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Skiregion Saas Fee wirbt mit anzüglichem Wort – Werbefirma beschwichtigt

In seinem neusten Werbemotiv wirbt die Skiregion Saas Fee mit dem anzüglichen Wort «geil» für die Pisten. Für die zuständige Marketing-Firma kein Problem: Das Wort gehöre längst zum alltäglichen Sprachgebrauch.

Roman Michel
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«Hammer», «mega» und «geil» statt «Längfluh», «Galen» und «Weisse Perle» – die Skiregion Saas Fee hat die Pistennamen auf diese Saison kurzerhand umbenannt; wenigestens für die neusten Werbeplakaten, die in Zügen in der ganzen Schweiz zu sehen sind.

Das anzügliche Wort «geil» erzürnt dabei die Gemüter einiger Passagiere. «Solche Ausdrücke haben in der Öffentlichkeit nichts zu suchen», heisst es bei erzürnten Lesern.

Marcus Gretener von der zuständigen Marketing-Firma «Matter Gretener Lesch» sieht darin jedoch keine Probleme: «Diese Wörter gehören heute zum alltäglichen Sprachgebrauch.» Dabei habe «geil» längst nicht mehr die Bedeutung von früher und werde vielmehr wie «lässig» oder «toll» gebraucht.

«Dass sich Leute am Wort 'geil' stören, habe ich im Zusammenhang mit dieser Kampagne noch nie gehört.» Klar sei aber, dass es bei jeder Kampagne Personen gäbe, welche sich daran stören würden.

«Hammer, lässig und geil sind Ausdrücke, welche Skifahrer nach ihren Abfahrten in die Bergluft jauchzen», erklärt Gretener, «wer sich daran stört, der darf gerne eine der anderen Pisten wählen.»

Schwerpunkt Züge und soziale Netzwerke

Viel wichtiger ist für ihn, dass eine Werbekampagne alleinstellend und wiedererkennbar sein sollte. «Mit der Freien Ferienrepublik Saas-Fee erzählen wir eine authentische Geschichte, die sich nicht mit der Werbung anderer Skigebiete vergleichen lässt», sagt Gretener, «die typischen Merkmale der Region werden dabei hervorgehoben.»

Neben Saas Fee würde nur noch Braubünden Tourismus solche eigentständigen Werbe-Geschichten in der Schweiz erzählen. «Weil wir für eine vergleichbar kleine Region werben, ist das Budget für die Kampagnen einiges kleines als jenes von Graubünden», sagt Gretener.

Frech und provozierend

Nicht zum ersten Mal sorgt die Region Saas Fee durch ihre kecke Werbung für Aufsehen. Als einige Skiorte vor drei Jahren den Saisonstart verschieben mussten, nutzte die «Freie Ferienrepublik Saas-Fee» dies gnadenlos aus: In einem Werbevideo schlitteln Kinder auf Gras, während Snowboardfahrer auf blanken Halfpipes kaum vorwärts kommen.

«Wir bedauern, dass man Schneebegeisterte zu solch fragwürdigen Aktivitäten zwingt», heisst es im Beitrag. «Die Werbung soll durchaus auch frech und provozierend sein», sagt Gretener, «ohne aber die Grenze zu überschreiten.»

Bei einem Werbespot müsse man sich immer selbst fragen, ob man darüber schmunzeln könne. «Mit solchem gesunden Menschenverstand lässt sich die Grenze des Erlaubten erkennen.»

Vor drei Jahren foppte Saas Fee die Konkurrenzregionen mit deren Schneemangel.
4 Bilder
Im Werbefilm mussten Kinder einen Grashang hinunterschlitteln...
... Snowboarder stürzten sich in blanke Halfpipes.
«Wir bedauern, dass man Schneebegeisterte zu solch fragwürdigen Aktivitäten zwingt», heisst es im Beitrag.

Vor drei Jahren foppte Saas Fee die Konkurrenzregionen mit deren Schneemangel.

www.saas-fee.ch

Gian und Giachen laufen Bündnern davon

Wenig amüsiert zeigte sich Graubünden Tourismus vor zwei Jahren, als die beiden Bündner Steinböcke und Markenzeichen Gian und Giachen in einem Werbespot der Walliser auftauchte.

In breitem Bündner Dialekt erklärten sie kurzerhand, dass die Berge in Saas-Fee höher seien, das Klettern spannender und das Wetter besser.

Das Video ist mittlerweile nicht mehr abrufbar: «Die Tourismusverantwortlichen von Graubünden drohten unserem Kunden mit rechtlichen Schritten, und für einen juristischen Kleinkrieg hat die Freie Ferienrepublik Saas-Fee kein Geld», heisst es.

Die beiden Steinböcke sind seither wieder in ihren Heimatkanton zurückgekehrt und werben dort mit ihren witzigen Spots um die Touristen.