Soziale Arbeit am Buffet

Dennis Clarisse arbeitet seit bald zwei Jahren im Restaurant Roter Turm, nun sogar im Service. Er ist eine von 23 Personen mit Leistungsbeeinträchtigung, die im «Roten Turm» in Baden beschäftigt werden. Ziel ist, sie auf den freien Arbeitsmarkt vorzubereiten.

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Marlen Lüscher

Marlen Lüscher

Stadtanzeiger Baden

Carolin Frei

«Vor bald zwei Jahren habe ich im Officebereich angefangen, danach am Buffet gearbeitet, mit dem Ziel vor Augen, irgendwann im Service tätig zu sein. Das habe ich nun geschafft», sagt der 38-jährige Dennis Clarisse nicht ohne Stolz. Er habe diese Auszeit - weg vom Alltag, der Routine - einfach gebraucht.

«Für mich war dieser Wechsel in die Gastronomie ein kleines Erlebnis. Die Arbeit im «Roten Turm» ist abwechslungsreich und gibt einem eine Perspektive, um sich neu zu orientieren. Ich habe eine Chance bekommen, andere Erfahrungen zu sammeln und die auch mitzunehmen.» Dennis Clarisse wird noch so lange im «Roten Turm» bleiben, bis für ihn auf seinem erlernten Beruf als Elektriker irgendwo wieder ein Türchen aufgeht.

«Wir sind darauf spezialisiert, psychisch kranke Menschen in den Berufsalltag zurückzuführen», sagt Geschäftsführerin des «Roten Turms» und angehende Arbeitsagogin Marlen Lüscher. «Es sind jedoch nicht nur psychisch Kranke, die von unserem Angebot profitieren, sondern auch Menschen, die mit Stress und Druck nicht umgehen können, denen es Mühe bereitet, sich zu konzentrieren, die Lernschwierigkeiten haben, oder solche, die körperlich leicht beeinträchtigt sind.»

Im «Roten Turm» stehen für all diese Menschen geschützte Arbeitsplätze zur Verfügung. Ziel ist, ihnen einen Tagesablauf, eine soziale Struktur zu geben. Mit diesem Rüstzeug im Gepäck sollen ihre Chancen auf dem freien Arbeitsmarkt verbessert werden. Wie lange jemand im «Roten Turm» bleibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Tatsache ist jedoch, dass niemand unter Druck gesetzt wird, um anderweitig Arbeit zu suchen.

Marlen Lüscher schätzt an ihrer Tätigkeit, dass sie Wissen weitergeben kann und miterleben darf, wie Menschen, die gerade eine schwierige Zeit durchmachen, aufblühen können. Natürlich ist der Gastronomiealltag im «Roten Turm» nicht nur von eitel Freude geprägt. Wenn ein Mitarbeiter sich psychisch nicht stabil fühlt, müssen das die neun Fachangestellten auffangen. «Damit müssen wir immer wieder mal rechnen und sind deshalb für solche Überraschungen gewappnet.»

Zu Marlen Lüschers Aufgabenbereich gehören auch Abklärungen für die Invalidenversicherung. Bei diesen Tests kristallisiert sich zum Beispiel heraus, in welche Richtung eine geeignete Weiterbildung gehen könnte. Fachkundige Unterstützung bekommt Marlen Lüscher von Sozialarbeitern und Psychologen. Trägerin des «Roten Turms» ist die Stiftung Pegasus in Aarau, die sich der Eingliederung psychisch kranker Menschen verschrieben hat.

Der «Rote Turm» wird umgebaut. Ab 18. Januar laden ein renovierter Buffetbereich sowie neu eine Take-Away-Vitrine zum Geniessen und Verweilen ein. www.restaurant-roterturm.ch