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Solothurner Kantonsrat wählt Abt zum Präsidenten

Diese Woche wird Hans Abt aus Dornach zum höchsten Solothurner gewählt. Der vertrauenswürdige CVP-Politiker ist erst seit 2005 im Kantonsrat und hat sich beruflich und politisch mit Verkehrsfragen befasst.

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Solothurner Zeitung

Jürg Jeanloz

Er sei ein Schwarzbube, aber im Herzen noch ein bisschen Freiämtler, gesteht lachend Hans Abt, der zukünftige Kantonsratspräsident von Solothurn. Nur ein Paar Steinwürfe von Bundesrätin Doris Leuthards Geburtsort Merenschwand liegt sein Bürgerort Rottenschwil. In Wohlen (AG) ist er aufgewachsen, wo er eine glückliche Jugend erlebt hat. Den typischen Freiämtler Dialekt, den er mit warmer und ruhiger Stimme spricht, hat er trotz 36 Jahren Schwarzbubenzeit nicht verloren. 16 Jahre war er im Gemeinderat von Dornach, davon 8 Vizepräsident und ein Jahr Präsident.

Allen zuhören

Ausgeglichen, zuvorkommend, loyal sind Markenzeichen, die auf den 66-jährigen CVP-Politiker unbedingt zutreffen. Er könne gut zuhören und sei gerne unter dem Volk, erklärt Hans Abt bescheiden. Auf die Frage, was ihn denn aus dem Häuschen bringe, nennt er Ungerechtigkeit. Er versuche immer, alle Meinungen zu berücksichtigen und sei stets offen für konstruktive Lösungen. Sein weitsichtiges Denken und seine Ausdauer, die beste Variante zu suchen, sind Abt in seinem Beruf zugute gekommen. Als diplomierter Vermessungsingenieur ausgebildet, hat er als Planer an Projekten wie der Südumfahrung von Basel oder dem Wisenbergtunnel gearbeitet. Die Verkehrsdrehscheibe Dornach-Arlesheim hat ihn als Insider nie losgelassen und seit 30 Jahren kämpft Abt für den SBB Doppelspurausbau zwischen Aesch und Delémont. Heute beschränken sich seine Einsätze auf befristete Beratungsmandate, im März 2010 soll damit endgültig Schluss sein.

Verärgert über die SVP

«Ich freue mich auf das Mandat des Kantonsratspräsidenten, habe davor aber auch grossen Respekt.» Eigentlich hätte dieses Mandat seinem CVP Parteikollegen Roland Fürst gehört, aber dieser hätte sich kurzfristig für den freigewordenen Sitz des Ständerats beworben und auf den Anspruch verzichtet. Ärgerlich an der ganzen Ständeratswahl sei die Tatsache, dass im zweiten Wahlgang die chancenlose SVP mit einem neuen Kandidaten antrete und damit einen bürgerlichen Kandidaten verhindere. Der sonst besonnene Hans Abt redet sich ins Feuer: «Die SVP hilft somit dem Sozialdemokraten Roberto Zanetti, den Ständeratssitz zu ergattern.» Abt ist mit Haut und Haar ein eingefleischter CVPler, aber nie stur oder dogmatisch.

Werbung fürs Schwarzbubenland

Als höchster Solothurner möchte Hans Abt im Kantonsrat wieder etwas mehr Disziplin und Ruhe einführen. «Ich werde streng sein und verlange auch die Einhaltung der Redezeiten», nimmt er sich vor. Das Schwarzbubenland

Der jüngste Präsident?

Der Solothurner Kantonsrat wird am 9. Dezember - aller Voraussicht nach - Hans Abt (66, CVP, Dornach) zu seinem Präsidenten für das Jahr 2010 wählen. Abt gehört dem Kantonsrat seit 2005 an. Der 61-jährige Claude Belart (FdP, Rickenbach) soll zum 1. Vizepräsidenten, der 27-jährige Christian Imark (SVP, Fehren) zum 2. Vizepräsidenten gewählt werden. Imark wäre in seinem Präsidentenjahr 30 Jahre alt und somit der jüngste Solothurner Parlamentspräsident seit 1900 - wenn nicht gar seit der Mediation 1803. (sff)

Privat hat Hans Abt eine 3.Welt-Gruppe ins Leben gerufen, die er mit Arbeit und persönlichen Mitteln unterstützt. So sei eine Zündholzfabrik in Lateinamerika finanziert worden und demnächst reise sein Sohn mit seiner Familie nach Namibia, um ein Entwicklungsprojekt des Bundes voranzutreiben. Ein Steckenpferd der besonderen Art ist die Pflege der 104 Rebstöcke im Klostergarten von Dornach. Trotz Präsidialjahr hofft er, mit seinem Kollegen weiterhin guten Kloster-Wein keltern zu können. Mit dem Feuerkommando am Historischen Dornacherschiessen muss er ein Jahr aussetzen, er wird an der Gedenkfeier persönlich präsent sein. «Meine Familie muss während meinem Präsidialjahr etwas zurückstecken», bedauert Abt. Dennoch möchte er möglichst viele Einladungen annehmen, um die Solothurnische Kultur und Bevölkerung noch besser kennen zu lernen.