Attila Szenogrady

Ein äusserst seltener Anklagepunkt: Laut Staatsanwalt hat ein heute 31-jähriger Italiener aus dem Limmattal den Leichnam seiner Mutter verunehrt und sich damit der Störung des Totenfriedens schuldig gemacht. Tatort war das Kantonsspital Baden. Fest steht, dass der Angeschuldigte am vergangenen 27. März um 20.15 Uhr das Spital aufsuchte und in der Pathologie seine wenige Stunden zuvor verstorbene Mutter zweimal demonstrativ bespuckte. Hinzu kam, dass er am selben Abend seinen um sieben Jahre jüngeren Bruder und dessen Freundin sowie eine dritte Person telefonisch massiv mit dem Tode bedrohte.

Rache für verpfuschte Kindheit

Am Montag musste sich der Angeklagte vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Er gab alle Vorwürfe zu. Einerseits die Todesdrohungen gegen seinen Bruder, mit dem er nach einem heftigen Streit für immer abgeschlossen habe, sagte er.

Er gestand auch sein pietätloses Verhalten gegenüber seiner 1950 geborenen Mutter ein. Allerdings schob er die Schuld daran auf seine verstorbene Mama ab. So habe sie ihn während seiner Kindheit oft geschlagen, missbraucht und ausgenutzt, rechtfertigte er sein Vorgehen. Er habe sie dafür bis zum Schluss einfach gehasst.

Hass kommt teuer zu stehen

Der Hass kommt den mehrfach vorbestraften Leiter einer Lebensmittel-Filiale nun teuer zu stehen. Er soll mit 180 Tagessätzen zu 90 Franken eine unbedingte Geldstrafe von insgesamt 16 200 Franken sowie eine Busse von 400 Franken bezahlen. Nicht eingerechnet sind dabei die Gerichtskosten. Die Busse wäre kein Pappenstiel für den Täter, da dieser bereits hoch verschuldet ist. Allerdings sei er froh, dass er wenigstens sicher nicht ins Gefängnis müsse, erklärte er dem Einzelrichter zum Abschluss. Dieser wird sein Urteil demnächst in Zürich eröffnen.