Bätterkinden
Sogar Gemeinden schummeln beim Alter

Die Bätterkinder wollen 2011 grosse Feste feiern, auch dann, wenn es dazu eigentlich gar keinen Anlass gibt. Der vermeintliche 750. Geburtstag der Gemeinde fand nämlich bereits vor Jahren statt. Die Feier hätte bereits 1993 stattfinden sollen, die Gemeinde ist also älter als geglaubt.

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Bätterkinden

Solothurner Zeitung

Grosse Erwartungen haben die Bätterkinder wenn sie auf das Jahr 2011 blicken, denn: Seit fast drei Jahren befassen sich die Behörden mit dem grossen Jubiläum, dem 750. Geburtstag der Gemeinde. Vermeintlich, denn wie sich nun herausstellte, hätte diese Feier bereits 1993 stattfinden sollen.

Bätterkinden ist nämlich heute schon 766 Jahre alt. Wer hat das herausgefunden? Die Historiker. Wie ihre Recherchen ergaben wurde Bätterkinden nicht 1261, sondern bereits 1243 erstmals schriftlich erwähnt. «Wir feiern trotzdem», teilt die Gemeinde nun mit, und zwar «750 Jahre plus», ein ganzes Jahr lang.

Das Präsidium wechselt

So wird das Jahr 2011 für Bätterkinden auf jeden Fall etwas Besonderes. Seit dem Kreiselfest 2002 fand nämlich kein so grosser Anlass mehr in der Gemeinde statt. Bereits dieses Jahr hat sich das zuständige OK an vier Sitzungen intensiv mit dem Jubiläums und den möglichen Veranstaltungen befasst. Es ist vorgesehen, Bätterkinden mit verschiedenen Anlässen verteilt auf das ganze Jahr in den Vordergrund zu rücken (vgl Kasten). Ausserdem sind als Informationsträger rund ein Dutzend Jubiläumsschriften vorgesehen, in denen laufend und ausführlich über die aktuellen Veranstaltungen berichtet werden soll.

Die Publikation der ersten Ausgabe ist für Sommer 2010 vorgesehen.
Durch den Rücktritt von Rosmarie Habegger-Scheidegger als Gemeindepräsidentin per Ende Jahr ergibt sich zudem für die Organisation der Jubiläumsfeier eine neue Situation: Da das OK-Präsidium mit dem Gemeindepräsidium verknüpft ist, wählte der Gemeinderat Linder Beat zum neuen General-OK-Präsidenten. Weil Rosmarie Habegger sich bereit erklärt hat, weiterhin mitzuwirken, wurde sie als Mitglied ins OK gewählt.

Gemäss Gemeinderatsbeschluss ist auch das Sekretariat durch die Gemeindeverwaltung zu führen. Auch der bisherige Sekretär Paul Röthlisberger scheidet im Zusammenhang mit seinem Rücktritt als Gemeindeschreiber per Ende 2009 aus. Er steht dem OK nicht mehr zur Verfügung. Gestützt auf diese Ausgangslage hat der Gemeinderat Gemeindeverwalter Christian Wenger diese Funktion übertragen. Er gehört dem General-OK bereits an (Bereich Finanzen).

Die Vorgeschichte

Das Büro des Gemeinderates befasste sich bereits im Dezember 2006 mit dem Gedanken, das Jahr 2011 zu einem Festjahr werden zu lassen. Der Grund dafür war die vermeintlich erstmalige schriftliche Erwähnung des Ortsnamens Bätterkinden in einer Urkunde aus dem Jahr 1261. An der Klausursitzung vom 8. Januar 2007 diskutierte der Gemeinderat den Ratsbüro-Vorschlag und entschied, die Idee eines «Dorffestes 2011» weiterzuverfolgen. Bereits ab Januar 2008 starteten die Vorarbeiten für die Schaffung einer Dorfchronik, und mit der Planung und Durchführung eines Dorffestes 2011 wurde ein General-Organisationskomitee (General-OK) beauftragt. Es nahm am 11. Juni 2009 seine Arbeiten in Angriff.

Stand der Planung

Gegenwärtig befinden sich für das Jubiläumsjahr 2011 folgende Anlässe in Planung:
- Januar: Start-Apéro mit Überraschung
- März: Gewerbeverein: Tag der offenen Türen
- Mai/Juni: Dorfrundgänge (drei Etappen)
- Juni: Amtsmusiktag (teilweise ins Jubiläum integriert)
- Juni: Dorf-Orientierungslauf
- 31. Juli/1. August: Bundesfeier unter dem Stichwort «Kultur»
- 1. bis 4. September: grosses Dorffest
- September bis November: Ausstellung «Geschichte und Zukunft»
- Dezember: Kirchenkonzert, Weihnachtsfenster
- Jahresende: Ausklang des Jubiläums.

Elegant gelöst

Bis vor Kurzem galt also noch das Jahr 1261 als der Zeitpunkt der ersten bekannten schriftlichen Erwähnung. Grundlage dazu bildete eine schriftliche Aufzählung von Abgaben des Ortes «Bettirchingen» (Bätterkinden), die er an die Grafen von Kyburg zu leisten hatte. Erst vor kurzer Zeit stiess die Ortsnamenforschung im «Solothurner Urkundenbuch» von 1952 auf die Kopie einer Urkunde vom 5. Februar 1243: Darin ist der Ortsname «Beterhingen» (Bätterkinden) festgehalten. In diesem Dokument bezeugen die beiden Grafen von Kyburg, dass sie mit Probst und Kapitel von Solothurn ein Besitztum zu «Racenwile» (möglicherweise Rudswil) um ein solches zu «Beterhingen» eingetauscht haben.

Damit musste die Dorfgeschichte umgeschrieben werden: Die älteste, bekannte schriftliche Erwähnung von Bätterkinden stammt also aus dem Jahr 1243, womit die 750-Jahr-Feier bereits 1993 hätte stattfinden müssen. Diese Erkenntnis hatte Konsequenzen für die Gegenwart: Das General-OK musste sich punkto Jubiläumsfeier etwas einfallen lassen und beschloss, wie erwähnt, die «750 Jahre Bätterkinden» trotzdem zu feiern - allerdings mit dem kleinen Zusatz «plus». (mgt/com)

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