löffel die aufhorchende Schar.

Breitwegerich im Ohr

Bei der Feststellung, dass ein zerdrücktes Blatt des Breitwegerichs auf einen Insektenstich gelegt, Schwellung und Juckreiz lindert, wurde zwar vielenorts eifrig genickt, - wer aber wusste, dass wenn man die Nervenfasern der Blätter herauslöst und mit einem Finger zusammenrollt, Ohrenschmerzen gelindert werden? Und wer schon hatte eine Ahnung, weshalb es während der HESO auf der Baselstrasse so glitschig ist? «Die Rosskastanien enthalten Saponine, die in wässriger Lösung Schaum bilden», überraschte Löffel die staunenden Zuhörer.

Dann rühmten die beiden noch den Roten Klee, der bei Wechseljahrbeschwerden hilft; den Huflattich, der zähen Hustenschleim löst; das kleinblütigen Heidenröschen, das Prostataleiden mildert; den vielseitig verwendbaren Löwenzahn und die so oft verschmähte, blutreinigende Brennnessel. Und schliesslich natürlich die Orakelpflanzen, zu denen das Gänseblümchen und die Margerite gehören. «Er liebt mich von Herzen, mit Schmerzen, ganz viel, ein bisschen oder gar nicht?» Klar ist eines: Der sonntägliche Bummel hat das Ziel erreicht, den Teilnehmenden aufzuzeigen, dass die Natur eine prallgefüllte Apotheke ist - und voller Wunder, die am Wegrand darauf warten, entdeckt zu werden.