Zelle

Spartanische Nacht für 950 Franken

Nüchtern Ausnüchterungszelle. EQ

Zelle in Urania Zürich

Nüchtern Ausnüchterungszelle. EQ

Sich in Zürich bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken, kann künftig teuer werden - und unbequem. Die Stadtpolizei Zürich eröffnet eine zentrale Ausnüchterungsstelle (ZAS) in der Polizeiwache Urania. Ein Blick ins neue Ausnüchterungszentrum.

Oliver Steimann

Die Lifttür öffnet sich und gibt den Blick frei auf einen langen, schmalen Korridor. Er wird gesäumt von grün gestrichenen Metalltüren, jede mit einem kleinen Fensterchen aus Panzerglas versehen. Dahinter verbergen sich die wohl kargsten «Gästezimmer» Zürichs: Die Zellen der neuen Zentralen Ausnüchterungsstelle (ZAS). Wer hier nächtigt, muss sich mit einer plastikbezogenen Schaumstoffmatraze und einer Kloschüssel begnügen.
Die Kundschaft für die ZAS, die im alten Zellentrakt der Polizeiwache Urania am Bahnhofquai eingerichtet wurde, umschreibt Stadträtin Esther Maurer als «willenlos Betrunkene und solche, die sich selbst, andere, Tiere oder Sachen gefährden, alkoholisierte Vandalen und randalierende Besucher von grossen Sportanlässen». Sie alle sollen in der ZAS ihren Rausch ausschlafen und wieder zur Besinnung kommen können. Zwar verfüge jede Regionalwache über eine Ausnüchterungszelle, so Maurer. Hier jedoch könnten die Betrunkenen von medizinisch geschultem Personal überwacht und betreut werden. «Damit können wir auch die Notfallaufnahmen der Spitäler entlasten», so Gesundheitsvorsteher Robert Neukomm. Treten Probleme auf, können Klienten auch aus der ZAS kurzfristig in ein Spital gebracht werden.

Besetzt ist die Stelle jeweils von Freitag, 22 Uhr bis Sonntag um 15 Uhr mit einem polizeilichen Einsatzleiter, drei Sicherheitsangestellten der Firma Custodio und zwei Medizinern der Organisation JDMT Medical Services. «Wir werden im Sommer Bilanz ziehen um zu sehen, ob dieser Bestand ausreicht», erklärt Projektleiter Beat Käch. Die Kosten beziffert er mit rund 950000 Franken pro Jahr. Davon soll ein grosser Teil den Kunden in Rechnung gestellt werden: Bis zu drei Stunden kostet der Aufenthalt 600, über drei Stunden 950 Franken. Käch rechnet im ersten Jahr mit rund 200 Kurzaufenthaltern und 400 Langzeitkunden. «Da wir nur die Sicherheitskosten weiterverrechnen können, bleibt der Stadt ein Defizit von 350000 Franken.»

Eltern müssen Kinder abholen

Landen Minderjährige in der ZAS, werden deren Eltern kontaktiert und aufgefordert, ihre Kinder abzuholen. Bei dieser Gelegenheit versuche man mit den Eltern ins Gespräch zu kommen und ihnen Kontakte zu Beratungsstellen zu vermitteln. Da in die Ausnüchterungsstelle auch betrunkene Straftäter eingeliefert werden, ist man für schwierige Fälle gerüstet. Die Zellen sind vandalensicher und werden alle rund um die Uhr mit Kameras überwacht. aut Käch handelt es sich um eine «schweizweit einzigartige Institution». Das Projekt läuft vorerst als einjähriger Pilotversuch. Mittelfristig soll die ZAS mit dem Vermittlungs- und Rückführungszentrum zusammengelegt werden - hierfür sucht die Stadt aber noch passende Räume. ZAS wird kommenden Freitag eröffnet.

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