Piccard
Solar Impulse zeigt, wie man es nicht machen soll

Erneut musste der Flug von Solar Impulse über den Pazifik wegen schlechtem Wetter verschoben werden. Es lässt sich nicht mehr schönreden: Das vermeintliche Wunderflugzeug ist ein Flop.

Peter Blunschi
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Solar Impulse auf der Weltumrundungs-Reise
19 Bilder
Solar Impulse auf dem Kalaeloa Airport in Hawaii
Solar Impulse in China
Glücklich nach der Landung: Pilot Andre Boschberg.
Von Maskat gehts weiter nach Indien.
Für Selfies Posieren mit Fans im Oman.
Solar Impulse 2 hebt in Abu Dhabi ab

Solar Impulse auf der Weltumrundungs-Reise

KEYSTONE/EPA FILE/SOLAR IMPULSE/JEAN REVILLARD/HANDOUT

Diesmal schien es zu klappen, endlich. In der Nacht auf Mittwoch (Ortszeit) sollte Solar Impulse 2 zur 7900 Kilometer langen «Königsetappe» vom japanischen Nagoya über den Pazifik nach Hawaii abheben. Pilot André Borschberg sass im Cockpit, der Solarflieger wurde zum Startplatz gerollt. Fünf Minuten vor dem Take-off kam die Hiobsbotschaft: Eine Regenfront bewegte sich weiter in Richtung Osten als erwartet. Einmal mehr hatte das Wetter einen Start verhindert.

Projektleiter Bertrand Piccard war der Frust im Videointerview anzusehen. «Das ist ein schlechter Moment für uns», meinte der Waadtländer. Er wusste, dass der neuste Fehlschlag ein Desaster ist für die mit enormem PR-Einsatz gehypte erste Weltumrundung mit einem Solarflugzeug. Doch eine Alternative gab es nicht: «Es ist besser, André verlässt das Cockpit in Nagoya, als in drei Tagen über dem Pazifik mit einem Fallschirm.»

Seit dem Start in Abu Dhabi am 9. März ist Solar Impulse nur wenige Tage in der Luft gewesen. Die meiste Zeit sass das Flugzeug am Boden fest, denn das Wetter erlaubte keinen Weiterflug. Geschlagene zwei Monate verbrachte die Crew in China. Am 31. Mai erfolgte in Nanjing der erste Start zum Pazifik-Flug, doch das Wetter zwang Borschberg zur ungeplanten Landung in Nagoya. 44 Stunden hatte er in der Luft verbracht, ein Rekord, doch das zählte wenig.

Die ständige Warterei scheint an den Nerven der Crew zu zerren, denn ihr läuft die Zeit davon. Eigentlich sollte die Weltumrundung bis Ende Juli oder Anfang August beendet sein, doch das wirkt illusorisch. Nach der Landung in Hawaii folgt ein weiterer Pazifik-Flug in die USA, dann die Überquerung des amerikanischen Kontinents und schliesslich der Flug über den Atlantik Richtung Nordafrika. Und das bei möglichst idealen Wetterbedingungen.

«Wir können es schaffen, aber es besteht das Risiko, dass wir es nicht rechtzeitig schaffen», sagte André Borschberg letzte Woche in einem Interview mit CNN. Mit dem Aufenthalt in China habe man die gesamte Zeitreserve aufgebraucht. Und nun werden die Tage wieder kürzer. Es komme der Zeitpunkt, an dem es nicht mehr genug Sonnenlicht gebe, um weiterfliegen zu können, räumte Borschberg ein. Bertrand Piccard bezeichnete in einem Interview mit den Zeitungen «24 Heures» und «Tribune de Genève» den 5. August als Stichtag. Danach sei kein Pazifik- oder Atlantiküberflug mehr möglich.

Was Kritiker seit langem behaupten, bewahrheitet sich nun: Solar Impulse 2 ist ein Wunderwerk der Technik, aber zu anfällig für den praktischen Gebrauch. Und als Konzept für die Zukunft taugt ein ausschliesslich mit Solarzellen betriebenes Flugzeug nicht. Solar Impulse demonstriere «die Grenzen der Photovoltaik so drastisch, wie es nur geht», schrieb Simon Aegerter, ehemaliger Direktor des Technorama Winterthur, in der «NZZ am Sonntag».

Aegerter ist ein Verfechter der Atomenergie, mit seiner Frau betreibt er den Blog KaltDuschenmitDoris, der die Energiewende von Bundesrätin Doris Leuthard aufs Korn nimmt. In der Sache aber hat er recht. Für die 17'000 Solarzellen braucht Solar Impulse eine grosse Tragfläche. Gleichzeitig musste das Flugzeug in Ultraleichtbauweise erstellt werden, um überhaupt in die Luft gehen zu können. Deshalb kann es nur von einer Person geflogen werden.

Ein sehr grosses und gleichzeitig sehr leichtes Flugzeug aber ist den Launen des Wetters ausgeliefert. Überspitzt gesagt kann es nur bei Windstille und wolkenlosem Himmel fliegen. Deshalb die Wartezeiten. Man muss sich fragen, ob der lange Flug nach Hawaii überhaupt möglich ist. Eine sechstägige Schönwetterperiode über dem Pazifik ist sehr viel verlangt. AufTwitter machen bereits böse Kommentare die Runde.

Bertrand Piccard hat sich verrannt. Sein Projekt Solar Impulse weist nicht den Weg in eine saubere Energiezukunft, sondern in eine Sackgasse – auch weil die Infrastruktur mit konventionellen Mitteln, also «normalen» Flugzeugen, transportiert werden muss. Piccard hätte besser auf ein weniger spektakuläres, dafür realistisches Konzept gesetzt, etwa ein Hybridflugzeug. Doch das liess der Stolz dieses Abkömmlings einer Erfinder- und Abenteurerdynastie wohl nicht zu.

Vielleicht klappt es am Ende doch, nicht nur mit dem Pazifik-Flug, sondern der gesamten Weltumrundung. Aber das kann dauern. André Borschberg deutete dies im CNN-Interview an: «Wenn wir dieses Jahr nicht ans Ziel kommen, dann nächstes Jahr. Das steht fest.»

Fragt sich nur, ob sich dann noch jemand dafür interessiert.