So bewältigt die Schweiz das Chaos

Über 200 Flüge musste die Swiss gestern annullieren – Profiteure sind die SBB und Hotels.

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So bewältigt die Schweiz das Chaos

So bewältigt die Schweiz das Chaos

Silvan Hartmann und Philipp Mäder

Flughafen Zürich

Zahlreiche Flüge mussten gestern in Zürich gestrichen werden. Die Swiss allein liess über 200 Flüge ausfallen. Betroffen waren all jene, die in Städte nördlich von Paris und Frankfurt hätten fliegen sollen. Trotzdem sah es gestern für Zürich zunächst nicht schlecht aus. Während die grössten Flughäfen wie London, Paris oder Frankfurt bereits frühmorgens schlossen, konnten Passagiere mit südlicherem Ziel ab Zürich abfliegen. Umgekehrt nutzten die Airlines die Lage von Zürich aus. Sie wichen hierher aus – und das, bis kein Flugzeug mehr in Zürich Platz hatte. «Es wird langsam eng mit den Plätzen», bestätigte Marc Rauch, Sprecher vom Flughafen Zürich, am Nachmittag. Um 15.53 Uhr kam die Meldung vom Bundesamt für Zivilluftfahrt: Luftfahrt bis mindestens heute 9 Uhr eingestellt. Am späten Abend wurde die Blockade nochmals verlängert – bis 14 Uhr.

SBB

Grosse Profiteure vom Mega-Chaos sind die SBB. Wegen der Schliessung der Flughäfen in Europa wechseln die Reisenden auf Bus und Bahn. Die Züge sind überlastet. Für Reisen ins Ausland setzen sie Sonderzüge ein. Doch damit zu fahren, geht nur mit einer Sitzplatzreservation. «Wir raten allen Reisenden ohne gültige Sitzplatzreservierung von einer Reise ins Ausland ab», schreiben sie in einer Mitteilung.

Hotels

Wer von Zürich nicht mehr nach Hause fliegen kann, braucht ein Hotelzimmer – gleichzeitig annullieren jene ihr Zimmer, deren Flug nach Zürich abgesagt ist: «Bei uns läutet seit morgens um sechs dauernd das Telefon», sagt die Dame an der Rezeption des «Best Western» am Flughafen. «Seit 14 Uhr sind wir ausgebucht.» Auch die anderen Hotels direkt beim Flughafen hatten gestern Abend keine freien Zimmer mehr. Anders sieht es in der Stadt Zürich aus: Dort sind noch Zimmer frei. Obwohl die Nachfrage auch hier höher ist, wie es bei Zürich Tourismus heisst.

Reiseanbieter

Bei Kuoni und Hotelplan liefen gestern die Drähte den ganzen Tag heiss: «Wir haben unzählige Anfragen von Kunden, was sie nun tun sollen», sagt Peter Brun, Sprecher von Kuoni. Beide ermutigen die Kunden, ihre Reisen nicht sofort zu stornieren. «Am besten ist, wenn man von Tag zu Tag entscheidet», sagt Prisca Huguenin von Hotelplan.

Rega

Die Schliessung des Luftraums trifft auch die Ambulanzjets der Rega. Damit diese nicht in der Schweiz
am Boden blockiert sind, hat die Rega gestern zwei Jets nach Spanien verlegt. Von dort können sie weiterhin Schweizer abholen, die im Süden, Osten oder Westen erkranken oder verunfallen. Allerdings können die Jets diese Personen während der Luftraumsperrung nicht in die Schweiz zurückbringen. Deshalb bringt sie die Rega nach Spanien. Ein Jet der Rega war gestern noch immer in London blockiert. Weiterhin problemlos fliegen können die Rega-Helikopter, die in der Schweiz im Einsatz stehen.

Videokonferenzen

Aus der Not eine Tugend macht
die Firma Regus, die Infrastruktur für Videokonferenzen anbietet. Sie verschickte gestern kurzerhand ein Werbemail: «Videokommunikation ist der einzige Ausweg für Unternehmen, um den drohenden Ausfall von internationalen Meetings durch die Aschenwolke zu vermeiden.» Europaweit sei die Nachfrage nach Videokommunikation um 12 Prozent gestiegen, sagt ein Regus-Sprecher auf Nachfrage. Der Freitag habe am meisten Umsatz in der Geschichte des Unternehmens gebracht.

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