Sonderbar unklar

Procap ist im Fricktal nicht mehr vertreten. Die Sektion hat an der ordentlichen GV die Auflösung des Vereins beschlossen. Abgesprochen mit dem Zentralverband war das nicht. Viele Fragen sind offen.

Merken
Drucken
Teilen
procap.jpg

procap.jpg

Aargauer Zeitung

Andreas Krebs

«Wir wurden überrascht vom Beschluss», sagt Walter Kälin, Zentralpräsident von Procap. Sie seien erst Ende April, kurz vor der GV der Sektion Fricktal, darüber informiert worden, dass sich diese auflösen wolle. Die Begründung: Es fanden sich keine neuen Vorstandsmitglieder. Dies sei zunehmend schwierig, weiss Kälin: «Wahnsinnig schwierig. Aber nicht ein Problem allein von Procap. Das betrifft alle Vereine.»

Netzwerk für Menschen mit Handicap

In der Schweiz leben eine halbe Million Menschen mit Behinderung. Trotz ihrem Handicap sollen sie möglichst selbstständig und gleichberechtigt leben können - diese Vision verfolgt Procap. Dafür kämpft der gemeinnützige Verein auf allen politischen Ebenen. Ihren rund 20 000 Aktivmitgliedern bietet Procap Rechts- und andere Beratungen. Procap-Sport und Procap-Reisen sind spezialisiert auf Freizeitangebote für Menschen mit Handicap. In den regionalen Sektionen sind über tausend
freiwillige Helferinnen und Helfer engagiert. Als gemeinnütziger Verein ist Procap auf finanzielle Hilfe angewiesen. Rund 100 000 Spender unterstützen die Organisation regelmässig. (krea)

Lösung für Fricktaler finden

Dass es der Sektion Fricktal nicht rund läuft, war dem Zentralverband offenbar bewusst. «Wir haben mehrmals das Gespräch gesucht und unsere Hilfe angeboten», sagt der Zentralpräsident. Auch die Zusammenlegung mit Aarau oder Basel war im Gespräch, schon seit 2006. Die Tendenz gehe dahin, sagt Kälin: «Kleinere Sektionen werden zusammengelegt.»

Aufgaben der Sektionen sind Sozialberatung und Betreuung der Mitglieder. Dazu gehören das Organisieren von geselligen Anlässen wie Weihnachts- und Chlausfeiern, Jassabenden und Ausflügen.

Die Sektion Fricktal hatte 180 Mitglieder. Bis auf die wenigen, die an der GV teilgenommen haben, seien sie wohl noch nicht über die Auflösung ihres Vereins informiert, vermutet Kälin. «Wir müssen nun eine Lösung für die Behinderten im Fricktal finden.» Wahrscheinlich können sie sich der Sektion Aarau oder dem Sektionsverbund Nordwestschweiz anschliessen. Das müsse aber noch abgeklärt werden. Überhaupt: Es sind noch viele Fragen offen.

«Wir wollen keinen Streit», sagt Kälin. «Aber offene Fragen müssen wir klären.» Zum Beispiel, was mit dem Vermögen der Sektion Fricktal passiert. Es soll sich um rund 150 000 Franken handeln. «Verifizieren konnte ich das aber noch nicht.»

An der letzten GV der Sektion Fricktal wurde beschlossen, das Vermögen dem Verein zur Unterstützung für Menschen mit einer Behinderung im Fricktal zu vermachen (siehe Artikel rechts). Die Begründung: So bleibt das Geld im Fricktal.

Der Unterstützungsverein hätte im Gegenzug Aktivitäten wie Reisen, Weihnachtsfeier, Besuche für die ehemaligen Procap-Mitglieder übernommen. «Das wäre mit erheblichen Auslagen verbunden gewesen», betont der Präsident des Unterstützungsvereins, Alois Leuthard.

Geld bleibt im Fricktal

Rechtlich ist die Verschiebung des Geldes zu einem anderen Verein aber nicht möglich. Gemäss Zentralstatuten von Procap muss das Vermögen einer Sektion, die aufgelöst wurde, intern deponiert werden. Es ist zehn Jahre regionengebunden: Im Bedarfsfall muss es in der entsprechenden Region zur Verfügung gestellt werden.

Was mit dem Geld nun geschieht und was mit den ehemaligen Mitgliedern der Sektion Fricktal - darüber will der Zentralverband baldmöglichst informieren. Das wird aber noch dauern. Denn der ehemalige Präsident der Sektion Fricktal, Peter Räss, weilt derzeit noch im Ausland. Zu Hause erwartet ihn ein Brief des Zentralverbandes. In diesem wird er aufgefordert, Stellung zu den offenen Fragen zu nehmen.