Martin Reichlin

«Zürich ist gebaut», soll Ursula Koch 1986 verkündet haben. Mochte die langjährige Vorsteherin des Hochbaudepartements ihr Urteil in Anbetracht eines faktischen Baustopps Mitte der 80er-Jahre nicht ganz zu Unrecht gefällt haben, ist die Situation heute eine völlig andere.

Seit der Einführung der neuen Bau- und Zonenordung (1992), der Einberufung des Stadtforums (1996) sowie dem Start zur grossflächigen Umgestaltungen der ehemaligen Industrieareale in Zürich West, in der Enge und in Oerlikon (1998), erlebt die Stadt einen Bauboom, der manchen Bewohner wieder von «Koch'schen Zeiten» träumen lässt.

Raum und offene Strukturen

Moderne Architektur hat im Stadtzentrum, dort wo Zürich historisch gewachsen und eben «gebaut» ist, allerdings nach wie vor einen schweren Stand, wie die Reibereien um Kongresshaus, Kaserne und Kunsthauserweiterung beweisen. Spannendes entsteht vor allem in den äusseren Quartieren, wie zuletzt etwa das viel gepriesene Schulhaus im Leutschenbach von Architekt Christian Kerez.

Regula Iseli, Leiterin Architektonische Beratung der Stadt Zürich, kennt mehrere Gründe für dieses Phänomen: «Einerseits findet man abseits des Zentrums mehr Platz, dafür weniger definierte Strukturen. Das gibt den Architekten und Bauherren Raum für Pionierarbeit. Andererseits sind heute auch private Auftraggeber bereit, für ihre Bauvorhaben Architekturwettbewerbe auszuschreiben.»

Sowohl der «Prime Tower» auf dem Maag-Areal als auch die Wohnanlage «Vista Verde» oder die Wohn- und Geschäftsüberbauung «James» in Altstetten seien aus Wettbewerben hervorgegangen. Schliesslich fördere die Stadt selbst mit Städtebaukonzepten, Zonenplänen und Sondervorschriften das entstehen spannender Bauten.

Architektur-Runde

Wer in Zürich auf der Suche nach Modernem ist, bewegt sich also mit Vorteil abseits des Zentrums. Auf den Bildern einige Stationen, für eine kleine Rundfahrt.