Sonnenschein statt Grabenkämpfe

Endspurt: Innen funktioniert der «Adler» schon seit drei Monaten ohne grössere Probleme – aussen wird nun ersichtlich, dass die Vorstadt in ihrem «Zentrum» ein neues Bijou erhalten hat. (Oliver menge)

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Endspurt: Innen funktioniert der «Adler» schon seit drei Monaten ohne grössere Probleme – aussen wird nun ersichtlich, dass die Vorstadt in ihrem «Zentrum» ein neues Bijou erhalten hat. (Oliver menge)

Seit gut hundert Tagen ist der «Adler» mit der kombinierten Gassenküche/Drogenanlaufstelle in Betrieb, die Auswirkungen auf den Amthausplatz sind mehr als augenfällig – die Auswirkungen auf die Vorstadt umso weniger.

Regula Bättig

Über Sinn und Unsinn des Projekts Adler mag man geteilter Meinung sein. Doch der Effekt, den die Eröffnung des «Adlers» auf den Amthausplatz hatte, ist augenfällig: Die Alki-Szene, die das Bild während lange Zeit geprägt hatte, ist weg. Die Buswartehäuschen werden allenfalls von wartenden Bus-Passagieren belagert.

«Ziel erreicht», stellt Peter Fedeli, Kommandant der Stadtpolizei Solothurn, fest. Nicht ganz ohne Zutun allerdings. «Es war allen Beteiligten klar, dass wir die frühere Situation am Amthausplatz nicht mehr dulden, wenn der ‹Adler› erst einmal eröffnet ist.» Auch jenen, die am Amthausplatz nicht mehr erwünscht waren, betont Fedeli. Schon im Vorfeld der «Adler»-Eröffnung seien daher entsprechende Flugblätter verteilt worden - am Amthausplatz selber, am ehemaligen Standort der Gassenküche und auch bei der «Perspektive».

Keine Toleranz am Amthausplatz

«Entsprechend energisch haben wir in den ersten Tagen nach der Eröffnung am Amthausplatz

durchgegriffen», sagt Fedeli. Doch obwohl die Stadtpolizei den Wegweisungsartikel hätte nutzen können, kam dieser nicht zum Einsatz. «Die mündlichen Hinweise haben gereicht.» So ist es denn auch kein Wunder wenn Fedeli zusammenfassend sagt: «Es klappt sehr gut - sowohl in der Vorstadt wie oben am Amthausplatz.»

Das neue Angebot wird rege genutzt

Auch Roberto Zanetti, Geschäftsführer des Vereins Perspektive, Betreiber des «Adlers», zeigt sich nach den ersten hundert Betriebstagen zufrieden. «Sehr sogar», wie er bekräftigt. Denn in der neuen Gassenküche werden täglich rund 50 Mittagessen bezogen, 15 bis 20 Personen täglich nutzen das Angebot des Abend-Imbisses. «Und tagsüber herrscht ein Kommen und Gehen, aber 15 bis 20 Leute sind eigentlich immer da.»

Die Drogenanlaufstelle werde von rund 50 Personen im Tag genutzt. Zwar war Zanetti im April noch von rund 20 Personen ausgegangen, doch hatte er immer betont, dass die Zahlen in diesem Bereich stark schwanken können.

Ein Kränzchen für die Anwohner

Angesprochen auf die allgemeine Stimmung verteilt Zanetti viel Lob: An die Anwohner, weil diese trotz vehement geführter Opposition keinen Feldzug gegen den «Adler» führen. Das Verhalten sei sehr fair, sagt Zanetti. «Man sucht nicht bei allem und jedem die Schuld bei uns und unserer Kundschaft.» Lediglich zwei Reklamationen habe es seit Betriebsbeginn gegeben. «Banale Dinge», sagt Zanetti. In einem Fall sei es um herumliegende Zigarettenstummel gegangen, im anderen Fall um Velos, die in der Adlergasse abgestellt worden waren.

Das zweite Kränzchen windet Zanetti der Polizei. «Die Zusammenarbeit läuft exzellent», stellt er fest. Dass Peter Fedeli gemeinsam mit einer Polizistin die Gassenküche in ihrer Anfangsphase besucht und sich den Fragen - und auch der Kritik - der «Adler»-Klientel gestellt hatten, habe wesentlich dazu beigetragen. «Es hat bei beiden Seiten das Verständnis für die Situation des anderen gefördert.»

Das Gespräch ist auch Peter Fedeli in guter Erinnerung: «Wir konnten den meisten klar machen, dass wir sie nicht drangsalieren wollen, sondern dass dies eine der Aufgaben ist, die wir einfach zu auszuführen haben.» Dass am Amthausplatz während der Woche, die der «Adler» diesen Sommer geschlossen war, das altgewohnte Bild zu sehen war, ist für Fedeli ein deutliches Indiz für die Notwendigkeit des Betrieb. Leider sei man über die Betriebsferien nicht informiert gewesen. «Entsprechend überrascht waren wir, als plötzlich die Szene am Amthausplatz wieder auftauchte.» So kam der Wegweisungsartikel in zwei Fällen zum Einsatz. Mit dem Wissen, dass der «Adler» geschlossen sei, hätte man es vielleicht bei mündlichen Verweisen belassen, sagt Fedeli.

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