Solothurner Wohnungsmarkt funktioniert

Wer im Kanton Solothurn eine Wohnung mieten oder ein Haus kaufen will, hat die Qual der Wahl. Nur gerade zwei Kantone weisen eine höhere Leerwohnungsziffer auf. Allerdings sind die Unterschiede nach Gemeinden gewaltig.

Franz Schaible

Jede 60igste Wohnung im Kanton Solothurn steht leer. Zumindest war das am 1. Juni so, dem Stichtag zur Erhebung der Leerwohnungsziffer. Laut Bundesamt für Statistik beträgt diese Kennzahl für Solothurn 1,7 Prozent; sie liegt über dem landesweiten Mittel von 0,9 Prozent, und nur die Kantone Glarus und Jura weisen höhere Quoten auf. Insgesamt haben die 125 Solothurner Gemeinden dem Bundesamt bei einem Wohnungsbestand von 120 000 Einheiten deren 2013 als leer gemeldet.

Nach Lehrmeinung deutet eine Leerwohnungsziffer von 1,5 bis 2 Prozent auf einen funktionierenden Wohnungsmarkt hin. «Der Wohnungsmarkt im Kanton ist relativ entspannt», interpretiert Kantonsbaumeister Martin Kraus. Aber die Aussagekraft des Indikators ist wegen den unterschiedlichen Erhebungsmethoden umstritten. Die Zählungen erfolgen etwa durch die Post (keine Postzustellung), die Stromversorger (kein Strombezug) oder durch die Einwohnerkontrolle (Ab- und Anmeldungen).

Von Null bis 6,4 Prozent

Die Zahlen für die einzelnen Gemeinden sind sehr unterschiedlich. So weisen etwa die meisten Dörfer im Thal hohe Anteile von bis zu 6,4 Prozent (Aedermannsdorf) auf. Da spielt die geografische Lage mit. Denn die Distanz zum Arbeitsplatz spielt beim Wohnortentscheid eine wichtige Rolle. Biberist ist zwar sehr zentral gelegen , weist aber mit 5,1 Prozent die dritthöchste Quote im Kanton auf. «Mit Erstaunen» nimmt Bauverwalter Ueli Sterchi die Statistik zur Kenntnis. Er erklärt sich dies mit der Erhebungsmethode. Im Fall von Biberist liefere die Einwohnerkontrolle die Daten. Wenn sich nun per Stichtag 1. Juni viele Personen wegen Umzugs abmelden, würden deren Wohnungen als leer registriert, auch wenn sie bereits weitervermietet seien. Wenn die Quote von fünf Prozent real wäre, dann hätte Biberist aber ein Problem.

Im Gegensatz dazu weisen viele andere Gemeinden sehr tiefe (unter 1 Prozent) oder gar keine Leerstände an Wohnungen aus. Nebst Bucheggberger Dörfern sind dies auch Rohr bei Olten oder das steuergünstige Kammersrohr. Der Vergleich der drei Städte zeigt, dass es in Solothurn (0,6 Prozent) vor Olten (1,1) und Grenchen (1,9) am schwierigsten ist, eine Wohnung zu finden.

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