Polizeiliche Sicherheitsassistenten
Sie stellen auf Streife auch Bussen aus

Seit Anfang Jahr sind Daniela Iseli und André Reber als polizeiliche Sicherheits-assistenten bei der Kantonspolizei Solothurn im Einsatz. Eine ihrer Aufgaben: Präsenz markieren.

Drucken
Teilen
Polizeiliche Sicherheitsassistenten

Polizeiliche Sicherheitsassistenten

Aargauer Zeitung

Urs Huber

Däniken, Freitag, 18.43 Uhr: ein linder Abend. «Jä hee, was ist denn hier los?», fragt sich ein Primarschüler halb belustigt, halb verwundert. Dann löst er sich von seinen Kameraden und nähert sich gwundrig dem uniformierten Duo. So viel Polizeikräfte in der Nähe des Kindergartens hat der Junge selten gesehen. Dort patrouillieren Daniela Iseli und André Reber in ihrer Funktion als polizeiliche Sicherheitsassistenten (PSA).

Eben sind die beiden aus ihrem Wagen gestiegen und erkunden die Gegend, halten Ausschau nach Auffälligkeiten, blicken hinter Büsche und Hausecken. Eine ihrer vielen Aufgaben: An neuralgischen Punkten, so genannten Hotspots, zum Rechten sehen, Präsenz markieren, präventiv wirken.

Schulhaus Däniken: Alles ruhig

«Das können etwa Schulhäuser, Bahnhöfe, Dorfplätze sein, wo sich Jugendliche treffen, die in ihrem Übermut schon mal über die Stränge zu schlagen drohen», sagt André Reber. Und Daniela Iseli meint: «Wenns warm ist draussen, das Wetter stimmt, dann geht der Betrieb los.» Hier in Däniken ist momentan alles ruhig, keinerlei Auffälligkeiten.

1. Einsatz: Fehlbarer Garagist

Den ersten Einsatz am heutigen Abend hat das Duo Reber/ Iseli bereits hinter sich. Der hatte einem Garagisten in Oltens Industriequartier gegolten, der die Versicherungsprämie schuldig geblieben war. Also wurde die Polizei beauftragt, die Kontrollschilder zuhanden der Motorfahrzeugkontrolle einzuziehen.

Reber verschwindet mit den entsprechenden Papieren im Halbdunkel der Garageneinfahrt und kehrt kurz darauf wieder zurück, im Schlepptau einen etwas mürrisch dreinblicken Mann, der das fragliche Nummernschild von der Wand hebelt und ihm, Reber, in die Hand drückt. «Manchmal versuchen sich die Leute noch herauszureden. Er hier hat behauptet, die Versicherung gewechselt zu haben, das müsse ein Missverständnis sein.» Reber schmunzelt und steigt in den Wagen.

Seit Anfang Jahr sind er, der gelernte Landschaftsgärtner, und Daniela Iseli, die gelernte Zahnarztgehilfin, zusammen mit vier weiteren Kolleginnen und Kollegen als PSA der Kantonspolizei Solothurn unterwegs. Die beiden sind stationiert auf dem Bezirksposten Olten. Ihr Einsatzgebiet: die Bezirke Thal-Gäu und Dorneck-Thierstein je für einen Tag pro Woche, die restlichen Einsatztage erbringen sie im Bezirk Olten-Gösgen.

«Neben der Präventionsarbeit erledigen PSA vor allen Dingen Zustellungen, und sie kontrollieren den ruhenden Verkehr», erklärt Niklaus Büttiker, Bezirkschef Olten-Gösgen. «Sie verfassen Strafanzeigen, begleiten Gefangenentransporte, stellen Gerichts- und Betreibungsurkunden zu, begleiten Schwertransporte, helfen bei Hausdurchsuchungen und Kontrollen von Asylbewerberunterkünften mit, leisten Verkehrsdienste bei speziellen Anlässen oder stellen Ordnungsbussen aus», umschreibt der Bezirkschef den breit gefächerten Aufgabenkatalog der PSA, welcher die übrigen Korpsangehörigen entlastet.

Im Schulhaus Feld in Schönenwerd trifft die Patrouille auf spielende Kinder. Der Platz ist ab 21 Uhr mit einer richterlichen Sperre belegt. Die PSA machen die Kinder darauf aufmerksam, geben nebenher Auskunft zu ihren mitgeführten Berufsaccessoires, stillen den Gwunder an Handschellen, Mehrzweckstock, Pfefferspay. Die Frage nach einer Schusswaffe taucht auf. Fehlanzeige. Was Reber den Kindern erklärt, lässt sich in etwa so zusammenfassen: Die Strategie der PSA ist hauptsächlich defensiv.

Schönenwerd: Helm vergessen

Zum Ausstellen einer Busse kommts am Abend; ein Mann auf dem Moped quert beim Wehr Schönenwerd die Brücke - ohne Helm. Reber stoppt den Mann, den es nach Erlinsbach zieht. Die Freundin wolle er zum Nachtessen einladen, bekennt er freimütig. «Den Helm? Na ja, Sie wissen doch, wie das ist, vergessen», sagt der Mann in liebenswürdigem Tonfall.

Die PSA kontrollieren Ausweis, Nummernschild und vergewissern sich per Telefon bei der Zentrale in Solothurn, ob sonst alles in Ordnung sei. Es ist. Der Mann ohne Helm zündet sich derweil eine Zigarette an: Das Versäumnis kostet ihn 30 Franken. Obs fürs Nachtessen noch reiche? Er zahlt die Busse bar, verabschiedet sich per Handschlag und schiebt sein Moped Richtung Erlinsbach.

Nach 21 Uhr ist die Patrouille zurück in Olten. Unter den gut 25 in Olten stationierten Kantonspolizisten fühlen sie sich wohl und problemlos aufgenommen. Was dann folgt, bekommt die Öffentlichkeit sel-
ten zu Gesicht: Schreibarbeit. Dienstschluss ist um 23 Uhr.

Aktuelle Nachrichten