Sommer bringt Burgdorf zum Schwingen

Patrick Sommer

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Patrick Sommer

Seit 100 Tagen leitet Patrick Sommer die Geschicke des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests 2013 in Burgdorf. Über den Ursprung dieses Grossanlasses und weshalb sie um die Sponsorengelder trotz der Krise nicht bangen müssen, darüber spricht er unter anderem im Interview.

A. Leuenberger / M. Cordeiro

Patrick Sommer, das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) findet ja erst 2013 statt. Bestimmt können Sie das Ganze nun gemütlich angehen.
Patrick Sommer: Gemütlich ist wohl der falsche Ausdruck. Tatsache ist, dass wir gegenüber den bisherigen OK's ein Jahr länger Zeit haben. Dies weil die Standortwahl um ein Jahr, auf auf vier Jahre vor dem Anlass vorverschoben wurde. Mit der Zeit wollen wir trotzdem haushälterisch umgehen und die ehrenamtlichen Helfer mehr entlasten.

Werfen wir einen Blick zurück: Am 8. März kehrten Sie eigens aus der Dominikanischen Republik zurück, um in Aeschi ob Spiez an der Vergabe des Esaf beizuwohnen. Weshalb?
Sommer: Ich wollte unbedingt dabei sein, weil ich vor meinem Aufbruch ins Ausland Ende 2007 bereits die Evaluation des Projekts geleitet hatte. Mein Aufenthalt in der Karibik hatte ich ohnehin beendet. Die Kandidatur übergab ich damals aufgrund der längeren Abwesenheit dem BDP-Stadtrat Francesco Rappa. Hätte statt Burgdorf Thun den Zuschlag erhalten, wäre ich wenige Tage darauf weiter Richtung Nepal gereist. Das Thema «Eidgenössisches» wäre damit für mich vorerst abgeschlossen gewesen.

Das ist ja glücklicherweise nun nicht der Fall. Stimmt es eigentlich, dass das Esaf in Burgdorf einer «Bier-Idee» in ihrem Freundeskreis entwachsen ist?
Sommer: Ja. An Pfingsten 2005 sassen Peter Hugi, Silvio Rüfenacht, Niklaus Gasser und ich, wir alle waren Mitglieder des damaligen OK's, nach dem Emmentalischen- und Oberaargauische Gauverbandsfest noch bei einem Bierchen beisammen. Ein Wort ergab das nächste bis zur Feststellung: «Ein Eidgenössisches wäre eigentlich auch für Burgdorf etwas?». Ich erinnere mich noch genau: Die Woche darauf bestellte ich beim Schwingerverband das Pflichtenheft und wenige Tage später nur studierten wir «im kleinen Gremium» bereits das Anforderungsprofil ...

... und so nahm also alles seinen Anfang. Womit haben Sie sich in den vergangenen 100 Tagen beschäftigt?
Sommer: Zuerst mussten die Rechtskörperschaften, sprich Vereine, gegründet werden, damit wir juristisch überhaupt handlungsfähig wurden. Am 26. Mai haben wir dem Eidgenössischen Schwingerverband den Steuerungsausschuss vorgestellt und das Pflichtenheft unterzeichnet. Darüberhinaus gab es auch viel Kleinarbeiten zu erledigen. Jedenfalls beginnen sich jetzt schon in meiner Wohnung die Ordner zu füllen.

In ihrer Wohnung? Hätten Sie nicht bereits ein Büro beziehen sollen?
Sommer: Gut Ding will Weile haben - wenn alles klappt, beziehe ich mein Büro Anfang August im Zentrum von Burgdorf.

Welchen Bezug haben Sie persönlich zum Schwingsport?
Sommer: In Bäriswil, wo ich aufwuchs, hatten wir einen absoluten Spitzenschwinger: Niklaus Gasser. Er war mein Idol und hat mich für den Sport begeistert. Als Jungschwinger bin ich dazugestossen und habe auch einige Erfolge erzielt. Später, bei den Aktiven war ich aufgrund meiner Statur eher benachteiligt. Nach einer Verletzung hörte ich auf und engagierte mich fortan nur noch administrativer Art.

Ihre jetzige Arbeit ist ein 100-Prozent-Job auf Zeit. Inwiefern bezahlt sich dieses Engagement für Sie aus?
Sommer: Mit dem Esaf verwirkliche ich mir ein «Träumli». Als gelehrter Banker war ich bisher kaum organisatorisch tätig. Insofern erweitert das Esaf meinen Horizont. Ausserdem war klar, dass die Organisation ein Arbeitsvolumen anhäufen würde, das ehrenamtlich nicht zu bewältigen ist. Wenn schon bezahltes Personal angestellt werden musste, weshalb sollte nicht ich als Esaf-Mitinitiant den Posten als Geschäftsführer übernehmen.

Als Esaf-Geschäftsführer können Sie sich auch als Manager einen Namen schaffen?
Sommer: (überlegt) Ein Name ist bekanntlich immer schneller dahin als aufgebaut. Insofern birgt das Unterfangen auch ein Risiko.

Und finanziell, rechnet sich das Engagement?
Sommer: Natürlich werde ich entlöhnt. In Zahlen schweige ich mich aber entsprechend der Schweizermentalität lieber aus. Ich kann deshalb nur so viel sagen: Mein Einkommen liegt nun tiefer als bei meinem Job als Geschäftsstellenleiter einer Bank.

Sind Sie eigentlich von der Stadt Burgdorf angestellt?
Sommer: Nein, vom OK. Die Stadt gewährte diesem ein Darlehen von 25 000 Franken zu marktüblichen Zinsen, solange noch keine Sponsorengelder eingetroffen sind.

Apropos Sponsoren - bereitet Ihnen die Wirtschaftskrise diesbezüglich Bauchschmerzen?
Sommer: Nein, nicht unbedingt. Die Finanzierung des rund 20 Millionen Franken teuren Anlasses haben wir auf drei gleich grosse Standbeine gestellt: Festwirtschaft, Ticketverkauf und Sponsoring. Auch wenn es paradox klingt: Um die Sponsorengelder müssen wir trotz Krise nicht bangen. Im Unterschied zu professionell ausgeübten Sportarten verkörpert der Schwingsport die traditionellen Werte perfekt und geniesst deshalb ein besonderes Ansehen. Dazu gehört auch, dass der Schwingsport nie kommerzialisiert wurde. Es ist das Ursprüngliche, das viele Sponsoren schätzen. Erste Kontakte haben uns einen starken Rückhalt spüren lassen. Und das stimmt uns zuversichtlich. Nichtsdestotrotz: Die Sponsorensuche müssen wir mit Respekt angehen.

Welche Herausforderungen stehen Ihnen sonst noch bevor?
Sommer: Den bis zu 120 OK-Mitgliedern die richtige Funktion zu übertragen wird eine der grössten Herausforderungen überhaupt sein. Da ist Menschenkenntnis gefragt. Ausserdem werden am Anlass selber bis zu 4000 freiwillige Helfer nötig sein. Die Idee hierzu ist, sämtliche Vereine des Emmentals und des angrenzenden Oberaargaus voraussichtlich im 2011 um Unterstützung anzufragen. Heutzutage ist dies aber keineswegs mehr selbstverständlich, schliesslich sind die Ressourcen der Vereine auch begrenzt. Damit sich ein solcher Einsatz auch für die Vereine lohnt, sollen sie - im Falle eines Reingewinns - entlöhnt werden.

Von wieviel sprechen Sie?
Sommer: 2007 in Aarau winkte beispielsweise im Voraus ein Stundenlohn von 7 Franken pro Stunde und Helfer. Nach ausgewiesenem Reingewinn waren es 14 Franken. Das kann ein rechter Batzen für eine Vereinskasse bedeuten. Und ein Eidgenössisches ohne Reingewinn - da müssen sie in der Geschichte weit zurückblättern. Apropos: Auch an die Zuschauer haben wir bereits gedacht.

Inwiefern?
Sommer: Die Schwingarena wird für rund 50 000 Zuschauer konzipiert sein. Die Plätze auf der Tribüne sind sehr begehrt. Für Personen ohne Mitgliedschaft bei einem Schwingklub ist es schwierig, an Tickets heranzukommen. Um auch ihnen eine Chance zu bieten, wollen wir einen Gönnerverein lancieren. Wer sich dort in der höchsten Kategorie von - sagen wir - 250 Franken beteiligt, sichert sich ein Vorkaufsrecht auf Tickets, was wiederum eine Win-Win-Situation bedeutet.

Ist das ein Novum?
Sommer: Zumindest ist mir eine ähnliche Idee von früheren Eidgenössischen nicht bekannt. Möglich, dass sie ein Produkt der verlängerten Organisationsphase ist - so bleibt uns Zeit zum Denken.

Bis 2013 wartet also noch einen Haufen Arbeit auf Sie. Was tun Sie, um trotz des vielen Schwingens nicht ins Rudern kommen?
Sommer: Mit einer Stunde Sport pro Tag versuche ich, mich mental und körperlich fit zu halten, selbst wenn es mit den Trainingseinheiten nicht immer klappen wird. Wer weiss? Vielleicht hat auch die Theaterwelt einmal wieder Platz. Doch vorerst will ich mich beim Esaf noch weiter einleben.

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